Geistiger Tod

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kill meDas Jahr 2012 begann beschissen. Wobei ich unsere gemeinsame Silvesterfeier noch zum letzten Jahr zähle. Es war trotz einiger widerer Umstände ein sehr gutes Jahr 2011. Und Anfang Januar kamen schon die ersten Katastrophen. Die Wirtschaftskrise traf auch mich. Keine Aufträge mehr, überhöhte Preise, mein Graskonsum stieg schon seit einem Jahr bis ins Unermessliche. Dazu die vertrackte Lage mit René, dem ich durch mein Geständnis, dass es mit uns nicht klappen werde, nicht weh tun wollte. Ich hatte schon im letzten Jahr das böse Omen, dass 2012 das Jahr der Trennungen sein wird. Und René sollte nicht die einzige Trennung sein.

Auch Elke, jene Frau, die ich im Mai letzten Jahres kennen gelernt hatte und die mir das Jahr über viel Kraft gab, entfernte sich zum Ende des Jahres immer mehr von mir. Alles begann, als sie am 3. Advent zu Besuch kam und ebenso schnell wieder verschwand, weil eine Graswolke in der Wohnung stand, die sie nicht vertrug. Nach diesem Katastrophenabend war alles nicht mehr wie vorher zwischen uns. Danach kamen von ihrer Seite überwiegend nur noch Vorwürfe und Ablehnung auf mich ein gehagelt. Sie wollte weder mehr hören, noch lesen, wie schlecht es mir ständig ginge und über meinen neuen Freund wollte sie am besten so wenig wie möglich erfahren. Mein Facebook-Posting über die Bettelkinder (Sternsinger) beendete schließlich unsere „Freundschaft“, da sie darin ihren 14-jährigen Sohn, der selbst mal Sternsinger war, beleidigt sah. Obwohl ich nie wusste, dass er das mal war. Es interessierte mich in diesem Moment auch wenig, da ich diesen Post jedes Jahr zu „Hl. Drei Könige“ ablasse. Alle Geduld und Verständnis, die sie jemals für mich empfand, warf sie einfach über Bord und sortierte mich aus ihrem heilen Leben aus, in dem sie mich erst so offenherzig empfangen hatte. Sie hatte ihre Gründe nun zusammen um mich zu kicken. Nur für was wollte sie mich als Freund? Einer, der ihr ständig vorheuchelt, wie gut es ihm geht? Ich verzichte mittlerweile dankend, denn FREUNDE stehen immer hinter mir, egal wie es mir geht und was ich aus mir mache!

Meine Alkoholabstürze mehrten sich im neuen Jahr, so auch in der Vollmondnacht zum 09. Januar. Am nächsten Tag erfuhr ich durchs Internet, was es mit den tauben Fingern an meiner linken Hand auf sich hat. Ein Ulnarisrinnen-Syndrom, eine Art Nervenentzündung. Es genügt ja nicht schon meine seit November nicht endende Gürtelrose, meine Schmerzen, Panikattacken und der ganze restliche Scheiß, der noch auf mich zukommt.

Kurz rappelte ich mich wieder auf und verlor sehr schnell wieder die Kontrolle… Noch am 16. Januar räumte ich mein Wohnzimmer um und strich eine Wand rot. Ich dachte, die Umstellung würde mir helfen. Jedoch war es nur ein Tropfen im heißen Wüstensand. Und eben, während ich das schreibe, erfahre ich im Chat von Heiko, dass Vollmondnacht ist. Nun weiß ich auch, warum schon wieder diese innere Unruhe in mir herrscht und ich noch nicht, wie in den letzten Tagen auch, schon im Bett bin.

Am 20. Januar kam der verspätete Winter. 20 cm Schnee hatten wir hier auch nicht jedes Jahr. In dieser Nacht erlebte ich mein bisher wohl letztes Glück. Klaus und ich bauten einen Schneemann im Garten. Woher kam diese plötzliche Freude? Jemand schenkte mir nach Tagen von Abstinenz was zum Rauchen…

Ein paar Tage später, schwelgte ich in Kindheitserinnerungen und sah mir alte Videos an, auf denen auch meine verstorbene Mutter zu sehen ist. Es machte mich noch weiter fertig. Alles überschattet vom drohenden Ende der Beziehung zwischen Rene und mir. Und sie kam sehr bald darauf, nach wieder massenhaft verlorenen Tagen. Als ich ihm am Abend des 24. Januar wieder nicht sagen konnte, wie ich zu dieser zerrütteten Beziehung stehe, löschte er gegen 21.45 Uhr kurzerhand unsere Beziehungsverbindung in Facebook. Eigentlich hätte es mir Recht sein sollen. Nur die Umstände, die zu seiner Verzweiflung und zu unserem Ende geführt hatten, verkraftete ich im Nachhinein ganz und gar nicht. Seit Tagen ohne Gras, warf ich mir dann Schmerzmittel ein um den Seelenschmerz zu vergessen und trank dazu Rotwein. Nicht wenig. Es wurden in dieser Nacht und mit dem Telefonat mit Rene etwa drei Flaschen. Und irgendwann verlor ich mein Bewusstsein…

Gegen sechs Uhr morgens kam ich zu mir,  in meinem Bett liegend, während mir jemand immer wieder ins Gesicht haute und mich rüttelte. Als ich bei mir war, konnte ich erkennen, dass Notärzte, Polizisten und Feuerwehrmänner in meiner Wohnung standen. Ich war sehr verwirrt. „Was macht ihr hier? Wie kommt ihr hier rein??“ fragte ich die Menschen verwirrt. „Durch die Tür“ sagte ein Polizeibeamter lächelnd, der mir später auch eine seiner Zigaretten anbot, da ich keine mehr hatte. Im Laufe des Aufklarens und dem Gespräch mit den Beamten stellte sich heraus, dass mein „Partner“, so wie sie sagten, den Notarzt verständigt hatte, da er glaubte, ich liege mit einer Überdosis tot in der Wohnung. Nach etwa einer halben Stunde Gesprächen hatte ich die Leute aus meiner Wohnung und soff weiter. Eigentlich wäre ich in wieder mal in der Psychiatrie Haar gelandet, aber Dank meines geschickten Mundwerks und meiner Ausreden ist das nicht geschehn. Sehr erbost teilte René telefonisch mit, was ich von seiner Aktion halte. Heute wäre ich froh, sie hätten mich für ein paar Wochen in die geschlossene Anstalt gesteckt.  An diesem Tag wurde es sehr kalt.

Mit Dezemberrosen warst Du mein
und bliebst bei mir.
Im Januar-Eis war’n wir allein
mit einem leeren Blatt Papier.

Vier Stunden später erschien ich zu meinem Ersttermin bei einer Psychiaterin in meiner Nähe. Ein Termin, für den ich lange gekämpft hatte. Als sie von meiner Anamnese und dem Geschehnis der letzten Nacht erfuhr, sagte sie nur: „Ich kann ihnen nicht helfen. Sie sind ein Fall für die Klinik.“ Danke Deutschland. Ab Mittag, war Julie bei mir und achtete auf mich. Ich befand mich den ganzen Tag über in einer Art Manie und Depression zugleich. Ich war betrunken, kotzte Blut, hatte schwere Schmerzen und war zwischendurch aufgesetzt lustig. Das ging bis in den späten Abend. Mir ist es bis heute kaum erklärlich, wie Julie meinen Zustand, den sie zum ersten mal, seit wir uns kannten mitbekam, ertragen konnte. Ich war noch etwa drei Tage auf diesen Tabletten „drauf“ und hatte schlimmste Schmerzen, ehe sich mein körperlicher und geistiger Zustand zur „Ruhe“ legte.

Danach wurde diese schier gespenstische Ruhe um mich immer stärker. Und gerade im neuen Jahr, zum Februar, als ich eigentlich dachte, das Schlimmste wäre überstanden, kam der Winter mit vollster Wucht. Nicht etwa wie 2006, sondern mit trügerischem, hässlichen Sonnenschein und eisiger Kälte bei über minus 20°C. Und es kamen Diagnosen von Ärzten…

Seit Ende Januar schreibe ich nun gar nichts mehr in meinem persönlichen Facebook-Profil. Anfangs war es schwierig, aber mit der Zeit wurde meine Abneigung, Dinge zu schreiben, die mich gerade beschäftigen, immer größer. Die derzeitige Wetterlage und die verbundene Kälte sind neben verregneten Sommern das Schlimmste, was ich mir unter „Wetter“ nur vorstellen kann und ziehen mich noch mehr runter. Meine Schmerzen, die oft akut und dann stundenlang auftreten, nehme ich zähneknirschend hin. Ich nehme seit meiner Tablettenintoxikation keinerlei Medizin mehr zu mir. Das Schlimmste an allen Umständen mag wohl meine Depression sein, die so schlimm, wie selten zuvor auf mich einschlägt. Nein, ich sitze nicht zuhause und weine. Ich habe meist keine Tränen mehr. Ich bin stumm und liege solange wie nur möglich im Bett. Nur weil mir das Liegen nach Mittag irgendwann lästig wird, stehe ich irgendwann auf und versuche etappenweise, meinen Haushalt ordentlich zu halten. Ich bin wohl der einzige Mensch mit schweren Depressionen auf dieser Welt, der in einer ordentlichen Umgebung haust. Ich möchte niemanden sehen und wünsche mir ab und an doch, dass bestimmte Menschen nach mir sehen, aber genau DIESE tun es eben nicht. Und ist jemand bei mir, bringe ich oft keinen Ton raus. Selbst mein Kater flüchtet seit Wochen immer wieder ins Bad, weil er meine Laune fühlt. Der Einzige, der WIRKLICH für mich da ist, ist Klaus. Er geht für mich einkaufen, weil ich selbst das nicht mehr schaffe, versucht mir etwas Trost zu spenden, auch wenn es nicht mehr ankommt. Bevor ich zum Briefkasten stürme, vergewissere ich mich, dass kein Nachbar auf den Hausfluren läuft, da mir eine Unterhaltung und vor Allem die Frage „Wie geht’s Dir?“ unangenehm ist. Ich habe an nichts mehr Freude, kaufe mir nun auch kein Gras mehr, weil es meine Stimmung nur noch kurzfristig steigert. Mein Handy ist meist aus oder lautlos. Auf Mails in Facebook antworte ich nur noch, wenn ich sie mal sehe oder mit höchster Unlust. Oder gar nicht. Ich wäre im Moment am liebsten im Koma, bis alles ein Ende hat. Oder zumindest bis diese Kälte weg geht. Sie macht mich noch mehr kaputt. Mein größter Hass, der sich nicht auf Menschen und ihr Tun richtet, richtet sich gegen Kälte und Winter. Denn ich kann dagegen rein gar nichts ausrichten, außer in ein warmes Land zu gehen, aber dafür fehlt mir das Geld. Es wäre ein Traum… Weg hier…

Ich wäre gern verliebt, aber denke im gleichen Atemzug schon wieder daran, wie schnell das enden kann. Ich träume seit Monaten sehr stark und wirr. Und wieder vermehrt von Max. Im wahren Leben hält er mich von sich fern und nachts in meinen Träumen lässt er mich nicht in Ruhe. Es macht mich zusätzlich fertig.

Mein Vater ist ein Ignorant. Vor zwei Wochen schrieb ich ihm zum ersten Mal in meinem Leben aus eigenen Zügen einen ehrlichen, langen Brief und er bleibt: ignorant. Keine Antwort. Ich vermisse meine Mutter.

Jeder Tag ist nur eine Qual. Auch wenn ich weiß, dass ich es im Gegensatz zu vielen anderen Menschen auf der Welt sehr gut habe. Ich sehe es jeden Tag in verschiedensten Nachrichten. Aber das hilft mir nicht. Ich bin appetitlos, leblos und unfähig. Ich warte hier nur noch auf meinen Final Day. Denn ab dann wird alles gut.

08. Februar 2012 – 01.50

1 thought on “Geistiger Tod

  1. Wilde Kaiserin

    Hallo John..
    wofür ich dich als Freund wollte-

    ich mochte dich einfach. Dass du krank bist, weiß ich.
    Nur, wie du selber schon gesagt hast, bist du ein ziemlicher Egoist. Egomanisch..

    So wie du es darstellst, ist es nicht. Ich war dir wichtig, solange ich mich für dich interessierte, so wie alle für dich interessant sind, die sich für dich interessieren. Menschen, die nicht so auf dich eingehen, sondern “nur” befreundet sein wollen, wie zb Dirk, um die kümmerst du dich gar nicht.

    Eine Freundschaft besteht auch weiß Gott nicht nur aus “hinter einem stehen”, wobei Kritik und “Vorwürfe!” – ^^ das nicht ausschließen. Wärst du mir egal gewesen, hätte ich keinen Gedanken daran verwendet und dich einfach machen lassen..

    Was wirklich anstrengend ist: du willst alles immer besser machen und versprichst es vollmundig, drehst dich um und machst einfach so weiter wie bisher.

    Das mit den Sternsingern fand ich daneben, aber das ist halt deine Meinung.. – richtig ist: seit dem 3. Advent, wo mein Leben akut bedroht war, und mein Vertrauen in dich zerstört, hab ich mich abgewandt. Und ich denke nicht, dass man mir das zum Vorwurf machen kann. “Heile Welt” hin oder her: ich bin bis heut nicht drüber weg..

    Und hör doch jetzt endlich mal auf, auf mich zu schimpfen. ^^

    Der zweite, und wichtigste Grund, warum ich deine Freundschaft suchte:
    wir sind wesensverwandt. Mit dem Blick in deine Seele find ich meine. Im Erkennen deiner Fehler erkenne ich meine.
    Das ist leider immer noch so. 🙂 Vergessen hab ich dich nicht, und werd ich auch nie können. oder wollen.

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