Das Gift in mir

schmerzGanz tief in meinem Herzen
Lauert ein tödliches Gift.
Es lauert voller Schmerzen
In schönster, glanzvoller Schrift.

Geschrieben in goldenen Lettern
In Jahren der Völlerei
Von hasserfüllten Göttern.
Eine Elends-Litanei.

Es nährt sich von dunkelsten Tagen
Und altem Verderben
Von unbeantworteten Fragen
Und zigtausend Scherben.

Das Gift in mir trägt keinen Namen
Und doch stammt es von Dir.
Es trägt auch Deinen Samen
Und all Deine Gier.

Zur richtigen Stunde
Wird es befreit.
Es schlägt Dir die Wunde
Deiner Eitelkeit.

19.02.2015 - 01.11

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Geschützt: Morgengrauen

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Digga

scottWenn Dein Blick den meinen streift
Und Du täglich bei mir bist:
Jeden Tag die Liebe reift,
Die für Dich nicht greifbar ist.

Liebe, die aus meinem Herzen
Immer wieder auf Dich trifft,
Liebe, die mit großen Schmerzen
Mein Leid auf das Deine schifft.

Jede Runde Schach mit Dir
Erweckt in mir die Leidenschaft-
Leidenschaft und Gier:
Leidenschaft, die Leiden schafft.

Du bist für mich das Licht des Lebens
Und zugleich die Dunkelheit.
Dich zu lieben ist vergebens,
Denn Dein Herz ist noch zu weit.

Viel zu weit entfernt von mir,
Ich möchte Dich begehren!
Sei doch bitte einfach hier,
Ich muss an deinem Dasein zehren.

Digga, glaub mir, Du bist nice!
Like a brother, if you know!
Ich sag es Dir ganz leis’:
Ich liebe Dich und so…

Für Scott – 09.11.2013 – 23.55



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Geschützt: Ich habe gelebt

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Nachtangst

angst-todNächtlich werd ich Schäfchen zählen,
Stunden um den Schlaf gebracht.
Nächtlich werden Schmerzen quälen,
Angst gewinnt die Übermacht.

Oft bis in den frühen Morgen
Liegt meine Seele wach.
In mir die abertausend Sorgen
Halten mich des Nachts in Schach.

Selten wars, dass mir die Nacht
Recht wohlgesonnen war.
In meinem Kopf herrscht eine Schlacht
Mit Explosionsgefahr.

Nur selt’ne Nächte waren schön,
Mit Dir in meinen Armen.
Zu schnell mussten sie vergehn,
Das Glück kennt kein Erbarmen.

15.05.2012 – 16.30/23.20

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Nachts wenn

nachtsNachts, wenn ich die Waffen lade,
Mit welchen ich mich niederstrecke
Wenn ich nachts in Schmerzen bade,
Salz aus meinen Wunden lecke

Wenn der Schmerz nachts in mir schreit
Und ich wütend um mich schlage
Wenn Gift die Apathie befreit
Die ich nicht mehr ertrage

Nachts, wenn Nachtigallen rufen
Und die Sterne schweigen
Wenn ich nachts die letzten Stufen
Meines Tages muss besteigen

Wenn des Nachts die Sehnsucht nagt
Und wieder ich dem Tod entronnen
Wenn eine Pein die andre jagt
Und der Kummer hat gewonnen

Nachts, wenn Ängste Blüten treiben
Bis der Wahn mein Hirn zerfrisst
Wenn des Nachts die Fürchte bleiben
Und der Morgen sie vergisst

Wenn ich wach lieg bis zum Morgen
Und mir wünscht, nicht mehr zu leben
Wenn ich zähle all die Sorgen,
Und dran denke aufzugeben

Dann bleibt mir nur noch der Glaube
Dass ein wenig Hoffnung bleibt
Und aus diesem grauem Staube
Ein neues Leben Blüten treibt.

04.04.2012 – 17.30 - 20.42

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Geistiger Tod

kill meDas Jahr 2012 begann beschissen. Wobei ich unsere gemeinsame Silvesterfeier noch zum letzten Jahr zähle. Es war trotz einiger widerer Umstände ein sehr gutes Jahr 2011. Und Anfang Januar kamen schon die ersten Katastrophen. Die Wirtschaftskrise traf auch mich. Keine Aufträge mehr, überhöhte Preise, mein Graskonsum stieg schon seit einem Jahr bis ins Unermessliche. Dazu die vertrackte Lage mit René, dem ich durch mein Geständnis, dass es mit uns nicht klappen werde, nicht weh tun wollte. Ich hatte schon im letzten Jahr das böse Omen, dass 2012 das Jahr der Trennungen sein wird. Und René sollte nicht die einzige Trennung sein.

Auch Elke, jene Frau, die ich im Mai letzten Jahres kennen gelernt hatte und die mir das Jahr über viel Kraft gab, entfernte sich zum Ende des Jahres immer mehr von mir. Alles begann, als sie am 3. Advent zu Besuch kam und ebenso schnell wieder verschwand, weil eine Graswolke in der Wohnung stand, die sie nicht vertrug. Nach diesem Katastrophenabend war alles nicht mehr wie vorher zwischen uns. Danach kamen von ihrer Seite überwiegend nur noch Vorwürfe und Ablehnung auf mich ein gehagelt. Sie wollte weder mehr hören, noch lesen, wie schlecht es mir ständig ginge und über meinen neuen Freund wollte sie am besten so wenig wie möglich erfahren. Mein Facebook-Posting über die Bettelkinder (Sternsinger) beendete schließlich unsere „Freundschaft“, da sie darin ihren 14-jährigen Sohn, der selbst mal Sternsinger war, beleidigt sah. Obwohl ich nie wusste, dass er das mal war. Es interessierte mich in diesem Moment auch wenig, da ich diesen Post jedes Jahr zu „Hl. Drei Könige“ ablasse. Alle Geduld und Verständnis, die sie jemals für mich empfand, warf sie einfach über Bord und sortierte mich aus ihrem heilen Leben aus, in dem sie mich erst so offenherzig empfangen hatte. Sie hatte ihre Gründe nun zusammen um mich zu kicken. Nur für was wollte sie mich als Freund? Einer, der ihr ständig vorheuchelt, wie gut es ihm geht? Ich verzichte mittlerweile dankend, denn FREUNDE stehen immer hinter mir, egal wie es mir geht und was ich aus mir mache!

Meine Alkoholabstürze mehrten sich im neuen Jahr, so auch in der Vollmondnacht zum 09. Januar. Am nächsten Tag erfuhr ich durchs Internet, was es mit den tauben Fingern an meiner linken Hand auf sich hat. Ein Ulnarisrinnen-Syndrom, eine Art Nervenentzündung. Es genügt ja nicht schon meine seit November nicht endende Gürtelrose, meine Schmerzen, Panikattacken und der ganze restliche Scheiß, der noch auf mich zukommt.

Kurz rappelte ich mich wieder auf und verlor sehr schnell wieder die Kontrolle… Noch am 16. Januar räumte ich mein Wohnzimmer um und strich eine Wand rot. Ich dachte, die Umstellung würde mir helfen. Jedoch war es nur ein Tropfen im heißen Wüstensand. Und eben, während ich das schreibe, erfahre ich im Chat von Heiko, dass Vollmondnacht ist. Nun weiß ich auch, warum schon wieder diese innere Unruhe in mir herrscht und ich noch nicht, wie in den letzten Tagen auch, schon im Bett bin.

Am 20. Januar kam der verspätete Winter. 20 cm Schnee hatten wir hier auch nicht jedes Jahr. In dieser Nacht erlebte ich mein bisher wohl letztes Glück. Klaus und ich bauten einen Schneemann im Garten. Woher kam diese plötzliche Freude? Jemand schenkte mir nach Tagen von Abstinenz was zum Rauchen…

Ein paar Tage später, schwelgte ich in Kindheitserinnerungen und sah mir alte Videos an, auf denen auch meine verstorbene Mutter zu sehen ist. Es machte mich noch weiter fertig. Alles überschattet vom drohenden Ende der Beziehung zwischen Rene und mir. Und sie kam sehr bald darauf, nach wieder massenhaft verlorenen Tagen. Als ich ihm am Abend des 24. Januar wieder nicht sagen konnte, wie ich zu dieser zerrütteten Beziehung stehe, löschte er gegen 21.45 Uhr kurzerhand unsere Beziehungsverbindung in Facebook. Eigentlich hätte es mir Recht sein sollen. Nur die Umstände, die zu seiner Verzweiflung und zu unserem Ende geführt hatten, verkraftete ich im Nachhinein ganz und gar nicht. Seit Tagen ohne Gras, warf ich mir dann Schmerzmittel ein um den Seelenschmerz zu vergessen und trank dazu Rotwein. Nicht wenig. Es wurden in dieser Nacht und mit dem Telefonat mit Rene etwa drei Flaschen. Und irgendwann verlor ich mein Bewusstsein…

Gegen sechs Uhr morgens kam ich zu mir,  in meinem Bett liegend, während mir jemand immer wieder ins Gesicht haute und mich rüttelte. Als ich bei mir war, konnte ich erkennen, dass Notärzte, Polizisten und Feuerwehrmänner in meiner Wohnung standen. Ich war sehr verwirrt. „Was macht ihr hier? Wie kommt ihr hier rein??“ fragte ich die Menschen verwirrt. „Durch die Tür“ sagte ein Polizeibeamter lächelnd, der mir später auch eine seiner Zigaretten anbot, da ich keine mehr hatte. Im Laufe des Aufklarens und dem Gespräch mit den Beamten stellte sich heraus, dass mein „Partner“, so wie sie sagten, den Notarzt verständigt hatte, da er glaubte, ich liege mit einer Überdosis tot in der Wohnung. Nach etwa einer halben Stunde Gesprächen hatte ich die Leute aus meiner Wohnung und soff weiter. Eigentlich wäre ich in wieder mal in der Psychiatrie Haar gelandet, aber Dank meines geschickten Mundwerks und meiner Ausreden ist das nicht geschehn. Sehr erbost teilte René telefonisch mit, was ich von seiner Aktion halte. Heute wäre ich froh, sie hätten mich für ein paar Wochen in die geschlossene Anstalt gesteckt.  An diesem Tag wurde es sehr kalt.

Mit Dezemberrosen warst Du mein
und bliebst bei mir.
Im Januar-Eis war’n wir allein
mit einem leeren Blatt Papier.

Vier Stunden später erschien ich zu meinem Ersttermin bei einer Psychiaterin in meiner Nähe. Ein Termin, für den ich lange gekämpft hatte. Als sie von meiner Anamnese und dem Geschehnis der letzten Nacht erfuhr, sagte sie nur: „Ich kann ihnen nicht helfen. Sie sind ein Fall für die Klinik.“ Danke Deutschland. Ab Mittag, war Julie bei mir und achtete auf mich. Ich befand mich den ganzen Tag über in einer Art Manie und Depression zugleich. Ich war betrunken, kotzte Blut, hatte schwere Schmerzen und war zwischendurch aufgesetzt lustig. Das ging bis in den späten Abend. Mir ist es bis heute kaum erklärlich, wie Julie meinen Zustand, den sie zum ersten mal, seit wir uns kannten mitbekam, ertragen konnte. Ich war noch etwa drei Tage auf diesen Tabletten „drauf“ und hatte schlimmste Schmerzen, ehe sich mein körperlicher und geistiger Zustand zur „Ruhe“ legte.

Danach wurde diese schier gespenstische Ruhe um mich immer stärker. Und gerade im neuen Jahr, zum Februar, als ich eigentlich dachte, das Schlimmste wäre überstanden, kam der Winter mit vollster Wucht. Nicht etwa wie 2006, sondern mit trügerischem, hässlichen Sonnenschein und eisiger Kälte bei über minus 20°C. Und es kamen Diagnosen von Ärzten…

Seit Ende Januar schreibe ich nun gar nichts mehr in meinem persönlichen Facebook-Profil. Anfangs war es schwierig, aber mit der Zeit wurde meine Abneigung, Dinge zu schreiben, die mich gerade beschäftigen, immer größer. Die derzeitige Wetterlage und die verbundene Kälte sind neben verregneten Sommern das Schlimmste, was ich mir unter „Wetter“ nur vorstellen kann und ziehen mich noch mehr runter. Meine Schmerzen, die oft akut und dann stundenlang auftreten, nehme ich zähneknirschend hin. Ich nehme seit meiner Tablettenintoxikation keinerlei Medizin mehr zu mir. Das Schlimmste an allen Umständen mag wohl meine Depression sein, die so schlimm, wie selten zuvor auf mich einschlägt. Nein, ich sitze nicht zuhause und weine. Ich habe meist keine Tränen mehr. Ich bin stumm und liege solange wie nur möglich im Bett. Nur weil mir das Liegen nach Mittag irgendwann lästig wird, stehe ich irgendwann auf und versuche etappenweise, meinen Haushalt ordentlich zu halten. Ich bin wohl der einzige Mensch mit schweren Depressionen auf dieser Welt, der in einer ordentlichen Umgebung haust. Ich möchte niemanden sehen und wünsche mir ab und an doch, dass bestimmte Menschen nach mir sehen, aber genau DIESE tun es eben nicht. Und ist jemand bei mir, bringe ich oft keinen Ton raus. Selbst mein Kater flüchtet seit Wochen immer wieder ins Bad, weil er meine Laune fühlt. Der Einzige, der WIRKLICH für mich da ist, ist Klaus. Er geht für mich einkaufen, weil ich selbst das nicht mehr schaffe, versucht mir etwas Trost zu spenden, auch wenn es nicht mehr ankommt. Bevor ich zum Briefkasten stürme, vergewissere ich mich, dass kein Nachbar auf den Hausfluren läuft, da mir eine Unterhaltung und vor Allem die Frage „Wie geht’s Dir?“ unangenehm ist. Ich habe an nichts mehr Freude, kaufe mir nun auch kein Gras mehr, weil es meine Stimmung nur noch kurzfristig steigert. Mein Handy ist meist aus oder lautlos. Auf Mails in Facebook antworte ich nur noch, wenn ich sie mal sehe oder mit höchster Unlust. Oder gar nicht. Ich wäre im Moment am liebsten im Koma, bis alles ein Ende hat. Oder zumindest bis diese Kälte weg geht. Sie macht mich noch mehr kaputt. Mein größter Hass, der sich nicht auf Menschen und ihr Tun richtet, richtet sich gegen Kälte und Winter. Denn ich kann dagegen rein gar nichts ausrichten, außer in ein warmes Land zu gehen, aber dafür fehlt mir das Geld. Es wäre ein Traum… Weg hier…

Ich wäre gern verliebt, aber denke im gleichen Atemzug schon wieder daran, wie schnell das enden kann. Ich träume seit Monaten sehr stark und wirr. Und wieder vermehrt von Max. Im wahren Leben hält er mich von sich fern und nachts in meinen Träumen lässt er mich nicht in Ruhe. Es macht mich zusätzlich fertig.

Mein Vater ist ein Ignorant. Vor zwei Wochen schrieb ich ihm zum ersten Mal in meinem Leben aus eigenen Zügen einen ehrlichen, langen Brief und er bleibt: ignorant. Keine Antwort. Ich vermisse meine Mutter.

Jeder Tag ist nur eine Qual. Auch wenn ich weiß, dass ich es im Gegensatz zu vielen anderen Menschen auf der Welt sehr gut habe. Ich sehe es jeden Tag in verschiedensten Nachrichten. Aber das hilft mir nicht. Ich bin appetitlos, leblos und unfähig. Ich warte hier nur noch auf meinen Final Day. Denn ab dann wird alles gut.

08. Februar 2012 - 01.50

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Alles wird gut

Weg ins LichtAlles wird gut, ich glaub daran;
es kann nicht schlimmer werden.
Zu wenig hab ich bisher getan,
für mein Glück hier auf Erden.

Alles wird gut,
ein Wunsch aus reinem Herzen.
Nie wieder Blut!
Nie wieder Schmerzen!

Alles wird gut, nicht nur für mich
wird wieder die Sonne scheinen.
Sie scheint auch bald für Dich
und nicht für irgendeinen.

Alles wird gut, und nimmer für die bösen
Menschen dieser Welt.
Auch uns wird’s Glück sehr bald erlösen,
ohne Materialismus und viel Geld.

Alles wird gut, Du kannst mir glauben.
Blick nach vorn und find Dein Ziel.
Ewig den Verstand ausrauben,
bringt uns leider nicht sehr viel.

Alles wird gut, Du wirst es sehn,
ich spürs, die gute Stunde naht.
Neue Wege werd ich gehn,
verlasse meinen alten Pfad.

10.01.2012 – 21.40

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2011 - A review

20112011 begann anders als die Jahr‘ zuvor,
ohne Sucht und ohne Kater.
Mit Leiden und Humor,
im Gesamten adäquater.

Den anfangs kalten Januar
teilte ich mit großen Schmerzen.
Doch bald schon ward er wunderbar
gar frühlingshaft in meinem Herzen.

Jedoch dann fehlte mir
zu oft mein grüner Freund.
Zu groß war meist die Gier
nach meinem täglich Joint.

Viele Wochen ohne roten Wein
nahmen mir oft die Geduld.
Ohne Joint war ich allein
und suchte überall nach Schuld.

Erste Räusche folgten bald,
ertrank den Kummer und das Leid.
Ein Absturz wie gemalt-
und ganz Facebook wusst Bescheid.

Der Krebs, er konnt mich gut verzehren
bald war an mir fast nichts mehr dran.
Der Februar, er tat’s mir lehren:
Es wird Zeit, der Arzt muss ran!

Zeitnah ward entfernt das böse Tier,
der Märzen strahlte voller Güte.
Auch Balkon und Garten hier;
Geranien trieben erste Blüte.

Der April ward einem Maien gleich
mit bis zu 25° Grad.
Und zudem recht erlebnisreich.
Ich fand den neuen Pfad.

Mit Michi an den Tegernsee
und ne Mitbewohnerin im Haus.
Und was ich jetzt noch seh:
Auch die Wohnung sah bald anders aus.

Im Monat Mai, da kam die Elke
sehr plötzlich ein mein Leben.
wie eine Blume, die nie welke,
wie eines Weines junge Reben.

Wünschte mir nen Schrebergarten
als Rückzugsort für meinen Geist.
Jedoch ich musste lange warten-
bis man mich abweist.

Ein heißer Juni kam geschwind daher,
mit dem Zug nach Rosenheim.
Und als genügte das nicht mehr,
lief ich noch in Franken ein.

Verblieb bei Heiko ein paar Tage,
die schönsten in sechs Jahren,
erinnere ich mich vage,
seit wir Freunde waren.

Mein Geburtstag war so regenreich
und kalt wie nie zuvor.
Er war gar einem Winter gleich,
Graupelmetastasen ,
einer Winterleich‘
krochen an meiner Seele empor.

Kurz drauf, war Passau noch mein Ziel,
ich wollt ihn kennen lernen.
Wohl erhoffte er zu viel.
Und was, steht in den Sternen.

Jerosch kam in den August,
als ich schreiben wollte.
Als die letzte Sommerlust
den Berg hinunter rollte.

Er war ein Weiser,
ganz meiner Seele gleich.
Seine Worte waren leiser,
sein Geist an Wissen reich.

Am End des Monats kam der Bau,
Arbeit ohne Ende.
Mein Chef war eine Frau,
mit ihr spachtelte ich Wände.
Bis der Streit kam, Seelen grau
Der Job, er fand jäh ein Ende.

Nimmer viel gab der Oktober,
die Depression nahm überhand.
Meine Stimmung wurde grober,
egal, in welcher Lage ich mich fand.

Der November wollte besser sein;
das versprach schon sein Beginn.
Ich kroch in XXXXXXs Bett hinein
und fühlte den Gewinn.

Der war jedoch von kurzer Dauer,
ich fühlte seine Kälte.
Es überkam mich alte Trauer,
mit der ich mich einst schon quälte.

In dieser ersehnten Nacht
erreichten mich sehr viele Zeilen
eines Menschen Macht.
Sie mochten mich ereilen,
mein Geist war neu erwacht.

Jedoch die alte Depression
war stark und stur denn je.
Seine Lieb‘ erreicht mich schon,
durch Kälte, Eis und Schnee.

Es waren die Dezemberrosen;
sie beendeten das Jahr.
Wann immer wilde Stürme tosen,
hat René mein Herz, für immer gar.

So ging das recht bewegte Jahr
in turbulentem Schritt.
2012 war schneller da,
als ein neuer Lebensabschnitt.

02.01.2012 – 22.05

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WIR

Borderline LiebeWir haben denselben vernarbten Arm,
und fast die gleichen Qualen.
Wir haben einen ähnlichen Charme
den wir beide ausstrahlen.

Wir tragen außen nicht das gleiche Gesicht,
aber dennoch in unserem Herzen
sind wir geplagt von unsrer Geschicht,
und von ihren Schmerzen.

Wir möchten so viel besser sein,
als diese böse Welt.
Jedoch wir können‘s nicht allein,
auch nicht, wenn die Liebe zählt.

Wir können nicht zusammen,
wenn zu viel Frust vergeht.
Wir zünden neue Flammen,
wenn mal nichts mehr geht.

Wir teilen innere Gedanken,
so tief und so rein.
Und die Reben unsrer Liebe ranken
wie wilder, roter Wein.

Er braucht lange,
bis er trinkbar ist.
Genauso lange,
hat meine Seele Deine Liebe vermisst.

Vielleicht vermiss ich sie schon immer,
in all den vielen Jahren.
Ohne Dich wärs noch viel schlimmer,
die Contenance zu wahren.

Drum bin ich dankbar, dass es Dich gibt
ohne viele Worte,
dass mich EINER liebt,
von der Deinen Sorte.

14.12.2011 – 03.30 für Renè S.

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Sehnsucht

sehnsuchtSehnsucht ist die Stimme in mir.
Sie klingt nach vergangenem Glück.
Sehnsucht ist der Schrei nach Dir.
Aber altes Glück kommt nie zurück.

Sehnsucht ist der Triebe Gier.
Sie schleicht um tausend Stunden
und ist ständig hier.
Wie die Narben meiner Wunden.

Sehnsucht ist mein tiefstes Leid.
Ich trage es seit Jahren.
Sehnsucht ist ein schwarzes Kleid.
Sehnsucht birgt Gefahren.

Alle Sehnsucht dieser Welt
tief in meinem Herzen
ist die Würze, die mich quält,
der Anfang aller Schmerzen.

Sehnsucht möchte Liebe sein
und bringt mir oft den Hass.
Sehnsucht möchte anders sein;
auf Sehnsucht ist Verlass.

Würd meine Sehnsucht Blüten treiben,
blühte sie zum Firmament.
Und sollte sie noch ewig bleiben,
dann würd ich gern dezent
aus diesem Leben scheiden.

Denn Sehnsucht kann so grausam sein
und zugleich wunderschön.
Sehnsucht, sie bleibt immer mein,
wenn wir zwei am Abgrund stehn.

14.12.2011 – 01.38

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Ein ganz normaler Tag I

depressionUnter Schwindelattacken und Brechreiz wache ich auf. Der Wecker zeigt noch nicht mal 5.00 Uhr. Ich lebe… Immer wieder ein Wunder. Vermutlich habe ich am Vorabend mein Alkohol-Limit, welches in den letzten Jahren immer niedriger wurde, stark überschritten. Oder ist es etwa wieder das Herz? Ich messe meinen Blutdruck. 171/110. Ach, das geht sicher wieder vorbei, wieso oft… hoffe ich vor mich hin und setze mich auf die Toilette. Dort überkommt mich dann ein Gefühl, dass ich nicht mehr weiß, ob ich scheißen oder kotzen muss, oder beides gleichzeitig. Ich entschließe mich fürs Kotzen und kann meinen Kopf noch gerade so in die Wanne halten. Die Essensreste meines nächtlichen Fressflashs schwimmen unverdaut in der Badewanne. Etwas Blut ist darunter. Ich trinke kaltes Wasser und versuche, die Badewanne von meinem Mageninhalt zu säubern. Dann muss ich nochmal kotzen. Diesmal kommt nur noch Wasser, Magensäure und ein bisschen Blut hoch. Nun fühlt sich mein Bauchraum an, als wäre ein Loch darin.

Benommen lege ich mich wieder ins Bett und trinke Wasser. Jetzt kommen die Angstzustände. Mein Herz rast, die Hände zittern und liegen in kaltem Schweiß. Ich schalte den Fernseher lauter, um mich von den unliebsamen Symptomen abzulenken. Vielleicht ein Baldriantee… Fröstelnd tapse ich mit eiskalten Füßen in die Küche und koche Wasser auf. Ich sehe einen Spalt durch den Rollladen. Draußen ist es noch dunkel und neblig. Wie auch in den vergangenen Wochen. Ich kann diesen Anblick kaum mehr ertragen.

Nach den ersten beiden Schlucken Tee wird mir nicht wohler, im Gegenteil. Nun steigt mir die Magensäure förmlich bis zum Rachen hoch. Schnell nehme ich eine Omiprazol und trinke die böse, schmerzende Säure wieder in den Magen hinunter, in der Hoffnung, dass sie dort bleibt. Das tut sie aber nicht, denn sobald ich mich flach lege, schwimmt sie wieder zurück. Inzwischen ist es sechs Uhr früh durch. In meiner letzten Verzweiflung baue ich einen Joint, um nochmal einschlafen zu können. Und irgendwann schlafe ich dann doch noch zwei, drei Stunden.

Wohlig und entspannt wache ich auf. Drehe und strecke mich, möchte nicht aufstehen, wünsche mir jetzt jemanden Bestimmten an meine Seite. Kein einziger Schmerz und kein Hauch einer Angst durchfahren meinen Körper. Ich genieße solche Aufwachtage, denn sie sind extrem selten. Im Fernsehen, das oft 24 Stunden meine ängstliche Stille berieselt, wird wieder von Schweinereien in Politik und Weltwirtschaft berichtet, von schweren Unwettern, von Selbstmorden und von dieser wochenlang anhaltenden Wetterphase, die nicht nur mir den letzten Verstand raubt.

Es läutet an meiner Tür. Herzrasen! Panik. Schweiß. Wer klingelt so früh bei mir? Zumal klingeln bei mir unerwünscht ist; im Allgemeinen wird an meiner Türe geklopft. Durch den Türspion erkenne ich einen Paketmann von GLS, jene meist osteuropäischen Typen, die total aufdringlich sind, wenn es darum geht, ein Päckchen loszubekommen. Wütend reiße ich die Türe auf. „Ein Paket für Herrn …. Können sie..?“ „Nein!“ brülle ich ihn an. „Kannst du nicht lesen? Klingeln nur nach Anmeldung! Keine Hausierer, Drücker, Zeugen und auch KEINE Fremdpost!“ lese ich ihm vor und zeige auf den Aufkleber unter meinem Klingelschild. „Aber…“ stottert er. „Nichts aber!“ Leg‘s vor die Türe und lasst mich endlich in Frieden mit euren Scheiß Paketen!“ erwidere ich und knall die Türe zu. Endlich hab ich mal was gesagt…

Wie jeden Tag in den letzten Wochen sitze ich dann betrübt an meinem Schreibtisch und sehe nach, was es bei Facebook neues gibt. Nachdem sich meine körperlichen Symptome etwas zurückgezogen haben, um mich schon bald wieder wie aus dem Nichts attackieren zu können, kommt wieder diese Traurigkeit in mir hoch. Ich sehe von meinem Schreibtisch direkt in diesen grauen November mit seinen toten Bäumen und den gelben Blättern zuhauf. Düstere Zukunftsgedanken, Angst vor dem Tod und die Sehnsucht nach ihm verwirren meinen Geist.

Oft höre ich solche Sätze wie: Schau mal hinaus in die Welt, wie schlecht es anderen Menschen geht. Du hast ein Dach über dem Kopf, hast zu essen und siehst noch gut aus. Aber als ich dann die neuesten Videos von den Fluten sehe, die ganze Dörfer verwüsten, geht es mir auch nicht besser. Ich werde noch depressiver. So schwimmt der Tag, begleitet von leidenden Violinenklängen, an mir vorüber und plötzlich ist der Nachmittag schon fast um und ich war außer im Keller an meiner Waschmaschine noch nicht mal draußen. Gestern auch nicht. Und vorgestern…und…

Klaus kommt vorbei und bringt mir wie so oft in den letzten Wochen meine nötigen Einkäufe oder Dinge aus der Apotheke mit. Ich bin froh, dass ich ihn habe. Sonst wüsste ich kaum jemanden, der das fast täglich für mich tun würde. Wir trinken ein Bier zusammen. Und meist wenn er geht, schließe ich schon die Rollläden. Ab 16.30 ist es schon recht dunkel.

Mein linkes Bein fängt schon wieder höllisch an zu schmerzen. Es fühlt sich oft nur noch wie ein Trum Muskelkater an. In der Angst, ich bekomm bald eine Thrombose, nehme ich eine ASS. Versuche zwischen den Sitzphasen etwas rumzulaufen und den Haushalt zu machen. Aber ich fühle mich so apathisch und träge, dass gerade für drei Teller reicht, die ich abwasche. Ich wünsche mir immer wieder diese beschwingten, guten Tage zurück. Meist ohne Schmerz und Kopfmüll. Meine Reisen nach Rosenheim, Kulmbach, Passau… Ich wünsche mir die Zeit zurück, wo ich abends von der Arbeit kam und mich FREI fühlte. Mein Unmut wird noch größer und ich trinke das Bier schneller aus, wechsle zum Rotwein.

Nun wird der Vehnenschmerz im Bein so unerträglich, dass ich nicht mehr normal sitzen kann. Ich stütze es auf einem Hocker ab oder suche ständig eine Tätigkeit, die mich zum Laufen animiert. Ich halte das nicht mehr aus. Nach ein paar Tütchen tritt endlich der gewünschte Appetit ein und ich wärme mir das Essen auf, das Klaus mitgebracht hat. Es füllt das große Loch, das ich mir heute Morgen in den Magen gekotzt hab. Aber es dauert keine Stunde, da vergesse ich die Beinschmerzen schnell, denn jetzt fangen Magen und Darm an, zu rebellieren. Säure steigt wieder auf, die ich wieder mit einem Magenmittel versuche, zu bekämpfen. Mein Darm windet sich vor Schmerz und stößt dabei so viel Luft aus, dass ich damit ein Fußballstadion füllen und vergasen könnte.

Dieser Tag inklusive dem Abend war wieder mal so grauenvoll und sinnlos, dass ich mich um 22.00 schon zu Bett lege. Nun fängt das linke Bein erst recht zu pochen an. Ich lege ein paar Kissen darunter und wälze mich stundenlang hin und her, ehe ich nach ein paar sauren Gläsern Wein und ein paar Tüten endlich weg bin…

Ich schrecke unter Atemnot auf und sitzeschweißgebadet im Bett. Schnappe und japse nach Luft. Genau im Übergang von der Einschlaf- zur Traumphase, zumindest kam es mir so vor, muss ich wieder mal das Atmen vergessen haben. Ich weiß nicht, was das ist. Herzrasen. Kurz vor zwei. Ich betäube die Angst mit Rotwein und schlafe irgendwann ein, in der Hoffnung, dass das nicht gleich nochmal geschieht. Bitte lass mich sterben, aber lass es mich nicht mitbekommen, denke ich tief in mir…

Und wieder beginnt ein ganz normaler Tag.

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Ein Tag Leben

EinklangDie letzten Wochen wurden durch meine Apathie immer unerträglicher, schmerzhafter und zurückgezogener. Bis ich am letzten Wochenende zum Umdenken kam. „So wie es jetzt ist, endet es in einer Katastrophe.“ Ich stellte ab Montag, Dienstag und Mittwoch einige schlechte Gewohnheiten wie das Rauchen und das „Rauchen“ abrupt ein, nahm meinen Behandlungstermin in der Kieferchirurgie wahr und bemerkte eine allgemeine, sehr plötzliche Besserung. Alkohol trinke ich kaum mehr, ein oder zwei Gläser Wein in den Abendstunden.

Herzrasen, Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Verwirrtheit, Schwindel, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Zittern, Schmerzen an fast allen Organen und in der Motorik, Schweißausbrüche, Paranoia, Panik… All‘ diese Symptome, die mich oft Tag und Nacht, manchmal über viele Stunden schier wahnsinnig machten und meinem Leben jegliche Qualität entzogen, schienen plötzlich nach und nach im Nichts zu verschwinden. Vielleicht ist es auch das Medikament Opipramol, welches ich seit Montag zwei Mal täglich einnehme. Aber das sollte laut Ärztin sehr schwach sein und erst nach einigen Wochen zur Besserung führen. Mit Sicherheit auch mein nun vehementes Entgegenwirken, um dieser Krankheit kein Terrain zu bieten. Wer mich aber länger kennt, weiß, dass diese positiven, glücklichen Phasen leider meist nur von kurzer Dauer waren und mich oft schon am folgenden Tag eine grauenvolle Depression oder eine andere Sauerei heimsuchten und das einstige, kurze Glück in einem traurigen Nachhall verstummte.

Donnerstag, 16.06.11. Um halb sieben wache ich auf. Im Fernsehen wird über „Cyberwar“ und die verheerenden Ursachen berichtet. Als wüsste ich nicht schon seit Jahren, dass Bomben und Zerstörung künftig Out sind und viel zu viel Geld verschlingen. Genervt drehe ich mich wieder um. Nein! So darf ein Morgen nicht beginnen. Wie von einer inneren Stimme getrieben, stehe ich auf, schalte den TV aus und tausche Horrormeldungen gegen heitere Musik, schwinge mich unter die Dusche und hab das überirdische Verlangen, etwas zu tun, was ich lange nicht freiwillig tat. Zugfahren. Tapetenwechsel.

Meine Laune wird immer besser und ich bin selbst etwas erstaunt, wie selbstverständlich heute alles funktioniert, ohne einen einzigen Gedanken, mein Vorhaben wegen irgendwelchen wirren Gedanken hinauszuzögern oder gänzlich zu canceln. Teilweise fühle ich mich, als wär ich gar nicht mehr ich. Ich bin weiterhin rauchfrei, bis auf vielleicht ein oder zwei Ausnahmen in den späten Abendstunden und dann rauche ich dann auf dem Balkon. Kurz nach acht verlasse ich das Haus, nachdem ich die restlichen drei Zigaretten aus der Schachtel ins Klo kippe und beschließe, erst gar keine mitzunehmen. Als würde ich es jeden Tag tun, setze ich mich in den Bus und steige am Laimer Platz in die U Bahn um. So unwohl ist mir gar nicht; die Bahn ist nicht überfüllt. Am Bahnhof wird die Situation unwohler, aber ich blende die Menschen aus und konzentriere mich auf den Fahrkartenautomaten und die Suche nach dem Gleis. Exakt, eine Minute vor Abfahrt erwische ich den Zug. Nach Rosenheim.

Eigentlich war ich nur zwei Mal in Rosenheim. Im September 2006 mit Max und danach allein aus Verzweiflung. Und nie nüchtern. Elke, die ich kürzlich kennengelernt hatte, lebt auch dort und vielleicht freut sie sich, wenn ich mich überraschend melde.

Ich finde einen Platz vor zwei Mittfünfzigern, die ihrem Gespräch nach zu urteilen das erste Mal in die Berge fahren. Auch während der Fahrt weichen die Klänge aus dem MP3 Player nicht von meinen Ohren. Ich lese in Albert Camus‘ „Weder Opfer noch Henker“ und genieße den Ausblick auf die grünen Weiden und die Alpen. Nach ca. anderthalb Stunden erreicht der Zug Rosenheim. Als ich auf dem Podium des Bahnhofsausgangs stehe, sehe ich alte Bilder vor meinen Augen. Ich sehe Max und eine Amarettoflasche in meiner Hand. Ich wische mir diese Bilder von den Augen und gehe zielstrebig Richtung Innenstadt. Als ich an einer Apotheke vorbeikomme, sehe ich wieder diese Bilder und mache Halt. Da saß ich mal, vor fünf Jahren mit meiner Flasche Amaretto, nach einem Streit mit Max. Wieder schiebe ich diese Bilder beiseite, gehe weiter und beginne zu schwitzen. Es war ungünstig, bei dieser Schwüle meine lange Hose und das ebenso schwarze Shirt zu tragen. Ich wollte sowieso ein paar Sommerklamotten kaufen und sah mich in einigen Läden um. In einem Bekleidungsgeschäft probiere ich schließlich drei verschiedene Hosengrößen, ehe sich die letzte mit Größe 46 ohne zu rutschen an meine Hüften schmiegt. Sie ist rot-weiß-grau kariert, nicht wie sonst in eintönigem schwarz oder weiß. Auch lasse ich mich von einem Verkäufer beraten, was ich die Jahre zuvor immer gemieden hatte. Als ich dann auch noch ein paar Stoffschuhe finde, bin ich zufrieden und setze meinen Stadtbummel fort. Sehr lange liegt der letzte Tag zurück, an dem ich ein so unglaublich großes Glück empfand. Und das ohne jegliche Suchtmittel, ohne Alkohol und sogar ohne eine einzige Zigarette. Dafür kaue ich Kaugummis, bis mir davon schlecht wird.

Mittags lasse ich mich in einem Park nieder, der mit sämtlichen Rosenarten und Kräutern bepflanzt ist. Ich beobachte die wenigen Menschen, die ebenso darin herumlaufen und ich fühle keinen Hass, wie ich das sonst tue. Ich lasse sie ebenso gewähren wie ich mich. Später sitze ich in der Fußgängerzone in einem italienischen Straßencafe, bestelle mir eine heiße Schokolade und einen Tomate-Mozzarella Teller, lese in meinem Buch und genieße jede Sekunde dieses Lebens, was mir sonst nahezu täglich verwehrt war. Es fühlt sich an, wie wenn ich nach zehn Jahren Knast das Leben wieder spüren darf.

Kurze Zeit später stößt Elke dazu, nachdem sie sich vergewissern musste, dass da kein Teen sitzt, sondern der andere John. Das war wirklich eine sehr lustige Begrüßung. Sie bestellt sich eine Cola und erzählt von ihrem zeitausfüllenden Tag. Elke ist zwar verabredet, freut sich aber über die Überraschung und gönnt uns anderthalb Stunden Zeit miteinander. Wir fahren zum Simssee, sitzen auf einer Bank und ratschen. Sie fragt mich, wie ich mich fühle. Ich kann mit gutem Gewissen „Bestens!“ antworten.

Später, als sie zu ihrer Verabredung fährt, setzt sie mich in Rosenheim ab und ich schlendere nochmal durch die kleinen, vertrauten Gassen und besuche ein Straßencafe, trinke Mangosaft. Ein kurzer Gewitteraschauer zieht auf; die Leute laufen schneller, stellen sich unter, verlieren sich. Ich sitze da und atme diese Mischung aus schwüler und feuchter Luft ein. Diesen Geruch von heißem, nassem Asphaltboden. Es grummelt bald von allen Seiten und es sieht nicht wirklich danach aus, als ob sich die Sonne nochmal blicken lasse. Während ich die Wolken und ihre Zugbahn betrachte, vermute ich, dass in München noch bestes Wetter herrscht und entschließe mich kurzerhand, zurück zufahren.

Und tatsächlich fährt der Regionalexpress vom Regen in die Sonne Münchens. Nein, ich mag die Stadt immer noch nicht (nicht mehr) und ich kämpfe mich durch die Menschenmassen zur U Bahn. Am Laimer Platz sehe ich in einer Boutique wieder diese abstrakte Uhr, die mir im März schon gefiel. „Irgendwann kauf ich sie mir!“ hatte ich damals gesagt. Und ich kaufe sie. Die Verkäuferin ist sehr freundlich und gibt auf meine Anfrage sogar ein paar Euro Rabatt. Frohen Mutes nehme ich den nächsten Bus und fahre nach Hause. Im Garten sitzen Klaus, Udo und Michi. Ich geselle mich etwas dazu. Ein vorbeiziehender Gewittersturm und ein Besuch von Michi und Dennis runden diesen einen glücklichsten aller Tage ab. Zufrieden schlafe ich ein und hoffe, dass dieses Glück nie enden möge.

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