Archive for Februar, 2011

Ekeltage

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Ich wünscht, ich könnte schlafen
und nie mehr draus erwachen.
Die Dinge, die mich trafen,
sie nahmen mir mein Lachen.

Ich habs versucht, ich schwöre Dir,
das Leben zu genießen.
Ohne Wein und ohne Bier
und ohne Blutvergießen.

Jedoch es gibt die Tage,
die mich ekeln, an mir zehren.
Bin selten in der Lage,
mich dagegen recht zu wehren.

Diese Tage, diese Stunden,
ohne Farbe, ohne Glanz,
kratzen stets an alten Wunden,
töten mich am Ende ganz!

22.02.2011 - 20.45

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Graue, kalte, tote Tage

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Graue, kalte, tote Tage,
ruhig, geduckt, auf Zehen schleichend.
Verdross’ne Stimmung, unausreichend.
Sehnsucht nach Lebendigkeit.
Sehnsucht nach Liebe, Freude, Erneuerung.

Doch nur das Uhrwerk bewegt sich unaufhörlich weiter.
Das Leben steht still. Kalte Bilder scheinen durch die Gardinen.
Durchbrechen meine Schädeldecke. Schleichen sich ein.
Mit Ekel und Abscheu ertrage ich sie, mit klarem Kopf.
Klarer als je zuvor. Ohne Nebel, ohne Fassade ohne Schein
schlägt die Realität wie Wetter auf mich ein!

Alles, was das Leben süß und freundlich macht, ist verhüllt.
In graue Schleier, so grau wie das Ebenbild der Natur.
Wo sind Sonne, Wärme, Himmel in blau-Azur? Ich frag ja nur.
In der Hoffnung, dass sie bald dahingehn.
Diese grauen, kalten, toten Tage. Ohne Lebendigkeit.

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Frühjahrsputz - Neues Design

Wie man unschwer zu erkennen kann, habe ich in den letzten beiden Tagen das Template in kniffliger Sisyphusarbeit umgebaut. Nun dominieren blutrote Töne mit schwarz; aber auch das freundliche orange, das als Hintergrund in den Hauptbeiträgen erhalten blieb. Die Farbtöne können durchaus für den Einen oder Anderen zu grell sein und beim Lesen anstrengen. Sollte Euch das Orange die Augen verderben oder unangenehm sein, so lasst mich das bitte wissen und wir finden eine andere Farbe. :)

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Klinik um.

Memories of Heidelberg…


In Heidelberg angekommen, wehten schon die ersten, vertraulichen Wortfetzen an mir vorbei. “Gasch, hasch, machsch, gell”. Sie sind schon ein seltsamen Volk, diese Schwaben, wobei ich für die Badener Schwaben seit je her etwas mehr Sympathie aufbringen konnte, als für die bayerischen, die meine Kindheit prägten. Vielleicht liegt es daran, dass die Badener alles etwas niedlicher aussprechen, während die Bayern krass gesagt, eher einem rotstirnigen Ochsen ähneln. Oder es liegt daran, dass die Donauschwaben meine Kindheit prägten, deren faden Nachgeschmack ich noch heute in mir trage.

Auf dem Klinikgelände blieb ich stehn und betrachtete mir diese Gezeichneten. Und siehe, alle drei oder vier schnitten bösere Gesichter als ich, alle waren sie leidender, ärmer, kränker, beklagenswerter als ich und dies tat mir äußerst wohl und blieb über diese Tage ein tausendmal wiederkehrender, unerschöpflicher Trost: Dass ringsum Leute hinkten, Leute krochen, Leute seufzten, Leute in Krankenstühlen fuhren, welche viel kränker waren als ich, viel weniger Grund zu guter Laune und zur Hoffnung hatten als ich! So hatte ich denn gleich in den ersten Minuten mein Wundermittel gegen die Angst gefunden und schlürfte meine Entdeckung mit wahrer Lust: Die Leidensgenossenschaft, das “socios habere malorum”.

Und als ich nun das Spital betrat und mich sanft, geradezu leicht abwesend den Fluren überließ, da bestätigte und steigerte jeder Schritt meine wertvolle Erfahrung: Überall schlichen die Patienten, saßen müde und etwas krummgezogen auf weißgestrichenen Ruhebänken, hinkten in Gruppen plaudernd vorüber. Eine Frau wurde im Rollstuhl daher geschoben, müde lächelnd, eine halbwelke Blume in der kränklichen Hand, hinten strotzend und voll Energie die blühende Pflegerin in weiß. Weiße Wände. Weißes Licht. Ein Schauer von Unwohlsein geht auf mich hernieder und ich eile zur Anmeldung, fülle die Formulare aus und warte auf den Professor. Es muss schnell gehen.

Immer mit dem beruhigenden Gedanken, wie straff und proper ich diesen Weg daherkam, wie jung und gesund ich wirkte, verglichen mit all diesen wesentlich älteren, ärmeren, kränkeren Brüdern und Schwestern, deren Gebrechen sich so deutlich, so unverhüllbar, so unerbittlich dem Blicke darboten! Ich sog Anerkennung, schlürfte Bejahung aus jedem Schritt, ich fühlte mich schon beinahe gesund. Jedenfalls unendlich viel weniger krank als all diese armen Menschen. Ja, wenn diese Halblahmen und Hinker mit ihren Gehstöcken und Fahrstühlen noch Heilung erhofften, wenn Heidelberg DIESEN noch helfen konnte, dann musste ja mein kleines anfängliches Leiden hier schwinden wie ein Schnee im Föhn, dann musste der Arzt in mir ein Prachtexample, ein höchst dankbares Phänomen, ein kleines Wunder an Heilbarkeit in mir entdecken.

Alsbald sah ich mich in Zimmer 165 verschwinden und ging weiter, denn es war die Stunde, zu der ich bei Prof. W. angemeldet war. Und siehe, auch hier ging es gut. Nachträglich kann ich gestehen, dass mir vor diesem Tag sehr bange war, auch etwa, eine niederschmetternde Diagnose zu bekommen. Nach kurzem Warten wurde ich hereingeführt, ein sehr schöner, geschmackvoll eingerichteter Raum gewann sogleich mein Vertrauen. Der Arzt, der erst noch in einem Nebenraume in der üblichen Weise mit Wasser geplätschert hatte, trat herein, ein intelligentes Gesicht versprach Verständnis, und wir begrüßten einander, wie es gesitteten Boxern ziemt, vor dem Wettkampf mit herzlichem Händedruck. Vorsichtig begannen wir den Kampf, tasteten einander ab, probierten zögerlich die ersten Schläge. Noch waren wir auf neutralem Gebiet, unser Disput ging um Stoffwechsel, Alter, Ernährung, frühere Krankheiten und troff keineswegs von Harmlosigkeit, so kreuzten sich unsere Blicke, klar zum Gefecht. Der Professor hatte einige Ausdrücke aus der medizinischen Geheimsprache auf der Palette, die ich nur annähernd entziffern konnte, die aber seinen Kundgebungen ornamental sehr zustatten kamen und seine Position mir gegenüber spürbar stärkten. Immerhin war mir schon nach einigen Minuten klar, dass bei diesem Arzte nicht jene grausame Enttäuschung zu fürchten war, welche Menschen von meiner Art gerade bei Ärzten unangenehm ist: Dass man hinter einer gewinnenden Fassade von Intelligenz und Schulung auf eine starre Dogmatik stößt, deren erster Satz postuliert, dass Anschauungsweise, Denkart und Terminologie des Patienten rein subjektive Phänomene, die des Arztes hingegen streng objektive Werte seien. Nein, hier hatte ich es mit einem Arzt zu tun, um dessen Verständnis zu kämpfen einen Sinn hatte, der nicht nur der Vorschrift gemäß intelligent, sondern bis zu einem zunächst nicht bestimmbaren Grade wissend war, also im Besitz eines lebendigen Gefühls für die Relativität aller geistigen Werte.

Auf einem kurzen Nachtgang vor dem Schlafengehen sah ich Sterne in den Regenpfützen gespiegelt, sah im Nachtwind am Ufer des heftig rauschenden Flusses ein paar außerordentlich alte Bäume. Sie würden auch morgen noch schön sein, aber in diesem Augenblick hatten sie die magische, nicht wiederkehrende Schönheit, die aus unsrer eigenen Seele kommt und die nach den Griechen, nur dann in uns aufleuchtet, wenn Eros uns angeblickt hat.

Und so sah ich weiter freundlich den Gestalten zu, voll Mitgefühl und Wohlwollen. Nun, ich genoss dies Glück in vollen Zügen; ich beging Orgien der naiven Selbstbejahung und ich tat wohl daran. Von den überall auftauchenden Figuren meiner Mitpatienten, meiner kränkeren Brüder angezogen, vom Anblick jedes Krüppels geschmeichelt, von jedem mir begegnenden Rollstuhl zu frohem Mitleid, zu teilnahmsvoller Selbstzufriedenheit aufgefordert, flaniere ich schon am Tage nach dem operativen Eingriff die Straße hinab, diese so schmeichelhaft angelegte Straße, auf welcher die ankommenden Gäste vom Bahnhof zu den Spitalhäusern hinken. Schade nur, dass es an diesem Tag leicht zu regnen anfing. Ein rauher, kühler Wind begleitete das Trauerspiel. Aber in mir war warm und mein Herz trug mich zu einer Tagesreise nach Frankfurt, ins pulsierende Leben, wo ich sehr liebe Menschen kennen lernen durfte

Wenn ich es nun unternehme, den üblichen Verlauf eines Kliniktages zu beschreiben, dann wähle ich dazu billigerweise einen durchschnittlichen Tag, einen Tag ohne extreme Charakter, so einen halb bewölkten, halb lauen Normaltag ohne besondere Ereignisse von außen und ohne besondere Vorzeichen und Bezauberungen von innen. Denn, natürlich gibt es hier, nicht nur für nervöse Literaten, sondern auch für die ganze Schar, der anderen Patienten, je nach Stand und verlauf einer Heilung, Tage voll Beschwerden und Depressionen und leichte sanfte Tage des Wohlergehens und der aufblühenden Hoffnung, Tage, an denen wir hüpfen, und solche, an denen wir elend dahinschleichen oder hoffnungslos im Bett liegenbleiben.

Mag ich mir nun aber auch alle Mühe mit dem Konstruieren eines wohltemperierten Durchschnittstages, eines normalen bürgerlichen Plusminustages geben, ein für mich peinliches Geständnis bleibt mir dennoch nicht erspart, denn jeder Tag, und gar ein Kliniktag fängt leider mit einem Morgen an. Nur leider steht es um mich gerade so, dass ich mit dem von so viel wunderschönen Gedichten gepriesenen Morgen gar nicht allzuviel anzufangen weiß. Es ist eine Schande und es fällt mir schwer, es zu gestehen, aber welchen Sinn hätte das Schreiben, wenn nicht der Wille zur Wahrheit dahinter stünde? Der Morgen, die berühmte Zeit der Frische, des Neubeginns, des jungen freudigen Antriebs, ist für mich fatal, ist mir verdrießlich und peinlich, wir lieben einander nicht. Dabei fehlt es mir nicht am Verständnis, nicht am Einfühlungsvermögen für jene strahlende Morgenfreude, wie sie in manchen Gedichten von Eichendorff und Mörike so erweckend und hell erklingt, ich empfinde in Gedichten, auf Gemälden und in der Erinnerung den Morgen ebenso poetisch und aus der Kindheit her ist mir etwas wie halbverwischte Erinnerung an echte Morgenlust geblieben, obwohl ich seit sehr vielen Jahren an kaum einem Morgen wirklich froh gewesen bin. Und auch in das klingendste Bekenntnis zu frischer Morgenlust, das ich kenne, in den von Wolf komponierten Eichendorff-Vers “Der Morgen, der ist meine Freude”, höre ich einen fernen Misston klingen, denn so wunderbar es klingt, und so sehr Eichendorffs Morgenstimmung mich überzeugt, ich kann an Hugo Wolfs Morgenfreude nicht recht glauben und finde, er habe sich da eine wehmütig poetische, sehnsüchtige, nicht erlebte Morgenverherrlichung gestattet. So wie es auch mich im letzten August überkam.

Alles, was mein Leben schwer und heikel und zu einem gefährlichen, ja hässlichen Problem macht, spricht am Morgen überlaut, steht übergroß vor mir. Alles was mein Leben süß und schön und außerordentlich macht, alle Gnade, aller Zauber, alle Musik, ist am Morgen fern und kaum sichtbar, klingt kaum noch wie Sage und Legende herüber. Aus dem seichten Grabe meines leichten, oft unterbrochenen Schlafs, erhebe ich mich am Morgen, nicht beflügelt von Auferstehungsgefühlen, sondern schwer, müde und zaghaft, ohne jeden Schutz und Panzer gegen die einstürmende Umwelt, die meinen empfindlichen Morgennerven all ihre Schwingungen wie durch ein Megaphon zuheult. Erst von Mittag an wird das Leben erträglich und gut, und an glücklichen Tagen wird es Spätnachmittag und Abend wunderbar, strahlend, schwebend, innig durchglüht von zartem Gotteslicht, voll Gestz und Harmonie, voll Zauber und Musik, und entschädigt mich nun golden für die tausend und tausend bösen Stunden.

In einer Hommage an Hermann Hesse’s >>Kurgast<<

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Verzweiflung

In diesen Nächten denk’ ich oft,
ja hat’s denn einen Sinn?
Dass ich mich mit dem Leben zoff’
und noch so an ihm bin?

Ich hab’s mir zwar nicht ausgesucht,
doch weiß ich ganz genau:
Das Glück, es ist nicht ausgebucht,
nur ’s Leben ziemlich rauh.

All gut Dünken und schön Reden
kann ich gern, durch’s ganze Jahr!
Jedoch, ich möcht’ nur leben.
LEBEN! Das wär wunderbar!

Ich weiß jetzt leider nicht,
ob Ihr mich versteht.
Es ist, wie wenn ein Licht
ganz plötzlich, fern, verweht.

All’ die Liebe, all’ der Glaube
an den eig’nen Geist,
so rasch verweht zu kleinstem Staube,
der mir vom Leben etwas scheißt!

05.02.2011 - 02.50

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Dämon

Mein Leben war nur ein böser Traum.
Über Jahre Illusion.
Und nun, man glaubt es kaum,
töt’ ich den Dämon.

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