Diese Welt…

contrapunctusMeine Hände sind leer
Und müde mein Geist.
Mein Herz schlägt schwer
Das Nichts in mir kreist.

Wie kann ich das abwenden?
Wo finde ich mein Glück?
In meinen leeren Händen
Zerbricht es Stück für Stück.
Das letzte Fünkchen Glück.

Die Angst hat meiner Seele
Große Mauern aufgebaut.
Der Kloß in meiner Kehle
Hass und Trauer in sich staut.

Ich werd die Welt niemals verstehen.
Nicht ihre Freuden, nicht die Leiden.
Dies täglich stumpfe Weltgeschehen
Möcht ich zu gerne meiden.

Überall Lügen, Gier und Neid
Krieg, Moralismus und Hass.
Der Welten schönes Kleid
Wirkt erschöpft und leichenblass.

Ich glaub nur, das was ich sehe
Und das ist schon zu viel.
Egal, wohin ich gehe
Diese Welt ist nicht mein Ziel.

22.09.2015 - 00.32 Uhr

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Der Clown

robin-williams

Manchmal erkenn ich mich nicht wieder;
Mein Geist schwimmt in Glückseligkeit.
Ich tanze auf alte Lieder
Und geb mich hin der Albernheit.

Doch wie es aussieht, ist es nicht;
Meine Seele möchte schrei‘n.
Nur der Clown lacht im Gesicht,
Und wahrt den falschen Schein.

Weinen möcht‘ er viele Tränen
In ein großes Tränenmeer.
Ich sollte noch erwähnen:
Eigentlich will er gar nicht mehr.

Ich zieh die Maske vom Gesicht
Und geh von dieser Welt.
Es ist nun meine letzte Pflicht,
Denn hier ist nichts, was mich noch hält.

05. Januar 2014 - 01.15 (gewidmet dem großartigen Schauspieler Robin Williams † 11.08.2014)

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Mein Geist

trauer11Mein Geist liegt in Fetzen
Vor Euch zerstreut.
Und mit ihm die letzten
Gedanken von heut.

Erst schienen sie rein
Und wundersam echt.
Jetzt sind sie ein Reim;
Meiner Seele ist schlecht.

Mein Traum ist vorbei;
Er war nur ein Schwank.
Die Gedanken sind frei,
Meine Seele ist krank.

Ich geb mich nun hin
Einer anderen Welt,
Und suche den Sinn,
Welcher mich hier noch hält.

Ich finde ihn nicht,
Darum muss ich jetzt gehn.
Merk Dir mein Gesicht
Dann wirst Du verstehn -
Es ist mein Pflicht
Dieser Farce zu entgehn

03.09.2013 – 21.49

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Letzte Nacht

gayloveLetzte Nacht wars erst gewesen,
Da hab ich Dich gesehn.
Ich stand vor einem jungen Wesen
Voller Geist und traumhaft schön.

Du fragtest, ob ich ewig bliebe
Und ich sagte: „Ja!
Dieses ist die wahre Liebe,
Ohne Lüge und Eklat.“

Doch in den frühen Morgenstunden
Musstest Du schon gehn.
Im Déjà-vu der alten Wunden
Fragte ich, wann wir uns sehn.

Du sagst, Du warst ein Traum,
Ein Spiegel meiner Seele.
An Wiedersehen glaubst Du kaum,
Weil mir die Hoffnung fehle.

Ach Schönheit, bitte bleib!
Lass mich doch ewig träumen!
Halte mich an Deinen Leib
Und lass die Liebe ewig schäumen!

Kaum hatt‘ ich dies gesagt,
War mein Traum vorbei.
Es begann ein neuer Tag,
voller Träumerei.

13.07.2013 – 20.27

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Befreiung

regenIch scheiß auf Einsicht und Moral;
Ich geb es jedem weiter.
Was Du denkst ist mir egal;
Schon fühl ich mich befreiter.

Schütt ich Mittags Bier mir rein,
Um alles zu vergessen,
Und Abends literweise Wein,
Dann fühl ich mich zerfressen.

Wilde Regenstürme wüten
Übers Maienland.
Und die bunten Blüten
Bleiben unerkannt.

Mein Herz ist leer,
Mein Geist voll Wut.
Tristesse liegt schwer
In meinem Blut.

Ich geb das Blut nun weiter
An den Rest der Welt.
Es fühlt sich an wie Eiter;
Der aus den Poren quellt.

27.05.2013 - 17.10

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Abends, wenn der Vorhang fällt

dunkelheitAbends, wenn der Vorhang fällt
Und die Sehnsucht mich erstickt
Abends, wenn die Wut mich quält
Und die Uhr beständig tickt

Abends, wenn ich an Dich denke
Und mein Herz am Bluten ist
Wenn ich meinen Geist ertränke,
Der an meiner Seele frisst

Abends kommt die Dunkelheit
Und mit ihr mein Zerfall.
Abends kommt die Einsamkeit,
Denn sie ist überall.

Abends, wenn der Vorhang fällt,
Möchte ich nicht sein.
Denn in dieser grauen Welt
Bleib ich stets allein.

11.04.2013 – 23.03

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2011 - A review

20112011 begann anders als die Jahr‘ zuvor,
ohne Sucht und ohne Kater.
Mit Leiden und Humor,
im Gesamten adäquater.

Den anfangs kalten Januar
teilte ich mit großen Schmerzen.
Doch bald schon ward er wunderbar
gar frühlingshaft in meinem Herzen.

Jedoch dann fehlte mir
zu oft mein grüner Freund.
Zu groß war meist die Gier
nach meinem täglich Joint.

Viele Wochen ohne roten Wein
nahmen mir oft die Geduld.
Ohne Joint war ich allein
und suchte überall nach Schuld.

Erste Räusche folgten bald,
ertrank den Kummer und das Leid.
Ein Absturz wie gemalt-
und ganz Facebook wusst Bescheid.

Der Krebs, er konnt mich gut verzehren
bald war an mir fast nichts mehr dran.
Der Februar, er tat’s mir lehren:
Es wird Zeit, der Arzt muss ran!

Zeitnah ward entfernt das böse Tier,
der Märzen strahlte voller Güte.
Auch Balkon und Garten hier;
Geranien trieben erste Blüte.

Der April ward einem Maien gleich
mit bis zu 25° Grad.
Und zudem recht erlebnisreich.
Ich fand den neuen Pfad.

Mit Michi an den Tegernsee
und ne Mitbewohnerin im Haus.
Und was ich jetzt noch seh:
Auch die Wohnung sah bald anders aus.

Im Monat Mai, da kam die Elke
sehr plötzlich ein mein Leben.
wie eine Blume, die nie welke,
wie eines Weines junge Reben.

Wünschte mir nen Schrebergarten
als Rückzugsort für meinen Geist.
Jedoch ich musste lange warten-
bis man mich abweist.

Ein heißer Juni kam geschwind daher,
mit dem Zug nach Rosenheim.
Und als genügte das nicht mehr,
lief ich noch in Franken ein.

Verblieb bei Heiko ein paar Tage,
die schönsten in sechs Jahren,
erinnere ich mich vage,
seit wir Freunde waren.

Mein Geburtstag war so regenreich
und kalt wie nie zuvor.
Er war gar einem Winter gleich,
Graupelmetastasen ,
einer Winterleich‘
krochen an meiner Seele empor.

Kurz drauf, war Passau noch mein Ziel,
ich wollt ihn kennen lernen.
Wohl erhoffte er zu viel.
Und was, steht in den Sternen.

Jerosch kam in den August,
als ich schreiben wollte.
Als die letzte Sommerlust
den Berg hinunter rollte.

Er war ein Weiser,
ganz meiner Seele gleich.
Seine Worte waren leiser,
sein Geist an Wissen reich.

Am End des Monats kam der Bau,
Arbeit ohne Ende.
Mein Chef war eine Frau,
mit ihr spachtelte ich Wände.
Bis der Streit kam, Seelen grau
Der Job, er fand jäh ein Ende.

Nimmer viel gab der Oktober,
die Depression nahm überhand.
Meine Stimmung wurde grober,
egal, in welcher Lage ich mich fand.

Der November wollte besser sein;
das versprach schon sein Beginn.
Ich kroch in XXXXXXs Bett hinein
und fühlte den Gewinn.

Der war jedoch von kurzer Dauer,
ich fühlte seine Kälte.
Es überkam mich alte Trauer,
mit der ich mich einst schon quälte.

In dieser ersehnten Nacht
erreichten mich sehr viele Zeilen
eines Menschen Macht.
Sie mochten mich ereilen,
mein Geist war neu erwacht.

Jedoch die alte Depression
war stark und stur denn je.
Seine Lieb‘ erreicht mich schon,
durch Kälte, Eis und Schnee.

Es waren die Dezemberrosen;
sie beendeten das Jahr.
Wann immer wilde Stürme tosen,
hat René mein Herz, für immer gar.

So ging das recht bewegte Jahr
in turbulentem Schritt.
2012 war schneller da,
als ein neuer Lebensabschnitt.

02.01.2012 – 22.05

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Was für eine kranke Welt

fragezeichenWas für eine kranke Welt
entsteht in letzter Zeit?
Es geht nur noch um Geld
und falsche Eitelkeit.

Was für kranke Leute
möchten mir was lehren?
Seh ständig wie auch heute,
man kann sie nicht bekehren.

Was für kranke Worte
erreichen meinen Geist?
an jedem Zufluchtsorte
der Lügengeist noch kreist.

Ach, welch kranke Erde,
schreit nach Luft und Liebe,
Ich richt an Gott Beschwerde
und ernte Seitenhiebe.

Was für kranke Scheiße
mag mich noch erwarten
auf dieser kleinen Reise
durch des Lebens Garten?

Was für eine kranke Welt
muss ich miterleben?
Alles, was mich bisher hält,
muss ich nach und nach…
aufgeben.

Welch ein Leben.
Welch eine Schmach.

Das kranke Leben eben.
Der Erden rote Reben.

Des Lebens Glück, das einst zerbrach…

23.12.2011 – 03:10

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Leeres Blatt Papier

Leeres BlattIch sitz vor einem leeren Blatt Papier
und möchte so gerne Worte fassen.
Doch sie fliegen vorbei an mir,
wie fliegend leichte Untertassen.
Da kann ich’s Schreiben auch gleich lassen.

Ich sitz vor einem leeren Blatt Papier
und denke ganz tief drin in mir:
Wo sind all die Worte hin,
die meinem Fetisch Nahrung geben?
Macht es jetzt noch einen Sinn,
zu schreiben oder aufzugeben?

Ich sitz vor einem leeren Blatt Papier,
mein Geist ist ausgelaugt und leer.
Ich könnte brüllen wie ein Tier
doch auch das Sprechen fällt mir schwer.

Ich sitz vor einem leeren Blatt Papier;
der Wind weht’s auf den Boden.
Nun sitze ich allein vor mir
und sterb in tausend Toden,
sterbe aus der Gier
nach einem Leben,
welches für mich unerreichbar ist;
nur der Tod kann mir das geben,
was das Leben mir zerfrisst.

17.12.2011 – 20.08

unterschrift1

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Grüner Rauch in meinen Lungen

s p l i f f # o n e h u n d r e d f i f t y t h r e eGrüner Rauch in meinen Lungen
ist für mich wie Medizin.
Hab tagelang nach Luft gerungen,
nun fühl ich mich wie Aladin
mit seiner bezaubernden Gini.
Geb mich den schönen Dingen hin
und lausche Paganini,
dazu ein Glas Martini.

Oder doch ein Gläschen Wein,
am liebsten trocknen, roten?
Ja, ich denk, er soll es sein,
denn Schnaps ist mir verboten.

Du grüner Rauch in meiner Seele,
bist mir Glück und Gift zugleich.
Ohne Dich ich mich nur quäle,
und hab ich Dich, fühl ich mich reich.

Leichter wärs, ich würd Dich hassen,
meiden nur, um jeden Preis.
Jedoch ich kann nicht von Dir lassen,
das ist für mich der Beweis:

Zuviel von Dir raubt den Verstand,
zu wenig macht ihn leer.
Und hat man Dich mal gut gekannt,
ist Dich zu meiden höllisch schwer.

07.12.2011 – 18.45

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Wär ich ein Stern

asteroidAch, wie wär ich gern
ein ganz andres Wesen.
Ach, wäre ich ein Stern,
wär vieles nicht gewesen.

Würde es von oben sehn,
wie Ihr die Welt mit Eurer Gier
zerstört, durch Euer Missverstehn
und der Menschen Geist erfriert.

Wie ihr zu Euch Menschen seid,
unberechenbar, gemein,
unnachsichtig, ungescheit,
so können nur Menschen sein!

Und eines Tages würde ich
Euch dafür büßen lassen.
Trät‘ in Euer Sonnenlicht
und würd die Umlaufbahn verlassen.

Mein Stern würd Euch alles nehmen,
was Ihr auch den andren nahmt.
und jene, die da nicht umkämen,
haben es zuvor erahnt.

Ich würd Euch beben,
tät Euch fluten,
tauchte Euer Leben
in tiefe Feuergluten.

Ach, wie würd‘ ich toben,
wär nur ich der Stern,
der noch weit dort oben
wartet, in der Fern‘ . . .

02. November 2011 – 21.53

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Novembermorgen

NebelNebelschwaden am Novembermorgen,
Krähen kreischen durch die Stadt.
Lieg allein und ungeborgen
noch im Bett und fühl mich matt.

Nasses Grau sich wie ein Schleier
um die toten Bäume hüllt.
Jedes Jahr die gleiche Leier,
und nichts, was meinen Unmut stillt.

Eh‘ um zehn die Sonn‘ erwacht
und das Grauen schwindet,
ist in meiner Seele Nacht,
die sich schreiend windet.

Gähnend leerer, müder Geist
trägt mich mittags aus dem Haus.
Bevor der Trübsinn noch entgleist,
muss ich einfach raus.

Lauer, warmer Frühlingswind
weht mir plötzlich um die Nase.
Familenscharen, Hund und Kind
spazieren durch die Straße.

Ich wähl den Weg in die Natur,
fernab von Menschenplagen.
In solch reiner Umgebung nur,
lässt es sich ertragen.

Es dunkelt schon recht früh am Tag;
und ich schieb mein Rad zurück.
„Was der November wohl noch bringen mag?“
Ich wünschte, etwas Glück.

01. November 2011 – 15.30

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Wein und Wahrheit

im-wein-liegt-die-wahrheit-2c_designIch sitz geschafft Zuhause
und trinke Erdenblut.
Ich genieße diese Pause,
wenn der Geist mal ruht.

Ich erzähl‘, was mich bewegt
erzähle mehr und mehr.
Und eh‘ es Zwölfe schlägt
befind ich mich im Wahrheitsmeer.

Ein paar Gläser später
sehe ich dann ein:
Der wahre Verräter
ist der rote Wein.

und wieder ein Glas später
wird mir sonnenklar,
dass der wahre Täter
allein ich selber war.

(30.09.2011 -22.20)

(Herzlichen Dank an Elke für die viell. unbewusste Inspiration zu diesem Gedicht in der  letzten, abgeänderten Strophe!)

John


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Der Friede sei mit Dir

722414-die-soziale-poster-mit-dem-bild-von-einem-labyrinth-als-ein-wort-quot-leben-quotMensch unser…

Der Friede sei mit Dir
und mit Deinem Geiste.
Doch mit Dir ist nur die Gier;
ich find‘ das scheiße, weißte?!

Und der Verzicht sei auch mit Dir;
gib Dein täglich Brot den Armen!
Denn Dein Konsum; er reicht für Vier;
nun hab doch mal Erbarmen!

Die Liebe sei mit Dir.
Jedoch Du liebst nur Dich.
Du siehst Besitz in mir
und ich sag Dir: Das bin ich nich‘!

Die Freiheit sei mit Dir
und Du stellst uns die Schranken.
Und bevor ich dran krepier,
wird die Menschheit es Dir danken.

Die Hoffnung sei mit Dir.
Und ich hab sie aufgegeben.
Vorbei ist der Glaube in mir;
Vorbei ist die Nähe zum Leben.

Ich möchte nach Höherem streben.

01.08.2011 – 19.30-20.30

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Vatertag

Ich sitz’ vor einem leeren Blatt Papier
und weiß nicht was ich schreiben soll.
Stunden sitze ich so hier
und höre Bach von Dur bis Moll.

Ich würd Dir gerne sagen,
was mich heut bewegt.
Jedoch an solchen Tagen
ist’s der Gram, der mich erschlägt.

Drum find’ ich keine Worte,
bleibe still und stumm.
Der Elan, der einst rumorte,
ist schon wieder um.

Ich wünsch’ mir oft so sehr,
ich könnt’ ein wenig sein wie Du.
Mein Herz bleibt einsam, mein Geist ist leer,
und ich seh Dir zu
und träum’ von dem, was wär’,
wär’ ich ein bischen mehr…

…wie Du.

Ich danke Dir für 31 Jahre,
deines stetig Vater-seins.
Alles, was ich heut erfahre,
alles das, das war mal Deins.

(02.06.2011 - 16.40 für Dad)

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Steppenwolf? Früher und Heute

in einer Hommage und angelehnt an Herman Hesse’s Steppenwolf. (http://www.suhrkamp.de/)

menschen rausManchmal, ja immer häufiger sehe ich mich gern als der Steppenwolf, wie Hermann Hesse ihn in gleichnamigen Buch glanzvoll umschreibt. Aber ist der Wolf nicht ein Rudeltier, das stets mit den Anderen zieht und sich einem Alphatier unterordnet, wie dies etwa der Mensch bei seinem Sklaven, dem Hund ist? Dann bin ich garantiert kein Steppenwolf, sondern eher einer dieser dummtreuen Hunde, die ihren Besitzern regelmäßig davonlaufen. Sie können nicht mit ihm, aber auch nicht ohne ihn. Dann lebe ich in einer Welt, in die ich nicht gehöre, die mir von der Macht des Staates auferlegt worden ist.

Anstatt meine ungeliebte Persönlichkeit, die mir schon im Kindesalter aufgezwungen wurde, mit sanftesten Mitteln zu vernichten, war es mir immer nur gelungen, mir mich selbst hassen zu lehren. Gegen mich selbst, gegen so oftmals auch unschuldigen und gerechten Geist richtete ich zeitlebens das Schwert des Damokles. Denn es war mir immer wieder gelungen, mein vermeintliches Glück nur wenig später als großes Unglück anzuerkennen. Die gesamte Genialität meiner Phantasie, die volle Stärke meines Denkvermögens,  jede Schärfe, Kritik, Bosheit, jeder Hass, dessen ich fähig war, ließ ich vor Allem und zuerst auf mich los , indem ich mir meine Sinne mit Alkohol vernebelte, mir Schmerzen zufügte oder mich mit den all nur verfügbaren Substanzen dieser Welt aus dem Leben zu schießen versuchte. Wenn ich auch die schonungsloseste Gewaltphantasien gegen sämtliche Menschen und Institutionen entwickelte, so richtete sich mein Hass am Ende immer gegen mich.

Was jedoch tatsächlich die Anderen, meine Umwelt und meine geliebten Freunde betrifft, machen sie auch noch so grobe Fehler,  so unternehme ich manchmal die heldenhaftesten und  ernstesten Versuche, sie zu lieben, ihnen gerecht zu werden, ihnen nicht so weh zu tun. Denn das Lieben meines Nächsten war mir ebenso eingebläut wie das Hassen meiner selbst; und so war mein gesamtes Leben ein Beispiel dafür, dass ohne die Liebe zu mir auch die Nächstenliebe unmöglich sei, dass der Selbsthass genau dasselbe ist und dessen Ende eine genauso grausame Isoliertheit und Verzweiflung aufruft, wie der grelle Egoismus. Und das erfahre ich durch diese Menschen wieder, die mein neues ICH nicht verstehen, sie verzweifeln, sie KÖNNEN mich vielleicht nicht verstehen und projizieren mein anderes Verhalten auf sich selbst, sehen es negativ, bringen mich zur Verzweiflung.

Was sucht mein Wesen in einer Welt , von deren Zielen ich kaum eines teile, von deren Freuden keine mehr zu mir spricht?  Ich kann und möchte weder in einem Kino oder Supermarkt, noch in fremden Wohnungen  lange aushalten;  ich kann nicht verstehen, welche  Lust und Freude es ist,  die die Menschen in den überfüllten Bussen und Bahnen, in Bädern und Straßencafés mit schwülem, aufdringlichem Verkehrs- und Menschenlärm, in den angesagten Clubs und Diskotheken der eleganten Luxusstädte suchen, in den Weltausstellungen, auf den großen Sportplätzen - ich kann all diese Freuden, die mir ja unerreichbar wären und um die tausende andre sich mühen und drängen, nicht verstehen, nicht teilen. Und was hingegen mir in meinen seltnen Freudesstunden geschieht, was für mich Wonne, Erlebnis, Ekstase und Erholung ist, das kennt und sucht und liebt die Welt höchstens in Dichtungen; im Leben findet sie es verrückt. Und in der Tat, wenn die Welt recht hat, wenn diese Musik in den Bars, diese Volksfeste und Massenvergnügungen, diese amerikanischen, mit so wenigen, zufriedenen Menschen recht haben, dann habe ich Unrecht, dann bin ich verrückt, dann bin ich das in eine ihm fremde Welt verirrte Tier, das seine Heimat, Luft und Nahrung nicht mehr findet, das vom Saft dieses irdischen Lebens genug gekostet hat und nun davon nicht mehr abhängig sein will.

Es gibt und gab viele Menschen von ähnlicher Art, wie ich einer bin; viele Künstler namentlich gehören dieser Art an. Diese Menschen haben alle zwei Seelen, zwei Wesen in sich, in ihnen ist Göttliches und Teuflisches, ist mütterliches und väterliches Blut, ist Glücksfähigkeit und Leidensfähigkeit ebenso feindlich und verworren neben- und ineinander vorhanden, wie ich und ich es sind. Und diese Menschen, deren Leben ein oftmals unruhiges ist, erleben zuweilen in ihren seltenen Glücksaugenblicken so Starkes und unnennbar Schönes, der Schaum des Augenblicksglückes spritzt zuweilen so hoch und blendend über das Meer des Leides hinaus, dass dieses kurz aufleuchtende Glück ausstrahlend auch andere berührt und bezaubert. So entstehen, als kostbarer flüchtiger Glücksschaum über dem Meer des Leides, alle jene Kunstwerke, in welchen ein einzelner leidender Mensch sich für eine Stunde so hoch über sein eigenes Schicksal erhob, dass sein Glück wie ein Stern strahlt und allen denen, die es sehen, wie etwas Ewiges und wie ihr eigener Glückstraum erscheint. Alle diese Menschen, mögen ihre Taten und Werke heißen wie sie wollen, haben eigentlich überhaupt kein Leben, das heißt, ihr Leben ist kein Sein, hat keine Gestalt, sie sind nicht Helden oder Künstler oder Denker in der Art, wie andere Richter, Ärzte, Schuhmacher oder Lehrer sind, sondern ihr Leben ist eine ewige, leidvolle Bewegung und Brandung, ist unglücklich und schmerzvoll zerrissen und ist schauerlich und sinnlos, sobald man den Sinn nicht in ebenjenen seltenen Erlebnissen, Taten, Gedanken und Werken zu sehen bereit ist, die über dem Chaos eines solchen Lebens aufstrahlen. Unter den Menschen dieser Art ist der gefährliche und schreckliche Gedanke entstanden, dass vielleicht die ganze Menschheit nur ein arger Irrtum, eine heftige und missglückte Fehlgeburt der Urmutter, ein wilder, grausiger fehlgeschlagener Versuch der Natur sei.

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Du mieser Gast, Du Störenfried!

Ganz unverschämt kommst Du herein,
fragst nicht, ob ich Dich ließe.
Nimmst meinen Stolz und schenkst mir Wein,
den ich in meinen Zustand gieße.

Nimmst mir damit Hoffnung, nimmst mir den Verstand!
Du raubst mir bald mein Leben.
Und das Glück, das ich einst fand…
…wird’s mit Dir nie mehr geben.

Ich hab nur noch den Willen,
Dich endlich zu besiegen.
Ich werd Dich JETZT BALD killen!
Und leb’ erst dann gediegen.

Du mieser Gast, Du Störenfried!
Lass ab von meinem Geist!
Als ich mich für das Leben entschied,
kamst du schon wieder angereist!

Ich sag’s Dir jetzt klar ins Gesicht:
DICH Depression, dich brauch ich nicht!
Verschwinde! Bleib mir fern!
Denn mein neues Leben; ich hätt’s ja doch so gern…

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Verzweiflung

In diesen Nächten denk’ ich oft,
ja hat’s denn einen Sinn?
Dass ich mich mit dem Leben zoff’
und noch so an ihm bin?

Ich hab’s mir zwar nicht ausgesucht,
doch weiß ich ganz genau:
Das Glück, es ist nicht ausgebucht,
nur ’s Leben ziemlich rauh.

All gut Dünken und schön Reden
kann ich gern, durch’s ganze Jahr!
Jedoch, ich möcht’ nur leben.
LEBEN! Das wär wunderbar!

Ich weiß jetzt leider nicht,
ob Ihr mich versteht.
Es ist, wie wenn ein Licht
ganz plötzlich, fern, verweht.

All’ die Liebe, all’ der Glaube
an den eig’nen Geist,
so rasch verweht zu kleinstem Staube,
der mir vom Leben etwas scheißt!

05.02.2011 - 02.50

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Nur mit Dir

Von allen Genüssen dieser Welt,
möchte ich entzogen sein.
Und wenn der Schnee auch ewig fällt,
fühl ich nie wieder Sonnenschein.

Sollt’ die Krankheit mich verzehren,
und der Tag mir finster sein.
Sollten Richter mich bekehren,
bin ich bis ans End’ allein.

Wenn das Schicksal mich zermürbe,
jeden Tag und jede Nacht,
wenn mein Geist für immer stürbe,
und der Teufel noch so lacht.

Sollten Stürme mich begleiten,
ist meiner Seele windig weh,
bestünd’ ich nur aus Bitterkeiten,
egal, wie’s um mich steh’:

Nur mit Dir könnt ich’s ertragen,
weil Du unersetzbar bist.
Gibst mir Wärme und Behagen,
machst aus mir den Optimist.

Mich fesselt Deine Jugendblüte,
solch’ liebliche Gestalt.
Solang ich Dich behüte,
solang ich Dich behalt,
führ ich mir das zu Gemüte,
wird mir nie wieder kalt.

(07.12.2010 - 23.00 Uhr)

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Schönheit

Meine lange, einst’ge Schönheit,
sie geht dies’ Jahr flöten.
Ich üb’ darum derzeit
einsam Sterben mit den Kröten.

Das Haar wird grau,
Gesicht wird alt’
Der Geist wird schlau,
das Herz nie kalt.

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