Ich vermisse

marioIch vermiss Deinen Atem,
Der nachts zu mir spricht,
Und den blauen Glanz
Aus Deinem Augenlicht.

Ich vermisse die Ruhe,
Die Du mir gibst;
Und das Prickeln,
Wenn Du mich liebst.

Ich vermisse die Orte,
An denen wir waren.
Und Deine Worte;
Die Worte, die Klaren.

Ich vermiss diese Blüte,
Die einem Frühling gleicht.
Ich vermiss Deine Güte,
Die um mein Herz herschleicht.

Ich vermiss nicht die Sehnsucht.
Die Sehnsucht nach Dir.
Ich vermiss sie so lang nicht,
Bis Du vor meiner Tür…

(Für Super-Mario)

24.08.2015- 20.30

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Der Mond hat gelacht

MondIch sah zu den Sternen
Und fragte den Mond
Ob das Leben zu lernen
Sich für mich noch lohnt.

Ich schrie in den Himmel
In tief dunkler Nacht
Es kam keine Antwort
Der Mond hat gelacht.

So zog ich von dannen
Der Weg war mir schwer
Das Rauschen der Tannen
Hör ich nicht mehr.

Die Arie des Lebens
Auch sie bleibt mir stumm
Ich such sie vergebens
Ich suche mich dumm.

Ich dreh mich im Kreis
Bei Tag und bei Nacht
Und zahle den Preis
Der Mond hat gelacht.

29.03.2015-00.28

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Jedes Mal, wenn ich Dich seh

liebeskummerJedes Mal, wenn ich Dich seh
Pulsiert mein Blut bis in den Hals
Schießt Adrenalin durch meine Adern
Umschleicht mich edler Schwindel.

Jedes Mal, wenn ich Dich seh
Schmückst Du meine Welt mit bunten Farben
Wehst wie ein Frühlingswind
Durch meine Glieder.

Jedes mal
Bist Du Rausch
Verzweiflung
Und tiefe Sehnsucht.

Eine Sehnsucht
Die nie vergeht
Mit jedem Jahr
Noch stärker weht.

Jedes Mal, wenn ich Dich seh
Bleibt ein Teil von Dir
In meinen Träumen.

17.03.2015 - 23.16

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Kindheit, Jugend, Herbst und Winter

5vor121Ein Frühling voller Kindheitstage
Kühl, verregnet, grauenvoll.
Kindheit war die reinste Plage
Ein Frühling in H-Moll.

Der Sommer wollte besser sein
Die Jugend in C-Dur.
Liebe, Sex und roten Wein
Lebenslust und Freude pur.

Eines Tags bemerkte ich:
Mein Sommer wird zu heiß.
Und als er just dem Winter glich
Lag ich tot in kaltem Schweiß.

Viele Blätter sind gefallen
Sommerfarben sind verblichen.
Mein Herbst zeigt seine Krallen
Die Jugend ist verstrichen.

Auf die viel zu heißen Sommertage
Folgt ein Herbst der Ewigkeit.
Ich weiß nicht, ob ich ihn ertrage.
Es hat auch schon geschneit…

Der Winter steht vor meiner Tür.
Er wird kurz und heftig sein.
Jede Flocke, die ich spür
Bringt mir Schmerz und Pein.

Ich wünschte ein paar Sommerstunden
Inmitten des Novemberblues
Etwas Heil für meine Wunden
Vom Sommer nur ein kleiner Gruß.

Stattdessen wart ich weiter
Auf die dunkle Winterzeit.
Aus meinen Wunden quillt der Eiter
Zum Sterben bin ich nicht bereit.

18.02.2014 – 17.14

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Traum aus Holz

holzherzMir ist bewusst, mir geht es gut;
Ich dürfte gar nicht klagen.
Doch in mir herrscht eine Wut,
Und tausend alte Fragen.

Jeden Tag aufs Neue
Zeigt das Schicksal mir,
Auf was ich mich auch freue,
Es bleibt nicht lange hier.

Ob die Gründe nun bei mir
Oder einem andren liegen,
Bevor ich explodier,
Bleibe ich gediegen,
Trinke sieben Bier
Und möchte zu Dir fliegen.

Doch Du bist nicht hier…

Jeden Tag aufs Neue
Zeigt das Schicksal voller Stolz:
Auf was ich mich auch freue;
Es bleibt ein Traum aus Holz.

06.12.2013 – 23.32

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Der Glanz aus alten Kindertagen

salvador-dali-zerrinnende-uhrDer Glanz aus alten Kindertagen,
Alle Freuden dieser Welt,
Geborgenheit und Wohlbehagen,
Was dem Herz gefällt,
Zerfällt.

Keine dieser Menschenlüste
Spricht heut mehr zu Dir.
Du lebst in einer Seelenwüste
Aus Sehnsucht, Hass und Gier.

Selt’ne Tage jedoch scheinen
Wie ein Déjà-vu.
Fast möchtest Du dann meinen,
Dass ein neuer Frühling blüh.

Dein Glück ist gleichwohl nie von Dauer,
Oft nach Stunden schon zerstört.
Liegt tot an einer grauen Mauer,
Hat Dir nie gehört.

Ein wenig Hoffnung ist geblieben,
Dass der Glanz Dich neu berührt
Und Deinem Seelenfrieden
Ein neues Feuer schürt.

18.08.2013 – 21.15

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Schlacht in der Nacht

dunkelheitDer Wein schmeckt mir bitter
Und angstvoll die Nacht.
Auch heut kein Gewitter,
Doch in mir die Schlacht.

Die Schlacht um mein Leben;
Ich will es zurück!
Nichts kann mir mehr geben,
Als mein altes Glück.

Ich hatte verlernt,
Mir das Glück einzuteilen.
Dann hatt sich’s entfernt
Und bleibt fern – einstweilen.

Doch ich hol es mir wieder
Und sei’s durch den Tod.
Dann verklingen die Lieder
Um Sehnsucht und Not.

08.08.2013 – 19.09

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Du holdes Glück

glückWie oft schon schienst Du nah bei mir,
Du holdes Glück der Welt?
Ein jedes Mal vertraut‘ ich Dir;
Dann hatte sich herausgestellt,
Dass ich Dich wieder mal verlier.

Wo ist es hin, das Hochgefühl
Vergangen alter Tage?
War es nur ein Jugendspiel,
Das im Herzen noch ich trage?

Ich dürft‘ mich nicht beschweren,
Im Grunde geht’s mir gut.
Muss nicht am Hunger zehren
Und hab gesundes Blut.

Jedoch, mir fehlt der alte Trank
Aus dem Kelch des Lebens.
Meine Seele fühlt sich krank
Und Hoffnung ist vergebens.

So sag mir doch, was soll ich tun,
Dass Du kehrst zurück?
Ich werd nicht eher ruhn,
Bis ich mit Dir vereint, mein Glück!

10.07.2013 – 19.57

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Sommernacht

Juni 2013Wie lange war ich gezwungen, diese lauen Sommerabende zu missen.
Grillen und Zikaden geben ihr Abendkonzert.
Aus Hinterhöfen und Biergärten dringt fröhliches Gelächter.
Der Duft von griechischen Speisen vermischt sich mit thailändischen und Gegrilltem
und liegt schwer in der schwülen Abendluft.

Einzelne Menschenpaare schlendern Hand in Hand durch den späten Abend
und genießen ihr Zusammensein.
Alles fühlt sich plötzlich so frei an.
Wie ein Déjà-vu.
Erinnerungen an die Kindheit.

Der warme Abendwind umströmt mein Gesicht,
ganz zart,
schier wie das Streicheln einer Mutter,
und ich vergesse für kurze Momente
die Grauen der Vergangenheit.

Ich biege in meine Straße ein und mir erscheint eine Sternschnuppe.
Tief in meinem Herzen äußere ich nur einen Wunsch.
Ich wünsche mir Dich.
Dich, unter den vielen Tausend, in dieser von Gier und Lügen zerfressenen Welt.

16.06.13- 00.40

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Abends, wenn der Vorhang fällt

dunkelheitAbends, wenn der Vorhang fällt
Und die Sehnsucht mich erstickt
Abends, wenn die Wut mich quält
Und die Uhr beständig tickt

Abends, wenn ich an Dich denke
Und mein Herz am Bluten ist
Wenn ich meinen Geist ertränke,
Der an meiner Seele frisst

Abends kommt die Dunkelheit
Und mit ihr mein Zerfall.
Abends kommt die Einsamkeit,
Denn sie ist überall.

Abends, wenn der Vorhang fällt,
Möchte ich nicht sein.
Denn in dieser grauen Welt
Bleib ich stets allein.

11.04.2013 – 23.03

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Ich vermisse

HerzIch vermisse Deine Augen
Deinen Kuss auf meinen Lippen,
Nachts an Deiner Schönheit saugen,
Und dabei schier auszuflippen.

Ich vermisse Deine Ruhe,
Die Du abendlich mir schenkst.
Alles, was ich täglich tue,
Du mit Deinem Herzen lenkst.

Wie vermiss ich Deinen Anmut,
Deine göttliche Figur…?
Das Meiste, was mir gut tut,
begründet ist in Dir.

Nur ein einz’ger Tag
Ohne Deine Nähe,
Ist ein Tag,
Den ich nicht mag,
Weil ich nicht sähe,
An wem mein Herz erlag.

16.02.2013-23.20

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Geschützt: Ich habe gelebt

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Zaubergarten

Zaubergarten

Die Nacht lässt mich nimmer schlafen,
Der Tag denkt nur an Dich.
Seit wir uns einst trafen,
Lieb ich Dich inniglich.

Deine Wärme und Liebe
Als ich bei Dir war,
Deine jungen Triebe,
Dein einsames Jahr,

All Deine faulen Früchte
Und neuen Blüten
Erwecken Sehnsüchte,
Die möcht ich behüten.

Ich wünscht mir so sehr,
Dass wir uns wiedersehn.
Es wär mir eine große Ehr‘
Den Weg mit Dir zu gehn.

Nahezu ein Traum,
Wärs, Du entscheidest Dich
Alleine nur für mich.
Noch halt ich mich im Zaum
Und hoffe auf Dein grünes Licht.

27.05.2012 - 18.00

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Liebe

liebeLiebe war ein schönes Wort,
Das den Schmerz mit Freuden teilte.
Liebe war an jedem Ort,
Den mein Leben einst ereilte.

Liebe war mir dreizehn Jahr
Zwar Mythos, doch nie fern.
Liebe war stets wunderbar.
Die Liebe hatt ich gern.

Doch seit ein‘gen Jahren nun
Hat die Liebe sich entfernt.
Flirten, Buhlen, all das Tun
Scheint mir wie verlernt.

Fast schon einer Sehnsucht gleich
Wirkt die Liebe heut auf mich.
Ein Wort, so ausgezehrt und bleich,
War einst glanzvoll, inniglich.

Heut gewährt die Liebe Stunden,
Mit Glück, mir ein paar Wochen.
Kaum dabei, sie zu erkunden,
War mein Herz erneut gebrochen.

Nachts im Traum ist mir die Liebe
Gar flüchtiges Theaterspiel.
Ach, wenn sie mir doch nur bliebe!
Wär der ew‘ge Schlaf mein Ziel.

04. Mai 2012 - 18.20

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Nachts wenn

nachtsNachts, wenn ich die Waffen lade,
Mit welchen ich mich niederstrecke
Wenn ich nachts in Schmerzen bade,
Salz aus meinen Wunden lecke

Wenn der Schmerz nachts in mir schreit
Und ich wütend um mich schlage
Wenn Gift die Apathie befreit
Die ich nicht mehr ertrage

Nachts, wenn Nachtigallen rufen
Und die Sterne schweigen
Wenn ich nachts die letzten Stufen
Meines Tages muss besteigen

Wenn des Nachts die Sehnsucht nagt
Und wieder ich dem Tod entronnen
Wenn eine Pein die andre jagt
Und der Kummer hat gewonnen

Nachts, wenn Ängste Blüten treiben
Bis der Wahn mein Hirn zerfrisst
Wenn des Nachts die Fürchte bleiben
Und der Morgen sie vergisst

Wenn ich wach lieg bis zum Morgen
Und mir wünscht, nicht mehr zu leben
Wenn ich zähle all die Sorgen,
Und dran denke aufzugeben

Dann bleibt mir nur noch der Glaube
Dass ein wenig Hoffnung bleibt
Und aus diesem grauem Staube
Ein neues Leben Blüten treibt.

04.04.2012 – 17.30 - 20.42

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Sehnsucht

sehnsuchtSehnsucht ist die Stimme in mir.
Sie klingt nach vergangenem Glück.
Sehnsucht ist der Schrei nach Dir.
Aber altes Glück kommt nie zurück.

Sehnsucht ist der Triebe Gier.
Sie schleicht um tausend Stunden
und ist ständig hier.
Wie die Narben meiner Wunden.

Sehnsucht ist mein tiefstes Leid.
Ich trage es seit Jahren.
Sehnsucht ist ein schwarzes Kleid.
Sehnsucht birgt Gefahren.

Alle Sehnsucht dieser Welt
tief in meinem Herzen
ist die Würze, die mich quält,
der Anfang aller Schmerzen.

Sehnsucht möchte Liebe sein
und bringt mir oft den Hass.
Sehnsucht möchte anders sein;
auf Sehnsucht ist Verlass.

Würd meine Sehnsucht Blüten treiben,
blühte sie zum Firmament.
Und sollte sie noch ewig bleiben,
dann würd ich gern dezent
aus diesem Leben scheiden.

Denn Sehnsucht kann so grausam sein
und zugleich wunderschön.
Sehnsucht, sie bleibt immer mein,
wenn wir zwei am Abgrund stehn.

14.12.2011 – 01.38

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Mein Traum

sommernachtsliebeWar es nur ein Traum?
Oder die Phantasie in mir?
Ich glaub es kaum,
denn mein Shirt riecht noch nach Dir.

Alles erinnert heut wieder an Dich,
egal, wohin ich gehe.
Die letzte Nacht war inniglich.
Ich vermiss(t)e Deine Nähe.

Und wärs mein letzter Traum gewesen,
Dir noch einmal nah zu sein,
hast Du ihn aus meinen Augen gelesen,
mit Deinen Küssen, süßer als Wein.

Mir ist bewusst, es wär Dir Recht,
ich würd die Nacht vergessen.
Doch mein Gefühl ist echt:
Ich bin von ihr besessen.

20.11.2011-15.50/16.30

John

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In meiner Stube

In meiner Stube ganz allein,
lausch ich klassischer Musik.
Trinke sehr viel roten Wein,
bis unterm Tisch ich lieg.

Weißt Du was von Einsamkeit,
während Du mit Freunden trinkst?
Ich wünsch Dir niemals diese Zeit,
wo Du darin versinkst.

Abendlich stell ich mir Fragen,
warum das Leben mich so ätzt.
Warum muss ich’s ertragen?
Mein Lachen ist nur aufgesetzt.

Ich hab jetzt definitiv genug
von dieser immergleichen Scheiße!
Mein Leben war nur Lug und Trug -
ich schick’s jetzt auf die Reise.

Ich hoffe sehr, es kommt dort an,
wo ich hingehöre,
bevor ich irgendwann
noch mehr davon zerstöre.

(18.09.11 - 00:25)

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Sommernachtsliebe

sommernachtsliebeIn jener klaren Sommernacht
war’s bald um uns geschehn.
Du hast mein Herz verrückt gemacht;
Ich möcht‘ Dich wieder sehn.

Der Glanz in deinen Augen sprach
aus vielen tausend Bänden.
Und auf dem Weg zum Schlafgemach
nahmst Du mich an den Händen.

Es folgten Küsse, noch süßer als Wein,
bis zu den Morgenstunden.
Und noch eh uns weckte der Sonnenschein,
hab ich Dein Herz gefunden.

Eng umschlungen und schier vereint
begrüßten wir den Morgen.
Ich sah Dein Gesicht im Lichterschein
und fühlte mich geborgen.

Komm wieder, wenn Du Sehnsucht spürst,
nach diesen traumhaft Stunden.
Ich lieb‘ es, wenn Du mich verführst,
Deine Liebe zu erkunden.

(17.08.2011 – 22.45)

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Atemlos

urlMeine noch vor kurzem noch so neue, strahlende Fassade ist abgefallen. Zum Vorschein kommen alte Ernüchterung, Farblosigkeit, Unmut. Nichts hast du geschafft, John.  Wie gern wär ich einer von denen, die nichts darauf geben, was andere von ihnen halten oder über sie denken. Wie gern wär ich einer, der ohne den ständigen Input von außen leben kann. So einer bin ich aber nicht.

Alles schien mir bis vor wenigen Wochen noch so neu und glückbringend. Neugierig tastete ich mich an neue Wagnisse heran, dankbar trank ich Säfte des Lebens, die mir in den Jahren zuvor sehr bitter geschmeckt hatten. Ein leuchtender Stern hing über mir und begleitete mich in vielen Situationen, die ich über Jahre gemieden hatte. Keine Manie war es, auch wenn es so aussah. Es war über einige Wochen und Monate eine gesunde Einstellung zum Leben. Ich weiß nicht genau, woher ich sie nahm. Keine stimmungszerfetzenden Vollräusche mehr, keine unfairen Anfeindungen, kaum ein Windhauch einer Depression, ja sogar auf Menschen ging ich wieder zu und konnte einige Zeit des Tages unter ihnen verweilen. Ich besuchte Straßencafés, Schwimmbäder, reiste mit der Bahn und einige Male sogar mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und ich übernachtete sogar bei einer fremden Familie. Es war ein sehr positives Erlebnis. Jeweils ohne berauschende Mittel wie etwa Alkohol oder Gras. Durch Fußgängerzonen deutscher Städte war ich geschlendert und genoss den Trank meines Leben2.0.

Ich klärte meinen gesundheitlichen Krisen nach und nach ab, war sogar bereit, wegen meiner „Psychischen Krisen“ wieder eine Therapie zu beginnen. Alsbald flammte dann auch ein ungeheurer Drang in mir auf, wieder arbeitsfähig zu sein zu können und eine Art Tagesstruktur zu erleben. Freiwillig kämpfte ich mich zu Arbeitsagenturen, Ärzten, Krankenhäusern, konnte meine Termine fast immer wahrnehmen und schrieb sogar wieder an meinem Buch. Viele Wochen gemäßigten Klimas ließ ich über mich ergehen, auch Tage auf Zehen schleichend, ohne dass sich meine kindische Seele vor Schmerz windete. Das pralle Leben, welches ich zumeist auf meinen Städtereisen erleben durfte, entschädigte die mäßigen und monotonen Phasen. Dann erlebte ich romantische Wälder, in die die Hörner Eichendorffs bliesen und die linde Schalmei Mörikes über die Wiesen hallen. Aber je mehr Ruhe mir entgegenkam, umso mehr schwoll, rührte und wogte es sich in mir. Und allmählich verwandelte sich die einst so blasse, sentimentale Sehnsucht  nach Leben in tiefe, unmenschliche Unrast, ein ungeduldiges, suchendes Ergriffensein meines gesamten Wesens, das immer etwas anderes, etwas Wesentlicheres wollte, das eines von jenen ist, welches eine mehrmalige Pubertät hat, ein immer Neubeginnen der Jugend.

Und doch ruhte da immer noch jenes grauenvolle, schwarze Loch in meiner Seele, jene tickende Zeitbombe, für deren Explosion schon der sanfte Flügelzug eines Schmetterlings ausreichte. Warum so etwas, wenn auch viel seltener und in größeren Abständen, immer noch mit mir geschieht, vermag ich nicht recht zu erklären. Sind es die tristen Regentage, die mich an mein Zuhause gefesselt zum Nichtstun verdammen? Ist es die stark gefühlte Abneigung einiger mir wichtiger Menschen gegen mich? Ist es der stetige Rückblick in mein chaotisches Leben, das mir vielleicht besser gefiel? Oder etwa der Umstand, dass ich seit bald zwei Jahren ein Singleleben lebe, welches mir absolut verdrießlich und grauenvoll ist? An meiner äußeren Erscheinung liegt es nicht. Aber wohl am Alter. Mit 25 Jahren war es noch nicht primär, wie ich aussehe, heute mit 32 fühle ich mich ausgemustert, und das, obwohl man mich äußerlich kaum älter als 25 Jahre vermutet. Und auch mit 32 Jahren bin ich noch nicht am Ziel. Weil ich weiß und immer wusste, dass ich kein Einheitliches bin, dass nicht etwa eine oder zwei, sondern tausende Seelen in meiner Brust wohnen; der sanfte Mitbürger und der wilde Wolf, der Asket und der Sinnesgierige, der Sternensucher und der Kriminelle, der milde Schwärmer und der derbschlächtige Abenteurer, der neurotische Selbstquäler und der unersättliche Genießer. Einsam, feindlich und ungerecht stehe ich gegen dieses Leben; aber nicht hasserfüllt anklagend, sondern leidend als zerrissener Sonderling, die Fetzen meines Wesens in seinem lärmenden Sturme flattern lassend, der Meinung, dass der Mensch, der in ihm zu triumphieren hoffte, von ihm vollends zerstört wird. Und in diesem Untergang fühle ich noch einmal alle Seligkeit und alle Qual dieses versinkenden Menschen, der zum Idealen strebt, am bürgerlich-ordnungsmäßigen klebt, wie einer meiner Art sich selbst und alles andere zerbrüllt und zerbeißt, sich nach Ewigkeit sehnt und an süßen Sinnlichkeiten sich entzückt.

Seit meinem Ausbruch am letzten Freitag, der sich in Alkoholrausch, lauter Musik, ungeheurer Zerstörungswut und persönlichen Angriffen anderen gegenüber äußerte, sind diese farbenprächtigen, warmen Bilder der Monate zuvor grau und verschwommen; Eichendorffs Hörner sind verstummt, und der Stern, der mich stetig begleitete, ist gefallen. Es entlud sich mit einer schier hemmungslosen Brutalität und Heftigkeit meine Angst und mein Zorn, Wut und Melancholie und die verzweiflungsvoll klare Einsicht in meinen Seelenzustand. Atemlos sitze ich vor mir und kann mein Ebenbild nicht mehr erkennen. Es wirkt auf mich fremd und verschwommen, als hätt‘ der Herbst die Farben des Sommers genommen. Meine guten Vorsätze sind nicht gegangen; sie sind jetzt nur sehr fern. Der Weg zu meinen Zielen ist weiter geworden. Einige Tage nach meiner Seelenexplosion fiel ich in einen Dämmerzustand und in eine unglaubliche Scham über diese vielen schlechten Seelen in mir. Ich bin auch maßlos traurig darüber, dass man meinen Verhaltensweisen nachsagt, sie seien der Grund dafür, dass einige bestimmte Menschen, die mir noch heute wichtig sind, mit mir nichts mehr zu tun haben wollen würden. Und bei jeder falschen Reaktion, und sei sie noch so menschlich und nachvollziehbar, heißt es dann: Ja, typisch Borderliner. SO sind sie eben. Allein dieser Gedanke raubt mir meinen letzten Verstand.

Manchmal wünsche ich mir, ein Mensch steht da vor mir, der meine Fesseln löst und mich an der Hand nimmt, mit ins Leben. In dieses pralle Leben, von dem die Menschen immer so erfreut berichten. Dieses Leben, welches ich immer nur so kurz leben darf. Immer wieder falle ich in das Loch dieser unerträglichen Angst und Lethargie und weiß nicht, wie ich mich daraus befreien soll.

“Mein Leben war mühsam, irrläufig und unglücklich gewesen, es führte zu Verzicht und Verneinung, es war bitter vom Schicksalssalz alles Menschentums, aber es war stolz und reich gewesen, auch noch im Elend ein Königsleben! Möchte das Stückchen Weges bis zum Untergang vollends noch so kläglich vertan werden, der Kern dieses Lebens war edel, es hatte Gesicht und Rasse, es ging nicht um Pfennige, es ging um Sterne.”

(Hermann Hesse, 1927)

John

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