Vorspiel & Prolog

schreibenIch verkörpere ein in diese Welt verirrtes Wesen mit vielen Gegensätzen und unterschiedlichsten Facetten. Ich bin schüchtern und forsch. Ich bin Langweiler und Draufgänger. Ich bin Stubenhocker und Party-Guy. Ich bin ein Träumer, dennoch Realist. Ich bin nass und trocken, Liebender und Geliebter, Verführer und Verführter, Dreckschwein und Sympath, Frieden und Krieg; ich bin Liebe und Hass, traurig und zum Heulen komisch. Ich hasse Kälte und Hitze - Ich bin der geduldige Choleriker. Ich frage und gebe Antwort. Eine interessante Mischung, die stets darauf wartet, gezündet zu werden.

Das Landgericht(LG) in Hamburg hat mit Urteil vom 12. Mai 1998 - 312 O 85/98 - “Haftung für Links” entschieden, dass es das Wesen von Links nicht verstanden hat. Deshalb distanziere ich mich hiermit von diesem Landgericht, allen Inhalten dieser und anderer Websites, allen Links, vor allem aber von der deutschen Justiz. Und ich distanziere mich ausdrücklich!

Warum Contrapunctus?

Contrapunctus, auch Kontrapunkt (von lat. punctus contra punctum = „Note gegen Note“) ist ein musiktheoretischer Begriff mit mehrfacher Bedeutung. Weiterlesen…

Hinweis: Alle Texte auf dieser Webseite unterliegen dem Copyright von Contrapunctus und dürfen ohne Zustimmung nicht veröffentlicht werden!

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Böhmergähnchen - Erdomännchen!

IsarkingMag Böhmergun ein Lappen sein?
Und Erdomann ein armes Schwein?
So ist am Ende gewiss
Die Merkel hat den Schiss.

Im Erdowahn die Flüchtlingsflut
“Reist ein, ins deutsche Land!”
Frau Merkel sagt “Mir jehts nich jut!”
Und Erdomann erfand
Ein neues Spiel; Gedankengut
In grenzenlosem Wahn.

Schön ist’s wieder anzusehn;
Politiker sind dumm!
Und Erdogan muss jetzt gestehn
“Die Merkel krieg ich rum!”

13.04.2016 - 02.30

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Vergangenheit

contrapunctus media sonnenuntergang 011Vergangenheit bleibt stets besteh’n
Auch wenn wir sie verdrängen.
Vergangenheit ist abzuseh’n,
In alt-verstaubten Klängen.

Vergangenheit kann Liebe sein
Und zugleich Tod wie Leid.
Sie reift, wie alter, guter Wein
Vergangenheit trägt jedes Kleid.

Eines Tages kommt sie wieder
Mit all ihrer Macht.
Du hörst ihre alten Lieder
Und Deine Erinnerung erwacht.

Als Millionen böser Viren
Kriecht sie durch Dein Leben.
Jetzt kannst Du nur verlieren
Oder alles geben.

Vergangenheit tut immer weh
Egal, auf welche Art.
Wenn ich alte Bilder seh’
Reagiere ich apart.

Vergangenheit, sie holt dich ein
Und nimmt Dir den Verstand.
Das macht nur alter, guter Wein
Und des Menschen böser Tand.

Vergangenheit wird nie gestillt.
Von der Zukunft wohlgenährt.
Und bevor sie Dich killt,
Flieh vor dem Damokles Schwert.

14./15.03.2016

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Endlich! Facebook sperrt Nutzer von Hasskommentaren!

Facebook John ProfilbildJa, nach 7 Jahren Facebook hat es nun auch mich erwischt. Mein Konto wurde gesperrt, weil ich gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen habe. Facebook handelt endlich. Im Folgenden lautete mein “Hasskommentar”: “Vielleicht sollte Alexandra zuerst denken und dann mosern.” UPDATE: Durch den befreundeten Schauspieler Florian Simbeck wurde ich wieder an die Situation erinnert. Es ging um den “Flüchtlingspanzer” auf einem Karnevalsumzug in einer niederbayrischen Kleinstadt, den Florian fotografiert und zurecht kritisiert hatte. Nur wenige Stunden später raste Simbeck’s Foto durch sämtliche Medien. Unter Unmegen an Kommentaren von Nazis, Hohlbirnen und besorgten Bürgern, die von einer rechtslastigen Seite zu diesem Shitstorm aufgerufen wurden, befand sich auch der Kommentar dieser besagten Alexandra. Da Florian Simbeck in seinem Post nochmal Stellung zu dieser Scharade nahm und erklärte,  so eine “Welle” habe er mit seinem Foto weder erwartet, noch gewollt, schrieb sie “Vielleicht sollte man erst denken und dann handeln Herr Simbeck…” Warum? Würde sie es besser machen in seiner öffentlichen Position? Ist es der Neid der Brotlosen? Oder möchte sie einfach nicht zu offen nach außen tragen, dass sie nur eine von diesen vielen besorgten Shitstormern ist, die Simbeck’s Seite nie geliked hat? Nun, ich entgegnete ihr, sie solle doch selbst erstmal nachdenken, bevor sie mosert…

Natürlich bin ich bekannt dafür, unbequeme Kommentare abzuliefern und meine Meinung zu vertreten. Und ich hab das in der Vergangenheit schon mit sehr grenzwertigem Vokabular getan. Die Anzahl der Likes dieser Kommentare bestätigen mir in den meisten Fällen, dass mir mehr als die Mitte der Leser zustimmen. Heute kam dann ganz überraschend die Meldung von Facebook, dass mein Konto gesperrt sei und ich 24 Stunden lang gar nichts mehr machen kann. Weder private Messages beantworten, posten oder Profileigenschaften ändern, noch die Seiten und Gruppen verwalten, die ich erstellt hatte. Nein, Facebook macht das schon richtig. Diese Art von persönlicher Meinung geht nun wirklich nicht! So etwas ist keine Meinung mehr:

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Gelinde gesagt, finde ich es eine Frechheit, einen Nutzer zu sperren, der einen simplen Kommentar ohne jegliche Beleidigung geschrieben hat. Ich würde zu gerne wissen, welcher Hampelmann für diese Entscheidung zuständig war, der von den Geldern bezahlt wird, die mit unseren Profilen generiert werden. Aber diese “Menschen” hinter den Computern sind nicht greifbar. Wenn Du Facebook eine Beschwerde schickst, erhälst Du monotone, vorgefertigte Texte, die Dich auf irgendwelche Links aufmerksam machen. Du bist nur Ware für Facebook, sonst nichts. Mit Ware muss man nicht sprechen. Sie verkauft sich oder wird aussortiert. Im Übrigen hatte auch ich in der Vergangenheit schon Kommentare oder Beiträge gemeldet, die jegliche Grenzen überschritten. So zB sieht Facebooks Reaktion aus, wenn man einen Kommentar meldet, in dem der Ersteller damit droht, “Kanacken abzuknallen”:

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Und so sieht es aus, wenn man ein Bild meldet, das zum Abschlachten von Muslimen auffordert:

011

Nun kann sich jeder seine eigene Meinung bilden und sich fragen, wo hier eine Verhältnismäßigkeit herrscht. Ich jedenfalls habe aus dieser absurden “Maßregelung” nur eines gelernt. Dass Facebook willkürlich und ohne jegliche Adäquanz Profile sperrt. Es kann jeden treffen, der vielleicht nur schreibt: “Du schreibst ja einen Mist!” Und ich werde weiterhin meine Meinung öffentlich kund tun, da kann mich Facebook hundertmal sperren. Notfalls sag ich meine Meinung am Telefon (wobei, dafür wird man sicher auch bald gesperrt…) oder den Leuten privat. Aber solange ich Aussagen von dummen Hohlbürgern im Internet lesen und ertragen muss, werde ich diese kommentieren. Und ich werde mir von Facebook nicht vorschreiben lassen, wie ich das zu tun habe. Ein ehrliches Arschloch mit Niveau, wie ich eines bin, hat es nicht nötig, Menschen zu beleidigen. Ich erfreue mich eines gewaltigen Wortschatzes. In diesem Sinne - BRAVO Facebook! Weiter so!

UPDATE 2: Seltsamer Zufall. Heute erschien in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel, der fast haargenau das selbe Thema behandelt:  Facebooknutzer kämpft gegen Hass - und wird gesperrt

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Herr hilf!

Schuss in den KopfHerr, hilf mir, die Welt zu verstehn,
Sie zu lieben und zu ehren.
Hilf mir endlich, das Schöne zu sehn
Lass das Böse nicht gewähren.

Herr, warum so viel Hass auf der Welt?
Muss das denn wirklich sein?
Meine Seele ist so sehr gequält
Von all den Schweinereinen.

Krieg, Gewalt und Hetzereien
Täglich wird es immer schlimmer.
Und täglich möcht‘ ich ganz laut schreien
Dir, o‘ Herr, vertrau ich nimmer!

Täglich trage ich den Schmerz
Einer ganzen Welt in mir.
Täglich frage ich mein Herz
Warum bist Du jetzt nicht hier?

Herr, ich glaube nicht an Dich
Und doch bitte ich darum!
Herr, o‘ Herr, errette mich!
Oder bring mich endlich um.

07.01.2016 - 01.30

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Ich küsse deine Hände

IsarkingBrichst du mir den Finger,
Brech ich deine Hand.
Nimmst du mir mein Haus,
Nehme ich dein Land.

Brichst du mir den Zahn,
Brech ich dein Gebiss.
Nimmst du mir das Liebste,
Ist dir der Tod gewiss.

Tötest du mein Kind,
Hol ich mir deine Sippe.
Brichst du mir einen Knochen,
Brech ich dein ganzes Gerippe.

Nimmst du mir mein Augenlicht,
Nehm ich dir die Welt.
Stiehlst du mir einen Penny,
Hol ich mir all dein Geld.

Erst wenn ich mit dir fertig bin,
Ist unser Spiel zu Ende.
Dann bade ich dich in Benzin
Und küsse deine Hände.

18.11.2015 - 22.50

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Im Schmerz geboren

Im Schmerz warst du geboren
In klarer Vollmondnacht.
Von den Göttern auserkoren
Kurz aus einem Traum erwacht.

Der Schmerz, er goss sich weiter
Durch deine Lebenszeit.
Und bald war er der Reiter
Deiner Hilflosigkeit.

Und jetzt im dritten Lebensakt
Führt er Dich ins Verderben.
Während er dein Herz zerhackt
In tausend rote Scherben
Und ein Leid dein Nächstes jagt,
Willst du leise sterben.

Doch den Triumph erlangst du nicht!
Ich spiel’ ein Spiel mit dir!
Und wenn ich mit dir fertig bin,
Dann gehörst du mir!

Ich bin dein Schmerz.
Und werde deine Stimme sein.
Ich nehme mir dein Herz
Und brech dir jedes Bein.
Es wird mir eine Freude sein.

Im Schmerz warst du geboren
Im Schmerze wirst du gehn.
Dies Spiel hast du verloren
Nun ist’s um dich geschehn.

07.11.2015 - 01.08

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Diese Welt…

contrapunctusMeine Hände sind leer
Und müde mein Geist.
Mein Herz schlägt schwer
Das Nichts in mir kreist.

Wie kann ich das abwenden?
Wo finde ich mein Glück?
In meinen leeren Händen
Zerbricht es Stück für Stück.
Das letzte Fünkchen Glück.

Die Angst hat meiner Seele
Große Mauern aufgebaut.
Der Kloß in meiner Kehle
Hass und Trauer in sich staut.

Ich werd die Welt niemals verstehen.
Nicht ihre Freuden, nicht die Leiden.
Dies täglich stumpfe Weltgeschehen
Möcht ich zu gerne meiden.

Überall Lügen, Gier und Neid
Krieg, Moralismus und Hass.
Der Welten schönes Kleid
Wirkt erschöpft und leichenblass.

Ich glaub nur, das was ich sehe
Und das ist schon zu viel.
Egal, wohin ich gehe
Diese Welt ist nicht mein Ziel.

22.09.2015 - 00.32 Uhr

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Ich vermisse

marioIch vermiss Deinen Atem,
Der nachts zu mir spricht,
Und den blauen Glanz
Aus Deinem Augenlicht.

Ich vermisse die Ruhe,
Die Du mir gibst;
Und das Prickeln,
Wenn Du mich liebst.

Ich vermisse die Orte,
An denen wir waren.
Und Deine Worte;
Die Worte, die Klaren.

Ich vermiss diese Blüte,
Die einem Frühling gleicht.
Ich vermiss Deine Güte,
Die um mein Herz herschleicht.

Ich vermiss nicht die Sehnsucht.
Die Sehnsucht nach Dir.
Ich vermiss sie so lang nicht,
Bis Du vor meiner Tür…

(Für Super-Mario)

24.08.2015- 20.30

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Der Mond hat gelacht

MondIch sah zu den Sternen
Und fragte den Mond
Ob das Leben zu lernen
Sich für mich noch lohnt.

Ich schrie in den Himmel
In tief dunkler Nacht
Es kam keine Antwort
Der Mond hat gelacht.

So zog ich von dannen
Der Weg war mir schwer
Das Rauschen der Tannen
Hör ich nicht mehr.

Die Arie des Lebens
Auch sie bleibt mir stumm
Ich such sie vergebens
Ich suche mich dumm.

Ich dreh mich im Kreis
Bei Tag und bei Nacht
Und zahle den Preis
Der Mond hat gelacht.

29.03.2015-00.28

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Jedes Mal, wenn ich Dich seh

liebeskummerJedes Mal, wenn ich Dich seh
Pulsiert mein Blut bis in den Hals
Schießt Adrenalin durch meine Adern
Umschleicht mich edler Schwindel.

Jedes Mal, wenn ich Dich seh
Schmückst Du meine Welt mit bunten Farben
Wehst wie ein Frühlingswind
Durch meine Glieder.

Jedes mal
Bist Du Rausch
Verzweiflung
Und tiefe Sehnsucht.

Eine Sehnsucht
Die nie vergeht
Mit jedem Jahr
Noch stärker weht.

Jedes Mal, wenn ich Dich seh
Bleibt ein Teil von Dir
In meinen Träumen.

17.03.2015 - 23.16

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Das Gift in mir

schmerzGanz tief in meinem Herzen
Lauert ein tödliches Gift.
Es lauert voller Schmerzen
In schönster, glanzvoller Schrift.

Geschrieben in goldenen Lettern
In Jahren der Völlerei
Von hasserfüllten Göttern.
Eine Elends-Litanei.

Es nährt sich von dunkelsten Tagen
Und altem Verderben
Von unbeantworteten Fragen
Und zigtausend Scherben.

Das Gift in mir trägt keinen Namen
Und doch stammt es von Dir.
Es trägt auch Deinen Samen
Und all Deine Gier.

Zur richtigen Stunde
Wird es befreit.
Es schlägt Dir die Wunde
Deiner Eitelkeit.

19.02.2015 - 01.11

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Neues Leben

10698422_857026800985739_4805650522985778330_nSiebzehn Jahre Gras und Wein
Dramen, Tod und Lotterleben.
All das soll’s gewesen sein?
Es muss noch mehr da draußen geben.

Siebzehn Jahre roter Wein
Siebzehn Jahre roter Tod.
Er wollte mein Begleiter sein
Und brachte mich in Seelennot.

Siebzehn Jahre grünes Gras,
Siebzehn Jahre toter Geist.
Zugekifft und ohne Spaß
Ein Teufel um den andren kreist.

Liebe nur im Suff ertragen
Trauer schreit, wenn sie vergeht.
Depression an Wintertagen
Wenn mein Herz nach Wärme fleht.

Gedanken im Nebel bunt und schön,
Grüner Rauch in meinen Lungen.
Ich kann die Freude nicht mehr sehn
Der Teufel ist schon eingedrungen.

All das soll nun anders werden
Ich hab mein altes Leben satt.
Es gibt so viel Glück auf Erden
Wenn man’s nur gefunden hat.

Ich werd mein Glück bald finden.
Der erste Schritt ist schon getan.
Keine Zeit will ich mehr schinden.
Mein neues Leben fängt jetzt an.

01.02.2015



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Alle Jahre wieder

241213-001Alle Jahre wieder,
Kommt der warme Wind,
Blüht der weiße Flieder.
Ein Frühlingstraum beginnt.

Alle Jahre wieder
Blühen die Dezemberrosen,
Ertönen alte Weihnachtslieder,
Wenn draußen wilde Stürme tosen.

Alle Jahre wieder,
Kommt das Frühlingskind
Auf die Erde nieder,
Wo der Schnee zerrinnt.

(23.12.2014 - 12.50)

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Wasser & Kot

trauer12Täglich spring ich ins Wasser
Und täglich tauche ich auf.
Jedes Mal werde ich blasser,
Doch ich scheiße darauf.

Jedes Mal tiefer,
Bis nahe dem Tod.
Mir steht’s bis zum Kiefer.
Wasser und Kot.

Mir steigt diese Scheiße
Nun bis in den Kopf.
Ich sag es ganz leise:
Mir wächst schon der Kropf.

Wasser & Kot,
Mir stehts bis ins Hirn!
Die Seel’ schwimmt in Not,
Mir runzelt die Stirn.

Mein Herz kotzt es aus:
Ich möcht hier nicht sein.
Ich geh jetzt hinaus.
Und kehr nicht mehr heim.

30.11.2014 - 03.10

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Der Schmerz

10348445_777504408937979_8480489770700095759_nDer Schmerz lacht
In meiner Brust
Er will nicht hinaus
Bleibt gefangen
In verblichenen Bildern
Verklungenen Melodien
Und längst verflogenen Düften.

Der Schmerz umklammert
Mein Herz
Wie tausend Nägel
Aus Stahl
Und jede Nacht
Wäre ich zum Sterben bereit
Wenn er nur abließe von mir.

Gierig saugt er
Den letzten Lebenssaft
Aus meinen Adern
Nimmt alles
Was mir einst wichtig war
Und kotzt es
Mir mitten ins Gesicht.

Wie ein Schatten
Der Schmerz
In meinem Kopf
Nie wird er
Von mir weichen
Wie ein guter Bruder
Der erst durch den Tod
Von mir geht.

27.09.2014 - 01.00

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Gefangen im Traum

100814-004Ich wache auf und bin nicht wach.
Das Leben schläft.
Ich schwimme in einem Strom
Der mich in die Tiefe reißt
Greife nach dem Ausgang
Schlafe weiter
Wache niemals auf.
Babylon hält mich gefangen.

Möchte ausbrechen
Aus diesem Albtraum.
Wie lange dauert mein Schlaf?
Ich wache auf und erkenne
Dass alles ein Traum ist.
Realität ist ein Traum.
Am Ende schlafe ich
Doch allein.

Der Traum von Erfüllung
Bleibt ein Schleier ohne Sinn.
Ich lege alles ab
Und bin frei
Frei in diesem Traum.
Doch Traum ist nicht Realität.
Egal was ich mache
Es ist nur ein Traum.

Der Traum wird vergehen
Und ich werde mit ihm schwinden.
Ich bin nichts wert.
Nur einer von vielen.
Ich breche aus!
Ich wache auf!
Sonst ist es zu spät……..

09.09.2014 - 22.00

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Totgeträumtes Glück

190614-001Nur noch nachts im Traum
Fühle ich das Glück
Das sich tagsüber anfühlt
Wie ein Dejavue.

Kaum greifbar
Und doch war es so nah
Dieses unbeschreiblich schöne
Gefühl von Glück.

Ich atme frei
Während mein Herz
Sanft schaukelt
In den Wogen
Diesen Glücks.

Diesem schmerzfreien
Lustvollen
Nächtlich wiederkehrenden
Gefühl
Das tausendmal schöner ist
Als jeder Fick.

Mit dem Morgen
Beginnt die Sehnsucht
Nach diesem
Totgeträumten Gefühl.

Wie nie gelebt
Umschleicht es
Tausend Stunden.

Tausend totgelebte Stunden.

Zehntausend totgeweinte Stunden.

Hunderttausend tote Jahre meines Lebens.


04.09.2014 - 00.25

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Misère

030414-004Der Wind geht rauh
Seit vielen, vielen Tagen.
Nebel legt sich auf der Au
Was hilft’s, jetzt noch zu klagen.

Dieser Sommer war schon tot,
Ehe er begann.
Der Krähen schwarzer Kot
Ist ein Traum, der längst zerrann.

Nun stehn die Weizenfelder
Traurig, leer und krumm,
Die alt geword’nen Wälder
Bleiben braun und schweigen stumm.

Auch die Sonne scheint nicht mehr,
Als wäre sie verschwunden.
Hinter einem Meer
Von totgelebten Stunden.

Komm! Lass uns noch mal tanzen!
Wie in früh’ren Jahren!
Als unsere Romanzen
Noch frisch und ehrlich waren.

Gib mir noch mal das Gefühl,
Von heißen Julisommern
Von den Bergen in Kitzbühel
Bis weit ins Land Vorpommern.

Doch der Traum ist ausgebrannt;
Es führt kein Weg zurück.
Noch ehe ich zum Leben fand,
War ausgeträumt das Glück.

14.08.2014 - 23.33

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Ein wunderschöner Tag

Meteoritenregen

Was für ein idiotischer Traum! Schweißgebadet und voller Unwillen bewege ich meine müden Knochen aus dem Bett und betrachte mein zerknittertes Gesicht im Spiegel. Könnte mich mal wieder rasieren. Nicht heute. Für was?

Ich ziehe die Rollläden im Wohnzimmer hoch und bestaune einen wunderschönen blauen Himmel. Meine Stimmung bessert sich rasch und ich beschließe, einen guten Tag zu erleben.

Als ich kurz vor 10 Uhr in Eile den letzten Schluck Kaffee hinunterwürge, fällt mir auf Facebook eine Meldung der TZ München auf, in der berichtet wird, dass vor ca. einer Stunde der Reichstag und das komplette Regierungsviertel in Berlin evakuiert wurden. Anlässe dafür werden nicht genannt. In Journalistenkreisen wird eine Terrordrohung vermutet. Während mich diese Nachricht etwas an die Anschläge von 2001 zurückerinnert, werde ich von der Türklingel hochgeschreckt. Mein neues Manfrotto Stativ ist wird geliefert. Welch eine Freude! Gleich nach der Arbeit werde ich es testen.

Ich gehe hinaus in diesen ungewöhnlich paradiesischen Sommermorgen und es umschweift mich das seltsame Gefühl, als würden sich ab heute plötzlich all meine negativen Stimmungen und Gedanken, all die Ängste und die Wut der letzten Wochen, Monate, ja Jahre im Nichts auflösen. Nur noch kurz denke ich an meinen wirren Albtraum. Und die Meldung über das geräumte Regierungsviertel.

Ich biege gerade in die Gotthardstraße ein, als ich riesige Schwärme von Vögeln am Himmel ziehen sehe. Selbst Schwäne und Enten bilden seltsame Formationen. Wo die wohl mitten im Sommer hinfliegen?

“Einen wunderschönen guten Morgen, lieber John!” “Einen wunderschönen guten Morgen, liebe Chefin!” entgegne ich. “Magst einen Kaffee, John?” “Heute gern, mein Sodbrennen scheint plötzlich geheilt zu sein! Habt ihr schon gesehen, was mit den Vögeln da draußen abgeht?“ Petra, meine Chefin und Monika, die Sekretärin gehen mit mir nach draußen. „ Ja tatsächlich! Was ist denn mit denen los?“ fragt Monika erstaunt. „Die fliegen in den Norden. Seltsam.“ sage ich. Petra lacht. „Woher willst du denn wissen, wo hier Norden ist?“ „Weil Satellitenschüsseln immer Richtung Süden ausgerichtet sind.“ erwidere ich grinsend und deute auf die Hausfassade gegenüber. „Ach so, klar! Man müsst ja nur mal nachdenken!“ sagt sie lachend.

Die zwei Stunden im Büro vergehen wie im Flug und ich mache mich auf den Weg zu Frau Bögerl, einer Patientin des Pflegedienstes, in dem ich angestellt bin. Nicht nur ich scheine von den seltsamen Vogelschwärmen überrascht zu sein. Viele Menschen auf der Straße blicken ratlos oder kopfschüttelnd in den Himmel. Als ich auf halber Höhe des Hauses bin, sehe ich Rettungswagen und Blaulicht vor dem Anwesen. Ein Leichenwagen. Meine Kollegin Sandra kommt mit betrübtem Blick aus dem Haus. “Kannst nach Hause gehen, John. Frau Bögerl ist gestorben.”

Während ich mich noch mit meiner Kollegin unterhalte, Läuft einer der Feuerwehrmänner aufgeregt mit dem Handy in der Hand zu einem Kollegen. Schnell finden sich alle zusammen und rücken mit Blaulicht ab. Ich verabschiede mich von Sandra, gehe nach Hause.

Auf dem Nachhauseweg denke ich über die vergangenen Jahre nach, in denen ich bei dieser Frau als Hauswirtschafter tätig war. Ich bin nicht wirklich traurig über ihren Tod. Mit Sicherheit war er eine Erlösung für die über 90 Jahre alte, kranke Frau. Sprechen konnte sie nicht mehr viel, auch motorisch war sie nur noch ein liegendes Häufchen Elend. Aber jedes Mal, wenn sie lächelte, sah ich das kleine, verzauberte Mädchen in ihr. Ich werde ihre Wellensittiche vermissen, denen ich in den letzten Monaten die Worte “Hallo” und “Arschloch” beigebracht habe. Frau Bögerl hatte immer über das ganze Gesicht gestrahlt, wenn ihre Vögel mich mit “Hallo Arschloch” begrüßten.

In Gedanken versunken trotte ich durch die Baumschule und setze mich dort auf eine Parkbank. Wie schnell so ein Leben doch vorbei sein kann. So ganz ohne Vorwarnung…

Jedes Mal, wenn jemand aus meinem Umfeld stirbt, fühle ich mich mit dem Tod meiner Mutter konfrontiert. Sie starb sehr unerwartet vor ein paar Jahren und ich habe einige Zeit gebraucht, bis dieser Schock verkraftet war. Heute ist das anders. Nicht mehr tiefe Traurigkeit bestimmt meine Gedanken über ihren Tod, sondern Erleichterung darüber, dass sie nicht schwer krank war, folglich nicht mit ihrem Tod ringen musste und dass ihr diese Zukunft erspart bleibt. Dass ihr erspart bleibt, was da schon ist und wohl noch auf uns zukommt. Als bekennender Skeptiker habe ich diesbezüglich schon immer ein schauriges Gefühl.

Hatte ich heute Morgen nicht beschlossen, diesen Tag gut werden zu lassen? Ich sollte wieder was mit Freunden unternehmen. Als ich mein Handy aus der Tasche krame, bemerke ich, dass es aus ist. „Akku leer! Na toll!“ Na, vielleicht hat es auch was Gutes. Nicht aufregen. Zuhause lade ich es auf und rufe ein paar Kumpels an. Es läutet gerade zu Mittag, da bleibt noch genug Zeit. Langsam gehe ich weiter durch den Park und sauge diesen wunderbaren Sommerduft aus einer Mischung von seltenen Blumen, frisch gemähtem Rasen und einem Hauch Gegrilltem tief in mich ein. Aus der Ferne ertönt eine Feuersirene. Kurz darauf sind Martinshörner zu vernehmen. Es ist schon mittags unerträglich heiß. Vielleicht brennt es irgendwo.

05Während ich die nicht endenden Vogelschwärme vor diesem stahlblauen, wolkenlosen Himmel fotografieren möchte, fällt mir auf, dass in der Nähe der Sonne, bzw. um die Sonne herum Sterne zu sehen sind. Funkelnde Sterne am helllichten Tag? Das habe ich noch nie gesehen; das ist Wahnsinn! Schnell versuche ich mit meiner EOS ein paar Fotos davon zu machen, was sich aber aufgrund der Lichtverhältnisse als schwierig herausstellt. Und da fällt mir ein, dass dieses Phänomen, zumindest für was ich es halte, bei Tageslicht rein physikalisch gar nicht möglich sein kann. Wieder ertönt die Feuersirene aus der Ferne und bei genauerem Hinhören scheinen es mehrere Sirenen aus verschiedenen Richtungen zu sein. Auch die Martinshörner aus der Stadt reißen nicht ab. Mir wird unwohl. Was ist geschehen? Hat heute etwa das eine mit dem anderen zu tun? Ich muss Michi anrufen. Vielleicht weiß er, was los ist. Aber der Akku meines Telefons bleibt aus. Meine Schritte werden schneller. Abwechselnd blicke ich in den Himmel und es scheint nun so, als kämen diese funkelnden Sterne langsam näher und verteilten sich über das gesamte Firmament. Während ich aufgeregt noch ein paar Bilder schieße, rasen tausend Gedanken durch meinen Kopf. Trümmerteile einer Rakete? Eines Flugzeugs? Satelliten? Warum wurde eigentlich heute Morgen das Regierungsviertel…

Ehe ich diese Frage zu Ende denken kann, höre ich über mir ein lautes, schauerliches Dröhnen und sehe erstarrt vor Schreck, wie sich der Himmel in gleißendes Licht hüllt und ein riesiger Lichtball etwa 10 km südlich von mir mit einem ohrenbetäubenden Knall einschlägt. Der Boden zittert unter meinen Füßen und ein schmerzhaft heißer Windstoß fegt hinterher.

Ich weiß nicht, wie lange ich starr und mit offenem Mund dastehe; mein Geist will sich nicht mit dem Gesehenen anfreunden und ich hoffe innerlich, dass ich mich in einem Albtraum befinde. Ich höre entfernte Schreie. Ähnlich, wie bei der WM vor ein paar Jahren. Gespenstisch. Martinshörner. Dunkler Rauch über der Stadt. Gebeutelt von einer heftigen Angst, die kaum in Worte zu fassen ist, renne ich so schnell ich kann, nach Hause. In wenigen Kilometern Entfernung, vermutlich in Pasing, schlägt ein weiterer Lichtball ein. Mittlerweile scheint das Puzzle in meinem Kopf vollständig zu sein. Das sind Meteoriten! Oder Asteroiden! Was auch immer! (13.00)

panik01Die Szenerie in meiner Straße gleicht einem Horrorfilm. Tote Vögel liegen auf der Straße herum. Menschen packen in Panik Taschen in Autos, stehen beängstigt in Gruppen umher, hantieren, weinen. Die Temperatur scheint um 5° C gestiegen zu sein. Mein Hemd ist völlig nassgeschwitzt. Eine junge Frau kommt auf mich zu. „Fahr in den Norden! Weit in den Norden! Da wird es weniger schlimm!“ Sie wirkt aufgelöst. „Was wird da weniger schlimm? Was ist passiert?“ frage ich sie. „Der Meteorit…der…also, der soll irgendwo südlich von Italien oder Spanien oder was weiß ich… verstehst du?“ „Der Meteorit? Und was war das gerade eben?“ frage ich weiter. „Schalt das Radio ein! Sorry, ich muss zum Bahnhof. Alles Gute!“ Auf dem Weg zu meiner Wohnung sage ich gefühlte 200 Mal „Oh mein Gott“ vor mich hin, obwohl ich mit „dem da oben“ noch nie sonderlich viel zu tun hatte. (13.20)

Vor meiner Wohnungstüre empfangen mich zwei Nachbarinnen, die versucht hatten, mich zu warnen. Sie fahren in den Norden und wollen mich mitnehmen. Ich lehne dankend ab. „Ich fahre nirgends hin.“ Als das Handy endlich am Strom ist, wähle ich mit zitternden Händen Michis Nummer. Sein Handy ist aus. Verzweiflung. Facebook ist geflutet von Fassungslosigkeit und Entsetzen. „RIP WORLD“ und „DOOMSDAY“ sind die ersten Seiten, die weltweit schon einige hundert Millionen Likes haben. Und das in nur wenigen Stunden. Als gäbe es jetzt keine wirklichen Probleme… Das Fernsehprogramm sendet Live-Beiträge auf allen Kanälen und an den entglittenen Gesichtszügen der Moderatoren ist der Ernst der Lage unschwer zu erkennen. Von einem riesigen Meteoriten wird berichtet, der aus Richtung der Sonne kommend, südlich von Italien und Spanien im Mittelmeer einschlagen soll. Experten gehen davon aus, dass er bis zu 80% des Lebens auf der Erde vernichten werde. Und bis zum Einschlag verbleiben exakt 6 Stunden und 23 Minuten. Nervös blicke ich auf die Uhr. Das wäre um…20.14 Uhr. Ich renne in den zweiten Stock zu Michis Wohnung und klingle Sturm. Mit meinem Zweitschlüssel schließe ich auf. Niemand Zuhause. Während von draußen immer wieder entfernte Einschläge zu hören sind, die das Haus jedes Mal erzittern lassen, eile ich wieder zurück in meine Wohnung. „Fuck! Was soll ich denn jetzt nur tun?“ (14.00)

Während ich eine Flut von Facebooknachrichten lese und beantworte, klingelt mein Handy. Vater ist dran. Er wirkt erstaunlich gelassen. Aber ich kenne ihn gar nicht anders. „Such dir einen guten Aussichtspunkt! Und vergiss bloß nicht, deine neue Kamera mitzunehmen!“ Den sarkastisch-süffisanten Unterton behält er selbst in seiner letzten Stunde. „Ja so was habe ich auch vor, aber ich erreiche den Michi nicht.“ antworte ich. Knacken und Rauschen in der Leitung. „Wen erreichst du nicht?“ ruft mein Vater. Die Störgeräusche werden stärker. „Dad, ich hab dich lieb!“ rufe ich ins Telefon. „Ich dich auch mein Sohn…“ kann ich noch vernehmen, dann bricht das Telefonat ab. „Kein Netz“ erscheint auf dem Display. Ein weiterer, entfernter Knall. Donnern in der Luft. Es ist unheimlich.

Eben bessert sich wieder das TV Bild. „DOOMSDAY“ prangert auf einer Bauchbinde. Daneben wird die Zeit bis zum Einschlag herunter gezählt. Einige Kanäle senden laut eigener Aussage aus unterirdischen Notfallzentralen, andere senden ein Standbild mit Hinweisen. Mittlerweile ist bekannt, dass die momentanen Einschläge nur der Staub dessen sei, was uns in wenigen Stunden erwartet. Auch Klaus versuche ich mehrmals anzurufen. Seine Leitung bleibt tot.

Gerade möchte ich Heiko schreiben, der sich vermutlich gerade auf Arbeit befindet, als der Strom ausfällt. Verzweifelt schalte ich meinen Laptop an, in der Hoffnung, der Akku hält noch ein paar Stunden. Verbleibende Restzeit: 1 Std. 50 Min. Erleichtert schreibe ich meine Nachricht an Heiko weiter. “Wo bist du gerade? Ich hoffe, es geht dir gut! Bitte melde dich kurz! Falls wir uns nimmer sehn/hören… So long, my friend!” (14.30)

Unterdessen bricht das Donnern von draußen nicht ab. Diese Akustik erinnert mich an Silvester und Bilder aus alten Kriegsberichten. In mir herrscht eine Mischung aus Angst und Ratlosigkeit; aber auch ein Hauch von Befriedigung mischt sich darunter. Befriedigung darüber, dass ich es immer ahnte und Befriedigung darüber, dass dieser Planet durch das Ereignis vielleicht noch eine Chance bekommt. Es ist ein absolut widerliches Gefühl.

Ich gehe zum Wohnzimmerschrank und öffne die Flasche guten Bordeaux, den ich vor einigen Jahren für einen guten Anlass gekauft hatte. Anlässe zu feiern wird es vermutlich keine mehr geben und es wäre doch jammerschade wenn dieser gute Tropfen im Meteoritensturm verdampfte. Nach den ersten Schlucken werde ich ruhiger und überlege, was nun zu tun ist. Das Gefühl, allein zu sterben bereitet mir schreckliches Unbehagen. (14.45)

03Sämtliche Länder am Mittelmeer, sowie die Schweiz, Österreich, Baden-Württemberg und Bayern sind offiziell zum Evakuierungsgebiet erklärt worden; eine Verpflichtung bestehe aber nicht, teilt das Auswärtige Amt auf seiner Facebookseite mit. Von gigantischen Flutwellen, denen selbst die Alpen kein Hindernis seien, wird berichtet. Man könne jetzt nur Schutz im Norden suchen und abwarten, was in den Wochen nach dem Einschlag geschieht, so die Kanzlerin in einer Videobotschaft.

Genau das hatte ich mir immer gedacht. Unsere Politiker wussten sicher schon seit Monaten über dieses Ereignis Bescheid, verkrümeln sich in unterirdische Schutzbunker, haben Lebensmittelvorräte und Strom für etliche Monate und der Pöbel darf in der natürlichen Selektion verrecken. Sollte ich wohl in den Norden gehen? Aber wie komme ich dort hin? Die Züge in Pasing werden sicher restlos überfüllt sein, falls der Bahnhof überhaupt noch steht. Zum Hauptbahnhof ist kaum ein Durchkommen. Stadtweit sind der öffentliche, sowie der Autoverkehr völlig zusammengebrochen. Von Plünderungen und emotionalem Chaos unter den Bürgern ist in einer Nachricht die Rede. (15.00)

Die Einschläge scheinen seit einiger Zeit abzuebben. „Die Ruhe vor dem Sturm“ beschreibt es Jörg Kachelmann in seiner brandaktuellen Videobotschaft. „Das, was wir in den letzten Stunden erlebt haben, waren Trümmerteile des Mutterasteroiden und einem Mondgestirn, die bei einem Aufprall vor einigen tausend Jahren entstanden sind und vom Asteroiden quasi vorausgeschickt werden.“ Man könne es mit leichten Vorbeben vergleichen, auf die ein Hauptbeben folgt. „Machen sie’s gut, vielleicht sieht man sich irgendwann wieder, Wetter brauchen wir jetzt erst mal nicht mehr.“ Kachelmann’s Humor gefällt mir. Vielleicht der letzte, den er sich bewahrt hat. (15.15)

Es klopft an meiner Haustür. Es sind Scott und Lukas. Sie wollen sich verabschieden. „Welch eine Freude, euch noch mal sehen zu dürfen!“ rufe ich und falle den beiden in die Arme. „Mein Vater und ich fliegen nach Thailand zu meiner Mum.“ sagt Scott mit trüber Stimme. „Nach Thailand?“ frage ich ungläubig. „Da fliegt ihr doch gut 14 Stunden und bis dahin…“ „Shit happens, John.“ entgegnet Scott. „Wir können es nur versuchen und hoffen, dass es in Thailand nicht so schlimm sein wird, wenn wir landen.“ „Wenn ihr landet…“ füge ich seufzend hinzu. Scott zuckt mit den Schultern. Ich sehe zu Lukas. Er starrt versteinert auf den Boden und sagt nichts. „Und wo fährst du mit deinen Eltern hin?“ frage ich ihn. „Meine Mutter ist in Frankfurt. Ich werde sie vielleicht nie wieder sehen. Mein Vater möchte mit mir zu Bekannten nach Hamburg.“ schluchzt er. „Und was möchtest du?“ frage ich weiter. „Zu meiner Mum…“ antwortet Lukas. „Dann fahr zu deiner Mum!“ „Aber wie soll ich da hinkommen? Die Bahnen sind überfüllt. Und die…“ „Klau dir ein Auto! Mann, wer braucht morgen noch ein Auto?“ sage ich. Scott lacht. „Haha! Nice, die Idee!“ Von draußen ertönt ein Hupen. „Das ist mein Dad. Ich muss los, John.“ Eine letzte, innige Umarmung, sie fühlt sich wie Stunden, Tage, gar Wochen an… und dann geht er hinaus. Lukas verabschiedet sich und versichert mir, er werde zu seiner Mutter fahren. Und abermals bleibe ich zurück. Wo ist Michi? Ich möchte ohne ihn nicht hier weg. (15.30)

Nach langer Sucherei finde ich ein altes Kofferradio wieder und nehme es in Betrieb. Im Regionalsender wird von mehreren tausend Toten und Verletzten im Stadtbereich München berichtet. Von Ausschreitungen zwischen wütenden Bürgern und der Polizei, von Verkehrschaos und zivilem Ungehorsam. In diesem Moment bin ich sehr froh, etwas außerhalb der Stadt zu leben und gleichzeitig überkommt mich eine Art Panik bei dem Gedanken, Michi könne unter den Verletzten oder gar Toten sein. Habe ich jetzt eigentlich noch das Recht, um einen Mitmenschen Angst zu haben oder zu trauern? Ich denke schon. Jahrtausendealte, ethische Grundgesetze können doch nicht von jetzt auf gleich nichts mehr bedeuten. Und so werde ich hoffen. Hoffen, dass ihm und mir noch ein paar Stunden bleiben. Ein paar Stunden bis zum Einschlag. (15.50)

Während ich eine Sporttasche mit dem Nötigsten für Unterwegs zusammenpacke, kommt mir eine wunderbare Idee. In unserer Siedlung steht ein Hochhaus, das einen Fernblick bis zu den Alpen gewährt, sofern man im obersten Stockwerk steht und das Wetter günstig ist. Dort oben auf dem Dach werde ich es mir bequem machen. Ich packe ein Brecheisen mit ein. Ich beschließe, nicht in den Norden zu fahren um diesen sinnlosen Überlebenskampf mitzumachen. Ich werde mein Schicksal mit all denen teilen, die hier bleiben. Ich werde das Spektakel genießen. Mit Angst und Genugtuung. Eine Flasche Bordeaux geht noch mit in die Tasche und dann verlasse ich das Haus. (16.10)

Draußen herrscht eine beängstigende Atmosphäre. Von der benachbarten A 96 sind Hupkonzerte zu vernehmen, die ich sonst nur von Autocorsos bei Hochzeiten kannte. Alarmanlagen und Sirenen heulen. Es sind kaum Menschen auf der Straße. Nur hie und da ein eiliger Passant mit viel Gepäck. Das ganze Viertel gehört mir! Denke ich befriedigt und gehe ein paar Straßen weiter zu dem Hochhaus. Am Hauseingang klebt Blut. Viel Blut, das sich in einer Spur bis zum Aufzug zieht. Eine Frau eilt mit zwei Kindern und viel Gepäck durchs Treppenhaus. „Schnell, Fabian! Die Oma wartet schon auf uns! Schau nicht da hin!“ höre ich sie noch sagen, ehe ich den Fahrstuhlknopf drücke. Ach so, der Strom… Fällt mir dann ein und ich gehe die 10 Stockwerke zu Fuß. Keuchend komme ich oben an und stehe vor einer schweren Stahltüre, die zur Plattform des Hochhauses führt. Mehrmals trete ich mit aller Kraft gegen das Monstrum von Türe, bis ich den Rest schließlich mit dem Brecheisen erledigen kann und in der prallen Hitze auf dem Dach stehe. (16.40)

alpenTatsächlich ist die Wetterlage nach dem Regen der letzten Tage sehr günstig. Zwar sind einige Teile der Stadt in Rauchsäulen gehüllt, jedoch der Blick zu den Alpen und der Frauenkirche ist frei. Mindestens 200 Kilometer Fernsicht müssen das sein. Eifrig schieße ich einige Panoramabilder mit meiner Kamera. Warum ich das tue, weiß ich nicht. Vielleicht ist es die Macht der Gewohnheit. Oder etwa Hoffnung, dass die Bilder irgendwann gefunden und verwertet werden können? Ja, ich bin mir sicher. Es ist Hoffnung. So stelle ich das Stativ rechts von mir ab und schalte den Videomodus ein. Erst blicke ich einige Sekunden wort- und ratlos in die Kamera, ehe ich dann mit dem Satz beginne: „Also… hallo erst mal an die Überlebenden, die diese Bilder und Videos finden! Ich bin John und ich nütze die Situation, um dieses Spektakel und die natürliche Selektion meiner Person auf Videobildern festzuhalten. Haha, kleiner Scherz. Mir ist wirklich nicht nach Scherzen zumute, aber irgendwie hilft mir der Sarkasmus über den Ernst der Lage etwas hinweg. Oder er macht ihn erträglicher. Ja. So wird es sein…“ (17.00)

Ich kann sogar das Haus, in dem ich wohne erkennen. Ob je wieder einer in dieses Haus zurückkehrt? Ich schalte das Radio ein. Kaum eine Meldung mit einer Spur der Hoffnung. Nur Chaos und Verderben. Musik wird nur noch auf wenigen Sendern gespielt. „The New Generation“ nennen sie sich. Diese Überlebenskämpfer, diese unsäglichen! Sie werden im Überlebensfalle ja doch nur weiter den Planeten mit ihrer Anwesenheit verpesten. Ändern wird sich nie etwas.

hochhausdach„Wenn sie jetzt zur Sonne hoch sehen, können sie den Asteroiden mit bloßem Auge erkennen.“ erklärt ein Moderator im Radio. „In den nächsten Stunden wird sein Schweif das Sonnenlicht kurzzeitig verdunkeln, ehe er um 20.14 Uhr im südlichen Mittelmeer einschlägt. Die zerstörerischsten Auswirkungen werden eine gigantische Druckwelle beim Eintritt in die Atmosphäre sein und Flutwellen unbeschreiblichen Ausmaßes direkt nach dem Einschlag. Daher wird dringend davon abgeraten, sich nach 18.00 MEZ direkt im Freien oder in der Nähe von Glasscheiben aufzuhalten, da diese bei der Druckwelle bersten können. Begeben sie sich so weit in den Norden, wie nur möglich und meiden sie sämtliche küstennahen Gebiete in den südlichen Breiten. Es muss sogar davon ausgegangen werden, dass die Tsunamis eine Gefahr für alle Küstenregionen weltweit darstellen könnten, daher versuchen sie, möglichst ins Landesinnere und in hoch gelegene Gebiete zu gelangen. Meiden sie unbedingt die Alpen!“

Wie in Trance verfolge ich die Meldung und sehe zur Sonne. Nun ist ein kleiner dunkler Fleck zu ihrer Rechten zu erkennen. Mit der Kamera mache ich einige Bilder. Während ich direkt auf mein Wohnhaus zoome, erkenne ich plötzlich Michi, wie er schnellen Schrittes zum Haus eilt. Ich pfeife und rufe nach ihm. Schließlich scheint er mich zu sehen und winkt mir zu, mit einer Geste, ich solle auf ihn warten. (17.30)

Währenddessen beginnt der Himmel in wundersamen Farben zu leuchten und es wird leicht dämmrig. Es sieht aus, wie Polarlichter am helllichten Tag. So etwas habe ich noch nie gesehen. Meine Eos hält diese unbeschreiblichen Bilder fest. Es wird stürmisch. Unten auf den Straßen schreit eine Frau. Sie rennt wirr durch die Gegend und schreit. Am Rande eines Nervenzusammenbruchs scheint sie zu sein. Keiner ist da, der ihr helfen könnte. Michi steht plötzlich auf dem Plateau. Wir fallen uns lange in die Arme. „Scheiße oder?“ sagt er. „Hmm.. ich weiß nicht, ob es scheiße ist. Ich kann es nicht sagen.“ entgegne ich. „John, da unten rennt eine verwirrte Alte rum, meinst du nicht, jemand sollte sich um sie kümmern? Das Viertel scheint nahezu leer zu sein.“ Vorsichtig blicke ich über die Brüstung nach unten. Die Frau sitzt zusammengesunken auf der Straße und scheint zu weinen. „Ich geh sie holen” rufe ich und eile zur Tür. „Ist doch scheiße, allein zu verrecken!“

Als ich auf der Straße ankomme, richtet sich die Frau um die 50 auf und rennt auf mich zu. Sie packt mich am Ärmel und brüllt: „Wo sind alle hin? Was passiert hier? Bitte sags mir!“ Ich nehme sie bei der Hand und bitte sie, mit mir zu kommen. Auf dem Weg aufs Plateau erkläre ich ihr, was ich weiß. Sie möchte das nicht glauben, obwohl sie es im Fernsehen gesehen hatte, als der Strom noch lief. „Hier nimm auf einer der Decken Platz, der Betonboden ist sehr heiß.“ sage ich. Wir stellen uns einander vor. Marianne heißt sie, 52 Jahre alt. Gegen 14.00 Uhr sei sie erst aufgewacht, weil sie die halbe Nacht Wein getrunken hatte. Dann sah sie die Nachrichten im Fernsehen und dann war auch schon der Strom weg. „Ich kenne doch keinen im Viertel. Erst vor einem Monat bin ich hergezogen, weil mein Mann mich verlassen hat. Und im Cafe Zentrum hocken ja auch bloß Deppen…“ Marianne ringt um Fassung. „Wasser oder Wein?“ biete ich ihr an. „Mei du bist ein Engel, das kann ich jetzt brauchen” sagt sie und nimmt einen kräftigen Schluck von der Flasche. „Und ihr bleibt einfach hier? Keine Verwandten im Norden oder so?“ fragt Marianne. „Für was? Um hernach im atomaren Winter zu erfrieren? Monate oder gar Jahre zusammengepfercht mit Menschenmassen in unterirdischen Bunkern hausen? Verhungern? An Seuchen krepieren? Nee. Ich finde, es soll genau so sein.“ Marianne schüttelt den Kopf. „Mei, so ein blödes Geschwafel…“ „Ist eben meine Ansicht.“ entgegne ich. Und du? Warum gehst du nicht in den Norden?“ Marianne lacht. „ Ja mei, soll ich vielleicht mit dem Radl fahren?“ (18.30)

Unterdessen wird es immer stürmischer. Allerhand Unrat und gebrochene Äste werden durch die Straßen gewirbelt. Im Radio wird neben emotionalem Chaos und dem Zusammenbruch der Infrastruktur auch von weltweiten großen Versammlungen in den Großstädten gesprochen. Menschen gehen mit Kerzen auf die Straßen und beten. „Fällt dir auch diese plötzliche Stille auf?“ frage ich Michi. „Ja, die Vögel sind weg.“ Auch die Sirenen sind größtenteils verstummt. Nur das Brausen des Windes und der umherfliegende Müll in der Siedlung sind zu hören. Die Stimmung wird immer gespenstischer. Und es ist noch drückend heiß. „Schaut!“ ruft Marianne und zeigt nach oben. „Er kommt immer näher!“ Ich sehe auf die Uhr. „Wir haben noch exakt anderthalb Stunden.“ antworte ich. „Warum macht denn da keiner was?!“ brüllt Marianne hysterisch und steht auf. „Auf den Mars können’s fliegen und durchs ganze Weltall leuchten aber nicht so ein Ding aus dem Weg sprengen? Ich fass es nicht! Ich glaub‘s einfach nicht!“ „Ich hab gehört, es hätte keinen Sinn gemacht, weil er zu spät entdeckt wurde und zu groß ist. Der Meteorit wäre höchstens in zwei Stücke zerbrochen oder wäre leicht vom Kurs abgelenkt worden. Es hätte nix geändert, nur vielleicht noch schlimmer gemacht.“ antworte ich. „Zu spät entdeckt… Wie gibt’s das denn, wenn sie sonst alles entdecken?“ fragt Marianne aufgeregt. „Er soll Ewigkeiten so hinter der Sonne geflogen sein, dass man ihn von der Erde aus nicht sehen konnte. Und als er der Sonne näher kam, tat ihre Anziehungskraft den Rest und lenkte ihn geradewegs auf uns zu. Man könnte fast sagen, die Sonne bringt uns um.“ füge ich hinzu. „Das ist Wahnsinn…“ seufzt Marianne und blickt zu den Alpen. „Das Krasseste ist, dass schon vor vielen Jahren Meldungen im Netz umhergingen, da wäre ein Planet oder ein Meteorit hinter der Sonne, der uns bedroht. Damals hielt man das für Verschwörungstheorie…“ (19.15)

Nun ist das Geschoss am leicht dämmernden Himmel sehr gut zu erkennen. Es kommt langsam näher. Die Farben des Firmaments spielen weiter verrückt, meine Kamera filmt mit. Michi sitzt nur da in seine Musik vertieft und blickt zum Horizont. Marianne weint. Plötzlich reißt er sich die Kopfhörer vom Kopf, geht auf Marianne zu und hebt ihr Kinn an. „Hey! Hör endlich auf zu Flennen! Es macht mich aggro!“ Verwirrt blickt Marianne ihn an. „Die ganze Zeit hast du uns erzählt, wen und was du alles verloren hast! Mann, Haus, Job, Alkohol, HartzIV! Warum verdammt zutzelst du dich so an deinem jämmerlichen Leben fest?“ brüllt er. Marianne steht schwankend auf und will auf ihn losgehen. „Was willst du kleiner Kiffer du, hä? Was hast du für ein Problem?!“ schreit sie ihn an.“Hey! Beruhigt euch! Bitte!“ gehe ich dazwischen. „Reißt euch zusammen! Was ist nur los mit euch?“ „Tut mir leid“ sagt Marianne auf den Boden blickend. „Mir auch…“ murmelt Michi und setzt sich wieder. (19.30)

meteorit-munchen1Ich setze mich zu ihm und nehme ihn in den Arm. „Weißt du, wie viel mir das bedeutet, jetzt mit dir hier zu sein? frage ich ihn und sehe ihm tief in die Augen. Als er mich dabei ansieht, überkommt mich das seltsame Gefühl, als hätte er mich noch nie so angesehen. Er wirkt plötzlich so fremd und doch vertraut auf mich. „Ja, das weiß ich. Darum hatte ich gehofft, du bist Zuhause.“ erwidert er. Der Fußmarsch nach Hause war der Horror. U- und S-Bahnen verstopft, die Straßen zu, nichts ging mehr. Ich bin froh, jetzt hier zu sein.“ Zufrieden nehme ich ihn in den Arm und das seltsame Gefühl des Abschieds kommt immer näher. Kurzzeitig macht es mich verdammt traurig. So viele Jahre kennen wir uns nun schon, aber seltsamerweise hatten wir nie die Zeit oder den Willen, einmal so beieinander zu sitzen und alles um uns herum geschehen zu lassen.

„Hey! Nein! Mach das nicht!“ ruft Michi und springt auf. Erst jetzt schrecke ich aus meinem Tagtraum und sehe, wie Marianne versucht, über die Brüstung zu klettern. Fassungslos stehe ich ebenfalls auf. „Marianne…“ möchte ich sagen doch sieunterbricht uns: „Weg! Weg von mir! Ich hab keinen Bock auf den Scheiß! Schau mal da hoch!“ brüllt sie. (20.00)

Lange sehen Michi und ich nach unten und trauen uns kein Wort zu sagen. Etwa 40 Meter unter uns liegt sie auf der Straße in einem anschwellenden See von Blut auf dem Asphalt. Dazu wäre ich zu feige. Ich habe eine unheimliche Angst vor Schmerz. Ich bin mir sicher, dass man den Aufprall noch mitbekommt. Oder stirbt man während des freien Falls an Herzstillstand? Ich weiß es nicht. Es ist so unnötig und doch zerbreche ich mir in meinen letzten Minuten den Kopf darüber. UNSERE letzten Minuten. Es sind unsere letzten Minuten.

munchen-tsunami-alpenDer Himmel ist plötzlich übersäht von Blitzen und Polarlichtern. Sie leuchten in sämtlichen Farben. Der Meteorit ist bedrohlich nahe und wirkt nun größer, als der Mond, der eben aufgegangen ist. Donnern in der Luft. Heißer, starker Wind. „5 Minuten noch…“ sagt Michi, während die Anzeige auf dem Handydisplay plötzlich erlischt. Auch das Radio verstummt. Alles um uns herum verstummt. Der Wind hört abrupt auf, nur noch das schauerliche Donnern aus dem Himmel ist zu hören. Es wird hell. Unheimlich hell. Michi sieht mich entgeistert an und sagt nichts. Nun folgt ein ohrenbetäubender Knall über uns und der Himmel scheint zu brennen. Wir können nicht sehen, wie der gleißend grelle Lichtball hinter den Alpen verschwindet. Es schmerzt schlimmer, als in die Sonne zu sehen. In die Gegenrichtung gedreht, mit Händen vor den Augen erleben wir die lauteste und heftigste Erschütterung, die man sich in zweitausend Kilometern Entfernung vorstellen kann; der heiße, stürmische Wind nimmt wieder volle Fahrt auf und wir drehen uns um, blicken Richtung Süden zu den Alpen. Ich traue meinen Augen kaum, was ich da sehe. Eine grelle, brennende Wand leuchtet hinter den Alpen kurz auf, ehe sich hinter den Bergen eine hohe Wasserwand auftürmt und die Alpen kurzzeitig zu verschlingen scheint. „Das ist das Mittelmeer!“ sage ich zu Michi, während sich die Fluten langsam ins Tal ergießen. Ein ungeheuer heftiger Windstoß befördert uns gegen die Wand des Treppenhauses. Ich halte Michis Hand, so fest ich kann. Der Boden unter uns beginnt heftig zu schwanken und ich reiße mit letzter Kraft die Stahltüre auf und zerre Michi mit ins Treppenhaus. Das Erdbeben wird immer heftiger; wir haben Mühe, uns aufrecht zu halten. „Weg von den Fenstern!“ rufe ich und im gleichen Moment verspüre ich eine unheimliche Druckwelle, bis tief in meine Magengrube. Unter tosendem Lärm zerspringen die Glasscheiben und sämtliche Wohnungstüren werden aus den Angeln gerissen und fliegen wie Geschosse auf uns zu…

Je nach Resonanz wird die Geschichte vielleicht ausgebaut und erhält einen zweiten Teil.

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Schön’s Blümelein

StiefmütterchenEinst stand da ein schön’s Blümelein
Vor einem alten Haus.
Es stand so einsam und allein;
Das hielt mein Herz nicht aus.

Behutsam nahm ich es zu mir
Und setzte es Zuhause ein.
Es war dann fortan hier,
Das zarte, junge Blümelein.

Es gedieh so wunderbar
Und blühte auf, in voller Pracht,
Seit es bei mir war,
So bei Tag und bei der Nacht.

Doch an jenem Sommertage,
Als von der Reise ich zurück,
Blieb die eine alte Frage:
Warum starb das junge Glück?

Den Topf des schönen Blümelein
Zierte nur noch toter Schmerz.
Es konnt’ nicht länger bei mir sein.
Mir zerriss es schier mein Herz.

Ein Jahr später, vor dem Garten,
Als der Schmerz verklungen,
Sah ich neue Blümlein warten,
Meine Seele hat gesungen!

Und so nahm ich notgedrungen
Eines mit nach Haus.
Ich hatte lang mit mir gerungen;
Dieses Blümchen war ein Graus!

Zwar glich es dem vom letzten Jahr
Wie ein Ei dem andern.
Doch seine Absicht war,
Von Topf zu wandern.

Auch das Blümlein, das hernach
Nicht lange bei mir blieb,
Hielt mich viele Nächte wach,
Entpuppte sich als Herzensdieb.

Ein Blümlein, das ich zu mir nahm,
Aus fremdem Untertopf
Blieb nichts, als alter Gram,
Und Wut in meinem Kopf.

So lass ich all die Blümelein
Künftig wo sie sind.
Erfreue mich an ihrem Schein,
An ihrem Tanz im Wind.

31.05.2014 - 21.18

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