Das Leben steht still

07041503 contrapunctus mediaDas Leben steht still
Ich fühle es kaum.
Was ich auch will
Lebt nur noch im Traum.

Mein Tag ist ein Schatten
Der vergangenen Nacht.
Egal, was ich mache
Im Kopf bleibt die Schlacht.

Um Freude und Trauer
Um Liebe und Hass
Die Angst schmeckt mir sauer
Auf sie ist Verlass.

Das Leben steht still
Ich hör nur mein Herz.
Es klopft voller Sehnsucht,
Kummer und Schmerz.

15.11.2017 - 20:57

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Dein Atem

Fragezeichen-HerzDein Atem schwebt leicht
Über meiner Brust.
Mein Herz ist erweicht
Im Genuss dieser Lust.

Dein Atem schmeckt bitter,
Doch sinnlich und rein.
In mir herrscht Gewitter
Vom aufgeregt sein.

Dein Atem berührt
Mein einsames Herz.
Du hast mich entführt
Und lässt mir den Schmerz.

Den Schmerz, Dich zu begehren,
Er wiegt in mir sehr schwer.
Er wird mir sehr bald lehren,
Die Liebe gibt uns kein Gewähr.

Und doch genieß’ ich jede Stunde,
In der ich Dich begehr’.
Du leckst mir jede Wunde,
Ich lieb Dich wirklich sehr.

Für J. - 31.10.2016 - 02:49

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Ich vermisse

marioIch vermiss Deinen Atem,
Der nachts zu mir spricht,
Und den blauen Glanz
Aus Deinem Augenlicht.

Ich vermisse die Ruhe,
Die Du mir gibst;
Und das Prickeln,
Wenn Du mich liebst.

Ich vermisse die Orte,
An denen wir waren.
Und Deine Worte;
Die Worte, die Klaren.

Ich vermiss diese Blüte,
Die einem Frühling gleicht.
Ich vermiss Deine Güte,
Die um mein Herz herschleicht.

Ich vermiss nicht die Sehnsucht.
Die Sehnsucht nach Dir.
Ich vermiss sie so lang nicht,
Bis Du vor meiner Tür…

(Für Super-Mario)

24.08.2015- 20.30

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Jedes Mal, wenn ich Dich seh

liebeskummerJedes Mal, wenn ich Dich seh
Pulsiert mein Blut bis in den Hals
Schießt Adrenalin durch meine Adern
Umschleicht mich edler Schwindel.

Jedes Mal, wenn ich Dich seh
Schmückst Du meine Welt mit bunten Farben
Wehst wie ein Frühlingswind
Durch meine Glieder.

Jedes mal
Bist Du Rausch
Verzweiflung
Und tiefe Sehnsucht.

Eine Sehnsucht
Die nie vergeht
Mit jedem Jahr
Noch stärker weht.

Jedes Mal, wenn ich Dich seh
Bleibt ein Teil von Dir
In meinen Träumen.

17.03.2015 - 23.16

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Das Gift in mir

schmerzGanz tief in meinem Herzen
Lauert ein tödliches Gift.
Es lauert voller Schmerzen
In schönster, glanzvoller Schrift.

Geschrieben in goldenen Lettern
In Jahren der Völlerei
Von hasserfüllten Göttern.
Eine Elends-Litanei.

Es nährt sich von dunkelsten Tagen
Und altem Verderben
Von unbeantworteten Fragen
Und zigtausend Scherben.

Das Gift in mir trägt keinen Namen
Und doch stammt es von Dir.
Es trägt auch Deinen Samen
Und all Deine Gier.

Zur richtigen Stunde
Wird es befreit.
Es schlägt Dir die Wunde
Deiner Eitelkeit.

19.02.2015 - 01.11

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Misère

030414-004Der Wind geht rau
Seit vielen, vielen Tagen.
Nebel legt sich auf der Au
Was hilft’s, jetzt noch zu klagen.

Dieser Sommer war schon tot,
Ehe er begann.
Der Krähen schwarzer Kot
Ist der Traum, der längst zerrann.

Nun stehn die Weizenfelder
Traurig, leer und krumm,
Die alt geword’nen Wälder
Bleiben braun und schweigen stumm.

Auch die Sonne scheint nicht mehr,
Als wäre sie verschwunden.
Hinter einem Meer
Von totgelebten Stunden.

Komm! Lass uns noch mal tanzen!
Wie in früh’ren Jahren!
Als unsere Romanzen
Noch frisch und ehrlich waren.

Gib mir noch mal das Gefühl,
Von heißen Julisommern
Von den Bergen in Kitzbühel
Bis weit ins Land Vorpommern.

Doch der Traum ist ausgebrannt;
Es führt kein Weg zurück.
Noch ehe ich zum Leben fand,
War ausgeträumt das Glück.

14.08.2014 - 23.33

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Schön’s Blümelein

StiefmütterchenEinst stand da ein schön’s Blümelein
Vor einem alten Haus.
Es stand so einsam und allein;
Das hielt mein Herz nicht aus.

Behutsam nahm ich es zu mir
Und setzte es Zuhause ein.
Es war dann fortan hier,
Das zarte, junge Blümelein.

Es gedieh so wunderbar
Und blühte auf, in voller Pracht,
Seit es bei mir war,
So bei Tag und bei der Nacht.

Doch an jenem Sommertage,
Als von der Reise ich zurück,
Blieb die eine alte Frage:
Warum starb das junge Glück?

Den Topf des schönen Blümelein
Zierte nur noch toter Schmerz.
Es konnt’ nicht länger bei mir sein.
Mir zerriss es schier mein Herz.

Ein Jahr später, vor dem Garten,
Als der Schmerz verklungen,
Sah ich neue Blümlein warten,
Meine Seele hat gesungen!

Und so nahm ich notgedrungen
Eines mit nach Haus.
Ich hatte lang mit mir gerungen;
Dieses Blümchen war ein Graus!

Zwar glich es dem vom letzten Jahr
Wie ein Ei dem andern.
Doch seine Absicht war,
Von Topf zu wandern.

Auch das Blümlein, das hernach
Nicht lange bei mir blieb,
Hielt mich viele Nächte wach,
Entpuppte sich als Herzensdieb.

Ein Blümlein, das ich zu mir nahm,
Aus fremdem Untertopf
Blieb nichts, als alter Gram,
Und Wut in meinem Kopf.

So lass ich all die Blümelein
Künftig wo sie sind.
Erfreue mich an ihrem Schein,
An ihrem Tanz im Wind.

31.05.2014 - 21.18

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Kindheit, Jugend, Herbst und Winter

5vor121Ein Frühling voller Kindheitstage
Kühl, verregnet, grauenvoll.
Kindheit war die reinste Plage
Ein Frühling in H-Moll.

Der Sommer wollte besser sein
Die Jugend in C-Dur.
Liebe, Sex und roten Wein
Lebenslust und Freude pur.

Eines Tags bemerkte ich:
Mein Sommer wird zu heiß.
Und als er just dem Winter glich
Lag ich tot in kaltem Schweiß.

Viele Blätter sind gefallen
Sommerfarben sind verblichen.
Mein Herbst zeigt seine Krallen
Die Jugend ist verstrichen.

Auf die viel zu heißen Sommertage
Folgt ein Herbst der Ewigkeit.
Ich weiß nicht, ob ich ihn ertrage.
Es hat auch schon geschneit…

Der Winter steht vor meiner Tür.
Er wird kurz und heftig sein.
Jede Flocke, die ich spür
Bringt mir Schmerz und Pein.

Ich wünschte ein paar Sommerstunden
Inmitten des Novemberblues
Etwas Heil für meine Wunden
Vom Sommer nur ein kleiner Gruß.

Stattdessen wart ich weiter
Auf die dunkle Winterzeit.
Aus meinen Wunden quillt der Eiter
Zum Sterben bin ich nicht bereit.

18.02.2014 – 17.14

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Traum aus Holz

holzherzMir ist bewusst, mir geht es gut;
Ich dürfte gar nicht klagen.
Doch in mir herrscht eine Wut,
Und tausend alte Fragen.

Jeden Tag aufs Neue
Zeigt das Schicksal mir,
Auf was ich mich auch freue,
Es bleibt nicht lange hier.

Ob die Gründe nun bei mir
Oder einem andren liegen,
Bevor ich explodier,
Bleibe ich gediegen,
Trinke sieben Bier
Und möchte zu Dir fliegen.

Doch Du bist nicht hier…

Jeden Tag aufs Neue
Zeigt das Schicksal voller Stolz:
Auf was ich mich auch freue;
Es bleibt ein Traum aus Holz.

06.12.2013 – 23.32

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Jede Nacht

Lovers

Jede Nacht träum ich davon,
Wie Du daliegst neben mir.
Unser Atem spielt synchron;
Und im Hintergrund Klavier.

Zärtlich streich ich durch Dein Haar
Und küsse Deine Wangen.
Mit Genuss nimmst Du es wahr,
So lieblich, rein und unbefangen.

Und eh Dein Kuss dem meinen gleicht,
Verschmelze ich mit Dir.
Alles um mich wird ganz leicht,
Als wär ich nicht mehr hier.

Sterben möchte ich für die Stunde,
Die der Traum mir nachts gewährt,
Doch er nagt an meiner Wunde,
Welch‘ die Liebe zu Dir nährt.

Ehrlichkeit ist wichtig;
Doch auch durchaus schwer.
Ich kenn‘ Dich ja nur flüchtig,
Doch ich lieb Dich jetzt schon sehr.

25.11.1013 – 20.08

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Digga

scottWenn Dein Blick den meinen streift
Und Du täglich bei mir bist:
Jeden Tag die Liebe reift,
Die für Dich nicht greifbar ist.

Liebe, die aus meinem Herzen
Immer wieder auf Dich trifft,
Liebe, die mit großen Schmerzen
Mein Leid auf das Deine schifft.

Jede Runde Schach mit Dir
Erweckt in mir die Leidenschaft-
Leidenschaft und Gier:
Leidenschaft, die Leiden schafft.

Du bist für mich das Licht des Lebens
Und zugleich die Dunkelheit.
Dich zu lieben ist vergebens,
Denn Dein Herz ist noch zu weit.

Viel zu weit entfernt von mir,
Ich möchte Dich begehren!
Sei doch bitte einfach hier,
Ich muss an deinem Dasein zehren.

Digga, glaub mir, Du bist nice!
Like a brother, if you know!
Ich sag es Dir ganz leis’:
Ich liebe Dich und so…

Für Scott – 09.11.2013 – 23.55



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In blutig, triefend Leinen

140215-002-smallIch reiße mir mein Herz heraus
Und werf es auf die Straße,
Dann nehme ich Reißaus,
Und blase in Ekstase
Das letzte Lichtlein aus.

Du Mensch hast es genommen
Und nie daran gedacht,
Dass, es zu bekommen,
Nicht jedem Freude macht!
Warst dumm und gabst nicht Acht.

Deine Lügen und Intrigen
Hab ich lange angehört.
Heut sind sie wie Eintagsfliegen,
Vom Leben kurz genährt.
Die Wahrheit wird doch siegen!
Die Erfahrung hat’s gelehrt.

Doch müd bin ich geworden,
Des Lebens und der Liebe.
Ich verdiene keinen Orden,
Auch nicht, wenn ich bliebe.
Es treiben keine neuen Triebe.

So beschließe ich kurzum:
Mein Herz bleibt hier,
Auf diesen nassen Steinen!
Und weder DIR
Noch irgendeinem
Ich es je servier.

Nur in blutig, triefend Leinen.

24.08. 2013 – 23.37



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Schließ Frieden!

FriedenWir wollen alle etwas Großes bewegen und geben uns lieber enttäuscht der Lethargie hin, anstatt im kleinen Frieden anzufangen. Schlösse ein Jeder Frieden mit sich und seinem Umfeld, wäre schon das Größte vollbracht.

Aber Nein! Uns geht es nur
Um all das schnöde Geld.
Ein jeder von uns ist ne Hur‘
Und vergiftet damit seine Welt!

Besser stehlen und betrügen;
Das ist unser wahrer Lohn!
Unsre Welt steckt voller Lügen,
Hass und abgrundtiefem Hohn!

Der Banker ist nur süchtig
Nach Erfolg und Neid.
Fairness kennt er flüchtig,
Aus seiner alten Zeit.

Dein Nachbar ist ein Blockwart
Und macht Dein Dasein schwer?
Vielleicht ist’s Deine Art;
Vielleicht bist Du nicht fair.

Die Frau ist Dir davongelaufen,
Mit dem Deinen Kind?
Hör vielleicht mal auf zu saufen
Und sei nie vor Liebe blind!

Du möchtest stetig besser sein,
Als der graue Rest?
Hör doch mal in Dich hinein;
Vielleicht hast Du die Pest!

Die Pest der toten Seelen,
Die nur sich selbst am Lieben,
Sich und andre quälen,
Mir Gier und Wohlstandstrieben.

Ist die unsre Politik
Dir niemals wirklich recht?
Dann zieh in Deinen Krieg
Und kämpfe um das Recht!

Hab doch einmal Demut
Blick auf Dich zurück!
Dein Leben war doch sehr gut;
Du hattest so viel Glück!

Hast keine tausend Stunden
Im Sterbebett verbracht
Und trägst jedoch die Wunden
Aus jener, alter Nacht.

So schließ doch endlich Frieden,
Als erstes nur mit Dir!
Und hast Du Dich geschieden,
Von der so großen Gier,
Dann. Dann erst, kommen wir.

25.07.2013 – 20.33

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Erinnerung

ErinnerungErinnerung tut weh,
Ist sie auch noch so schön.
Stets, wenn ich sie seh,
Möcht an der Zeit ich drehn.

Erinnerung macht mürbe,
Denn sie kommt nie zurück.
Und wenn die Liebe stürbe:
Ich fühl noch heut ihr Glück.

Erinnerung ist Schmerz,
Der nie mehr vergeht.
Ich fühls in meinem Herz,
Wenn der Nordwind weht.

Erinnerung bist Du!
Du bist all mein Leid!
Ich komm niemals zur Ruh
Und denk an Dich zu jeder Zeit.

13.07.2013 – 20.51

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Letzte Nacht

gayloveLetzte Nacht wars erst gewesen,
Da hab ich Dich gesehn.
Ich stand vor einem jungen Wesen
Voller Geist und traumhaft schön.

Du fragtest, ob ich ewig bliebe
Und ich sagte: „Ja!
Dieses ist die wahre Liebe,
Ohne Lüge und Eklat.“

Doch in den frühen Morgenstunden
Musstest Du schon gehn.
Im Déjà-vu der alten Wunden
Fragte ich, wann wir uns sehn.

Du sagst, Du warst ein Traum,
Ein Spiegel meiner Seele.
An Wiedersehen glaubst Du kaum,
Weil mir die Hoffnung fehle.

Ach Schönheit, bitte bleib!
Lass mich doch ewig träumen!
Halte mich an Deinen Leib
Und lass die Liebe ewig schäumen!

Kaum hatt‘ ich dies gesagt,
War mein Traum vorbei.
Es begann ein neuer Tag,
voller Träumerei.

13.07.2013 – 20.27

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Liebe heißt Leiden

herzblut2Liebe ist Kleiden
Liebe macht schön
Liebe ist Neiden
Liebe will sehn

Liebe ist Streiten
Liebe macht blind
Liebe ist Meiden
Liebe ist Wind

Liebe ist Schneiden
Liebe ist Schmerz
Liebe heißt Leiden -
Fürs einsame Herz.

10.07.2013 – 20.22

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Du holdes Glück

glückWie oft schon schienst Du nah bei mir,
Du holdes Glück der Welt?
Ein jedes Mal vertraut‘ ich Dir;
Dann hatte sich herausgestellt,
Dass ich Dich wieder mal verlier.

Wo ist es hin, das Hochgefühl
Vergangen alter Tage?
War es nur ein Jugendspiel,
Das im Herzen noch ich trage?

Ich dürft‘ mich nicht beschweren,
Im Grunde geht’s mir gut.
Muss nicht am Hunger zehren
Und hab gesundes Blut.

Jedoch, mir fehlt der alte Trank
Aus dem Kelch des Lebens.
Meine Seele fühlt sich krank
Und Hoffnung ist vergebens.

So sag mir doch, was soll ich tun,
Dass Du kehrst zurück?
Ich werd nicht eher ruhn,
Bis ich mit Dir vereint, mein Glück!

10.07.2013 – 19.57

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Sommernacht

Juni 2013Wie lange war ich gezwungen, diese lauen Sommerabende zu missen.
Grillen und Zikaden geben ihr Abendkonzert.
Aus Hinterhöfen und Biergärten dringt fröhliches Gelächter.
Der Duft von griechischen Speisen vermischt sich mit thailändischen und Gegrilltem
und liegt schwer in der schwülen Abendluft.

Einzelne Menschenpaare schlendern Hand in Hand durch den späten Abend
und genießen ihr Zusammensein.
Alles fühlt sich plötzlich so frei an.
Wie ein Déjà-vu.
Erinnerungen an die Kindheit.

Der warme Abendwind umströmt mein Gesicht,
ganz zart,
schier wie das Streicheln einer Mutter,
und ich vergesse für kurze Momente
die Grauen der Vergangenheit.

Ich biege in meine Straße ein und mir erscheint eine Sternschnuppe.
Tief in meinem Herzen äußere ich nur einen Wunsch.
Ich wünsche mir Dich.
Dich, unter den vielen Tausend, in dieser von Gier und Lügen zerfressenen Welt.

16.06.13- 00.40

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Ich bin wie das Wetter

Regen SchreiIch bin wie das Wetter
Und schlag um mich her.
Mal bin ich adretter,
Mal traurig und schwer.

Kann brausen und wüten
Wie der schlimmste Orkan.
Vor mir musst Du Dich hüten,
Denn man sieht’s mir nicht an.

Wenn ein edler Sonnenschein
Umfließt Dein kleines Herz,
Schlägt jäh ein greller Blitz hinein,
Bringt Panik, Gram und Schmerz.

Ich kann der schönste Frühling sein,
Voll Wärme und Behagen.
Ich reife wie der beste Wein,
An heißen Sommertagen.

An andren Tagen bin ich Regen,
Kühl und trostlos grau.
Auch das musst Du erwägen,
Mein Himmel ist nur selten blau.

Und wie Mutter Natur
Setz ich mich zur Wehr.
Änderst Du meine Temperatur,
Mach ich Dir Dein Leben schwer.

14.06.2013 – 21.53

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Die Gayromianisierung der schwulen Szene

GayromeoEinige meines Semesters Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre wird die Zeit noch kennen, als man sich über Szenekneipen oder Kontaktanzeigen in verschiedensten Printmagazinen kennenlernte. Damals gab es sogar noch „Blind Dates“. Wie verrückt mag das wohl für Euch jüngeren Schwulen von heute klingen. Blind Date. Hat der kein Iphone? Keine Cam? Ne, der ist sicher komisch drauf. Ich gebe zu, auch ich treffe mich seit dem Zeitalter des Internets, Gayromeo, erschwinglichen Digicams und Smartphones nicht mehr mit Menschen, von denen ich nicht mindestens ein Bild vorher gesehen habe. Das Problem, das sich seit der Gayromianisierung der schwulen Szene in unser Leben schleicht, ist ein ganz anderes.

Und zwar die schier unendliche Auswahl. Auswahl zwischen dem Katalogmodel, dem Traumboy, oder dem Typen von nebenan, bis hin zu nimmersatten Daddys oder Fetischtypen. Vor ca. zehn bis zwölf Jahren, als noch nicht jeder die technischen Voraussetzungen für Bilder in seinem Profil besaß, traf man sich einfach und auch wenn drei Male hintereinander kein Traumtyp dabei war, so hatten diese Treffen doch immer einen gewissen Reiz. Den Reiz des Unbekannten.

Wer zufällig wie ich die Anfangsjahre des schwul-gemischten Internetcafés Kr@ftAkt in München miterlebt hat, weiß sicher von was ich spreche. Die Plätze an den Rechnern waren meist bis auf den Letzten belegt, zumal damals auch nicht jeder einen eigenen Rechner oder Internetanschluss besaß. Wer diesen Ort heute, elf Jahre später besucht, wird feststellen, dass die Bildschirme und PCs mittlerweile nicht mehr nötig sind, da ohnehin ein jeder der jüngeren Generationen in den Bildschirm seines Smartphones starrt und wie wild darauf herum tippt. Blickkontakt herrscht, wenn, dann nur noch unter Leuten, die sich wirklich gefunden haben. Der moderne Schwule von heute ist immer extrem busy und immer on the way. Und gefragt muss er natürlich auch sein, woher sonst sollte er seinen aktuellen Marktwert kennen, wenn nicht durch die Likes, die er mit dem neuesten Schnuten-, Grinse- oder extrem-bös-guck-Gesicht auf Facebook erschnorrt. Von im Schnitt vierhundert „Freunden“.

Kommen wir zurück zu Gayromeo. Oder gerne auch jeder anderen Plattform, auf der man sich so tummelt; aber das Herzstück ist und bleibt nun mal die besagte Community. Ich habe festgestellt, dass man als User oft eine von vielen ungeahnten Hintertürchen ist, die sich das Gegenüber offen hält, um möglichst „noch einen Besseren“ zu finden. Das mag zunächst nicht viel anders als auch im realen Leben sein. Das fiese aber daran ist, dass die Typen ihr dummes Maul nicht aufbekommen, Dir einen ehrlichen „Korb“ zu reichen, sondern weiter mit Dir chatten, dir manchmal auch ein (nachlassendes) Gefühl von Interesse geben und immer einen Grund finden, warum sie grad keine Zeit für ein Treffen haben. Ein kluger Mann wie ich resigniert und hakt den Kontakt ab. Mangelt es ihnen an Selbstbewusstsein? Nein, nicht immer. Oft melden sie sich sogar Monate später wieder, weil das mit dem Ex oder wem auch immer nun doch nicht geklappt hat. Ein kluger Mann (wie ich) schickt den Burschen in die Wüste.

Es gibt dann aber auch noch solche, die in ihrem Profil schon vorheucheln, dass Sexdates ein No-Go sind, treffen sich mit Dir, holen sich, was sie in Wirklichkeit wollen (Sex, weil Du sagst ja schließlich nicht nein) und heucheln dann weiter, wie schön es bei Dir war, wie wenig Zeit sie jedoch für ein zweites Treffen haben, sitzen aber jeden Tag nach Feierabend mit Freunden im Kraftakt oder daten sich mit dem Nächsten. Wer schlau ist, findet das relativ schnell heraus, der naive Dumme läuft ihm ewig hinterher.

Nun, das waren nur zwei Beispiele von den unzählig möglichen, die wir in unserer täglichen Gayromeo-Lethargie erleben; sie zeigen aber eines deutlich auf: Wer im heutigen Zeitalter der Internetisierung von Partnersuchen lebt, hat es schwieriger, den Richtigen zu finden, als dies zuvor der Fall war. An einem weiteren, drastischen Beispiel, das ich vor Jahren selbst erlebt habe, möchte ich diese Aussage erläutern:

Vor einigen Jahren fiel mir ein sehr gutaussehender Junge bei Gayromeo auf und ich schrieb ihn an. Ich war erstaunt, dass er sogar antwortete; er war höflich und meinte, ich sei nicht so sein Typ. Nun gut, damit kann ich leben; das ist ehrlich. Ein paar Wochen später war ich mit einem guten Freund im Kraftakt. Ja, auch ich verirre mich wenige Male im Jahr trotz meiner Szene-Aversionen noch dort hin, weil es mir eigentlich ganz gut gefällt. Das Ambiente, der Service, manchmal auch wirklich nette Gäste, die nicht von der Münchener Oberflächlichkeit gesegnet sind. Als ich zum Rauchen nach draußen ging, kam mir wenige Sekunden später ein junger, gutaussehender Typ hinterher, der mich um Feuer bat. Er kam mir irgendwie bekannt vor. Er fragte mich ob, ich der aus Gayromeo sei und nannte meinen und seinen Nick. (Der im Übrigen nicht schwer herauszufinden sein dürfte) Nach kurzer Zeit bejahte ich, als mir bewusst wurde, dass er der Junge war, dem ich einige Wochen zuvor auf meinen Bildern nicht so sehr entsprach. Dieser Junge machte mir sehr schnell unverblümt klar, dass ich total sein Typ sei und dass ihm „der Korb“ von vor ein paar Wochen total leid tue. Muss wohl an meinen Bildern gelegen haben. Dieser Junge ging auch mit mir nach Hause, verbrachte eine heiße Nacht mit mir, ehe er mir am nächsten Morgen (genauso ehrlich, wie auf Gayromeo) erklärte, dass er mittlerweile leider einen Freund habe und ihm auch das total leid tue.

Daraus entstand wohl der Gayromeo-Grundleitsatz: WER DICH WILL, DEN WILLST DU NICHT, DOCH WEN DU WILLST, DER WILL DICH NICHT.

Die Jungen wie die Alten im Web sind zum Großteil sexbesessen; kaum einer von ihnen schert sich mehr um wirkliche Werte wie Vertrauen, Verstand, Humor, Ehrlichkeit, Geborgenheit. Geltungssucht, Partys, Sex und Lügen bestimmen das Alltagsbild. Wenn man das mit dem männlichen Fortpflanzungstrieb vereinen könnte, würde ich mir hier einige Silben ersparen. Aber gerade bei uns Schwulen?

Vielleicht bemerken wir eines Tages ja doch, dass uns die Gefangenschaft im Onlinewahn kein Stück weiterbringt. Die Liebe ist dort ein Spiel und Du bist womöglich der Verlierer, weil Du ausgenutzt wurdest, Du kannst aber auch Gewinner sein, wenn Du weißt, was Du willst, oder wenn Du einfach nur eine unbezahlte Nutte unter vielen hier bist. Dann lernst Du wenigstens die Wertschätzung Deines Körpers kennen.

03.05.2013-22.55

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