Archive for August, 2012

Am Tag, der uns den Frieden bringt

SchreiAm Tag, der uns den Frieden bringt,
Da möcht ich wieder leben,
Dass Freude alle Welt durchdringt,
Und Liebe weiter geben.

Am Tag, der uns den Frieden bringt
Und Hass zum Fremdwort macht;
Am Tag, der neu nach Leben klingt
Und der Mensch von Herzen lacht

Am Tag, der uns den Frieden bringt,
Ein jeder Mensch Dein Bruder ist
Und frischer Wind Dein Herz durchdringt,
Dann werde ich zum Optimist.

Am Tag der uns den Frieden bringt,
Fest verwurzelt hier auf Erden,
Wenn das letzte Kriegsschiff sinkt
Und wir alle glücklich werden.

An diesem Tag bin ich befreit,
Von aller Welten Leiden
Und mache mich bereit,
Aus derselben auszuscheiden.

19.08.2012 – 13.30


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Frühling im August und der blutige Morgen

150812-0730Klaus und ich bastelten bereits den vierten Tag an meiner neuen Küche herum und so wirkten wir auch ziemlich genervt und ausgelaugt. Zwar war ich seit Anfang August wieder erheblich besser gelaunt; auch um meine Schmerzen stand es nicht mehr so arg, aber es lasteten noch Tengelmanns Verschwinden und der Diebstahl meines Bikes, sowie mein bevorstehender Klinikaufenthalt auf mir. Als wir zum späten Abend das Gröbste des Einbaus erledigt hatten und ich meinen Erstanstrich bei den Fliesen vornahm, setzte ich mich noch etwas zu den Leuten im Garten. Abschalten. Quatschen. Zuhören. Keine Küche sehen. Chris, unser kürzlich zugezogener Nachbar saß mit einer Freundin ebenfalls draußen.  Schon seit ich ihn die ersten Male im Haus sah und noch gar nicht wusste, wer er ist, hatte ich ein besonderes Auge auf ihn geworfen. Er wirkt so… echt und wundersam. Und er ist hübsch.

Später, gegen Mitternacht kamen wir alle auf die Idee, zum Weiher zu gehen, weil wir das Bedürfnis hatten, ausgelassen zu feiern. Chris wartete, während ich eine Message auf Gayromeo beantwortete. Interessiert sah er zu und fragte plötzlich: „Ach, du auch bei Romeo?“ Erstaunt sah ich ihn an und erwiderte: „Was willst du mir jetzt damit sagen?“ Und während ich so vor mich hin staunte, gab er seinen Nick ein und zeigte mir sein Profil. Ich konnte es gar nicht glauben. Ein neuer Nachbar, 22 Jahre, gutaussehend, humorvoll und schwul. Und ab diesem Moment kam ich in den Genuss seiner Zuneigung. Wie lange ich so ein Gefühl nicht mehr hatte! Am liebsten hätte ich jeden Moment einer Berührung oder eines Kusses festgehalten, abgespeichert, weggeschlossen und nie wieder hergegeben.  Es war so plötzlich, so unerwartet, so fantastisch.

Als Michi, Julie, Alex, Chris und seine Freundin Vera mit am Teich saßen und wir so über den Sternenhimmel philosophierten, erzählte ich Chris von den vielen Schwimmkerzen, mit denen ich vor Jahren den Weiher ausgestattet hatte, um meinem Exfreund Daniel eine Überraschung zu bereiten. Und ich wünschte mich dorthin zurück – mit Chris allein.

Etwa eine Stunde, viele Berührungen und Küsse später fanden wir uns alle bei mir Zuhause wieder. Julie schlief mit Alex auf der Couch ein, ich mit Chris im Bett, eng umschlungen. Was für ein Gefühl.

Kurz nach sechs Uhr morgens begann der Albtraum nach dem Traum. Polizisten standen in meiner Wohnung und verlangten in rüdem Ton, dass ich gefälligst aufstehe und ihnen erkläre, wo diese „Messerstecherin“ sei. Ich glaubte an einen sehr schlechten Scherz und befahl den Beamten, sofort meine Wohnung zu verlassen. Gefahr in Verzug. Keine Chance. Auch in anderen Wohnungen suchten sie. „Ihr Freund blutet wie ein Schwein, das ist los!“ raunzte einer der Polizisten, nachdem ich mehrmals hintereinander gefragt hatte, was hier denn los sei. „Welcher Freund?“ rief ich. Michael P. erwiderte der Beamte. Wie in einer Art Rauschzustand rannte ich nach draußen und wurde von den Polizisten zurückgedrängt, mit der Begründung, ich würde ihre Ermittlungen behindern. „ICH wohne hier und ich gehe jetzt dahin, wo es mir passt! Sie müssen mich schon hier an Ort und Stelle festnehmen, wenn sie mich daran hindern wollen, dass ich nach meinem Freund sehe!”

Erzürnt, fassungslos und noch von der letzten Nacht benebelt drängelte ich mich an ihnen vorbei, in den Hausflur, wo mir gleich eine total besoffene Carmen im Griff von zwei Polizisten erschien. „Ich wars nicht! Ich wars nicht! Er hat sich das selbst zugefügt!“ lallte sie mir zu. Ich war schockiert. Carmen? „Geh mir bloß aus dem Weg!“ sagte ich zu ihr und eilte nach draußen auf die Straße. Polizei und Notarzt belagern die Bushaltestelle vor dem Haus. Schaulustige. Chris und Vera sind auch da. Michi wird verhört. Er hat einen Erstverband an der Hand bekommen. Seine Hände und Schuhe sind voller Blut. Entsetzen. Carmen wird in ein Polizeiauto abgeführt und muss dort ca. 40 Minuten auf ihren Abtransport zur Vernehmung warten. Es wirkt im ersten Moment alles wie ein schlechter Albtraum auf mich.  Ich bringe Kaffee für alle auf die Straße, welchen die Beamten freundlich ablehnen. Wir sind alle fassungslos. Michi bewahrt die Fassung, wirkt aber völlig bleich und schwach.

Als letztendlich die KTU ihre Untersuchungen in den betroffenen Wohnungen abgeschlossen hatte, fuhren Vera, Chris und ich mit Michi ins Klinikum Großhadern, wo seine Hand genäht werden sollte. Julie und Alex schliefen weiter; sie hatten von dem ganzen Trubel kaum etwas mitbekommen. Michi kam sehr zügig an die Reihe, aber das Warten kam mir vor wie Stunden. Ich weiß nicht, wie es Chris und Vera erging, sie wirkten unterschiedlich gereizt, fürsorgend, verletzt, geschockt, gelassen. Ich saß auf der Brüstung der Einfahrt in die Notaufnahme, wo ich vor 4 Jahren von zwei Polizisten bewacht und am Weglaufen gehindert wurde. Welch eine Ironie des Schicksals. Chris gab mir eine Schachtel Zigaretten, da ich in diesem Gebäudekomplex nirgends welche bekam. Ich rauchte eine nach der anderen. Chris fragte mich: „Was machstn da?“ „Kippenknutschen nennt man das“ erwiderte ich und steckte mir nervös die nächste an.

Da nahm er mich in den Arm. „Der Tag ist noch nicht vorbei, John. Lass den Kopf nicht hängen. Es wird alles gut.“ So oder so ähnlich fanden seine Worte in meinen Gehörgang. Ich war berauscht von seiner fürsorglichen Nähe. Gerne hätte ich ihn nie wieder losgelassen. Als wir nach über einer Stunde immer noch nichts von Michi gesehen und ich die halbe Schachtel geraucht hatte, ging ich zur Info und erkundigte mich nach dem Stand der Dinge. „Er kimmt glei raus, wartens da vorn!“ sagte der Herr und verschwand wieder hinter seinem Telefon und den Akten.

Letztendlich kam Michi aus Raum 4 mit einer Gipsschine und wir traten den Heimweg an. Man konnte gut erkennen, dass so jeder von uns diesen Morgen auf seine Art versuchte, zu verarbeiten. Was wir sonst nur aus Zeitungsmeldungen und dem TV kannten, war nun bittere Realität in unmittelbarer Nachbarschaft geworden. Klaus hatte sich schon telefonisch angekündigt, um Michis Rezept in einer Notapotheke zu holen, da heute Feiertag ist. Er berichtete auch davon, dass Carmens Freund vor seiner Tür stand und gedroht hatte, sollten Michi und ich unsere Aussagen nicht zurücknehmen, würde er uns die Köpfe abreißen.

Als wir nach Hause kamen, überraschten uns einige Freunde, nachdem sie meinen Facebook-Post gelesen hatten. Hernach war Diskussion, Unmut, Verzweiflung und immer noch dieses unsägliche Gefühl, in einem Albtraum nach dem Traum gefangen zu sein. Chris und Vera putzten die Blutlache in Michis Küche weg; ich versuchte Michi zu beruhigen, Julie und Alex wachten auf. In meinem Bett. Und ich blieb fassungslos. Obwohl ich schon lange den Gedanken pflegte, dass Carmen eines Tages völlig austickt. Aber das war eine harte Nummer.

„Ich muss ne Stunde weg. Ich halte es hier nimmer aus.“ sagte ich zu Michi. „Kommst du aber schon wieder?“ fragte er mit ängstlicher Mine. „Klar komm ich wieder. Ich brauch nur mal frische Luft.“ Ich ging zu Manuel und seinem Freund, die nur ein paar Häuser von mir entfernt wohnen. Endlich jemand der zuhört. Der mich versteht. Der es zumindest versucht. OK, Chris gab mir das Gefühl auch; aber nach diesem Ereignis wollte ich ihn nicht weiter belasten. Es war eine schöne, entspannte Stunde auf einem gefühlten 40° Balkon. Es war angenehm.

Als ich auf dem Heimweg war, hörte ich schon von weitem Carmens Geschrei. Ich stürmte zu meiner Wohnung und sah, wie Carmen und ihr Macker in meiner Wohnung meine Freunde bedrängten und zu einer Falschaussage nötigten. „Raus! Ihr zwei sofort hier raus, sonst rufe ich die Polizei!“ Mit diesen Worten gingen sie endlich und ließen uns in Ruhe. Ich teilte kurz darauf diesen Vorfall dem zuständigen Kommissar telefonisch mit. Alex ging nach Hause, Julie ebenso. Chris musste zur Arbeit und Michi blieb. Nach diesen Geschehnissen konnte man ihm nicht zumuten, zurück in seine Wohnung zu gehen. Man sah ihm die Angst vor einem erneuten Anschlag sichtlich an. Jetzt halten wir zusammen. Wie eine Familie.

Chris kam später wieder dazu und wir aßen zusammen. Gedrückte Stimmung. Leichte Euphorie. Euphorie über den Frühling im August. Trauer über den blutigen Morgen.

15.08.2012 – 21.55

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