Hausverbot

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Nach einer Nacht mit heftigsten Albträumen, mehrmaligem Aufwachen und Angstzuständen führt dieser Tag nichts Gutes im Schilde. Wie immer koche ich meinen Tee auf, räume etwas auf und langweile mich am PC. Meine Stimmung ist alles andere als gut, aber ich versuche, das Beste draus zu machen. Die Albträume der letzten Nacht hängen mir immer noch nach. Mein Exfreund, der sich in einen “Erzengel Michael” verliebt und ihm eine Herzengirlande malt, die blutende, nach Luft gurgelnde Bettelfrau am Bushäuschen, wie ich im Gefängnis von Wärtern traktiert werde, weil ich jemanden ermordet habe und den Rest weiß ich jetzt (18.40) nicht mehr genau…

Gegen 16.30 Uhr, nach einem wieder mal unnötigen Skype-Wortgefecht zwischen meinem Ex und mir sage ich den Termin bei meinem Psychoanalytiker telefonisch ab. Zum Glück muss ich nur auf den AB sprechen. Ich kann da nicht hin. Ich fühle mich schlecht und minderwertig. Gegen 17.00 Uhr zieh ich mir was über, vermumme mich so, dass mich keiner erkennt und bring mein Leergut zu Tengelmannn. Ich hab eine innere Wut und Traurigkeit in mir, die man kaum beschreiben kann. Und ich hab das dumpfe Gefühl, dass mir heute noch jemand begegnet, der mich provoziert.

Während ich meine zwei Taschen mit Pfandflaschen in den Automat stecke, bemerke ich im Augenwinkel, dass ein Mann zwei Meter hinter mir steht und wartet. Das nervt mich. Hinter ihm steht dann noch ein Frau. Die beiden unterhalten sich, aber ich verstehe es nicht, weil meine Musik im MP3 Player läuft. Die leeren Tüten lege ich wie immer neben den Automaten. Plötzlich verstehe ich immer deutlicher, dass der Mann, mitte 50, mich anspricht. “Ja, werns wohl ihre Tüten wieder mitnehmen?!” raunzt er in ernstem Ton. “Einen Scheiß mach ich!” raune ich zurück und nehm einen Ohrstöpsel raus. “Ja wo komma denn do hie, wenn a jeder sein Müll do lässt! Sie nehma des jetzt mit, sonst ruf i die Geschäftsleitung!” provoziert er weiter. Filmriss. Ich laufe auf den Mann zu und schubse ihn. “Hast Du den ganzen Tag nichts anderes zu tun, Du Arschloch?!” schreie ich ihn an. “Musst Du mich bis aufs Blut nerven ja?” schreie ich weiter. “Hilfe, Hilfe!” ruft der Mann. Ich schreie ihn weiter an. Während er versucht, mich anzugreifen, schubse ich ihn nochmal kräftig; er fällt zu Boden. Kurz muss ich an die Bettelfrau denken, wie sie nach Leben gurgelt und das Blut spritzt. Fassungslosigkeit in den Gesichtern der Kunden. Bedienstete des Ladens kommen herbeigeeilt. Die Geschäftsführerin brüllt mich an: “Sie bleim jetzt do, ich ruf die Polizei! Sie ham ab sofort Hausverbot!” Zwei Türken mitte 20 halten mich fest. Der Mann will nochmals auf mich zulaufen, während ich mich aus der Gefangenschaft der beiden Türken befreie. Einem verpasse ich einen kräftigen Faustschlag ins Gesicht. Er fällt gegen die Kühltruhe. Blut. Dann beginne ich unter Panik Konservendosen nach dem anderen zu werfen. “Keiner kommt mir zu nahe, oder es passiert was ganz schreckliches, das schwör ich euch!” schreie ich die Leute an, die sich in der kurzen Zeit um das Geschehen versammelt haben. Ich nehme meinen Rucksack vom Boden und renne aus dem Laden. Keiner folgt mir. Ich laufe richtung REWE und sehe die Polizei mit Blaulicht richtung Tengelmann fahren. Ich habe Panik.

Aber ich setze meinen Einkauf fort. Zwei Bockbier und eine Schachtel Zigaretten nehme ich mir mit und laufe weiter zu Netto. Warum musste das geschehen?
Die “Diebin” sitzt an der Kasse und fragt, was mit mir los ist. “Nix, es geht nur momentan alles drunter und drüber..” antworte ich und möchte so schnell wie nur möglich aus dem Laden. Ich laufe den dunklen Weg nach Hause. An den Blöcken riecht es nach angebranntem Fleisch. Ich muss kotzen. Ich kotze, bis ich das Gefühl habe, mein Magen kommt raus, weil nichts außer Flüssigkeit drin ist.
Anschließend sitze ich auf meiner Bank im Park, trinke ein Bier und denke darüber nach, was geschehen ist. Früher war das meine Bank zum Nachdenken. Nun steht sie unter Wasser…

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