Kapitulation im Frühling

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Samstag morgen. Drei Uhr nachts. Nachdem ich beschlossen hatte, Daniel mit meinem spotanen Besuch in Weißenburg zu überraschen, packe ich eine Tasche, während Michi ständig auf mich einquatscht, dass das ne absolut bescheuerte Idee wäre, ich könne ja um neun mit der Mitfahrgelegenheit im Internet nach Nürnberg fahren. Für fünf Euro.

Aber ich bleibe stur. Immerhin hatte ich es bisher immer dorthin geschafft, wo ich hinwollte, außer die Sommeraktion 2006, wo ich nach 8 Stunden tramperei nicht bei Michi in Berlin stand, sondern auf dem Autobahnzubringer am Olympiastadion. 😀

Um fünf Uhr früh, es ist noch dunkel, laufe ich los nach Großhadern, stell mich zur A9 Richtung Nürnberg. Um viertel nach sechs schreib ich eine SMS an Michi, er solle dringend den Brief für Frau Wolf einwerfen. Ich hatte geschrieben, dass wir meine Hilfe im Garten auf Montag verschieben müssten, mir sei kurzfristig etwas dazwischengekommen. Hatte in der planlosen Eile vergessen, ihn einzuwerfen.

Gegen halb sieben hält endlich ein Wagen. Frau mit Tochter aus dem Stuttgarter Raum. Sie nehmen mich mit bis ins Westend. Ich laufe bis zur Donnersberger Brücke und muss feststellen, dass ich dort kaum wegkomme. Nehm den Bus zur Münchener Freiheit.

Während ich zusehends nüchterner werde, verspüre ich ein unsägliches Hungergefühl. Ich fühl mich, als hätt ich ein Loch im Bauch. Es ist kurz vor sieben und kein Fraßladen, der geöffnet hat. Tja Schwabing am verkaterten Morgen eben. Ich sehe, dass im Mc Kotz Licht brennt. Eigentlich wollt ich diesen Fraß so schnell nimmer anrühren, aber is ja ein Notfall. Hunger muss gestillt werden. In jeder Lebenslage^^

Ob ich betrunken sei, fragt der türkische Mc Kotz-Fuzzi, als er die Tür aufsperrt. “Ne hungrig oder warum denkst du, bin ich hier?” er sieht mich dumm an und erklärt dass es jetzt nur Frühstück gabe. Kein BigMac oder sonstwas. Na super. “OK, ich nehm das Teil da mit den Eiern.” Fleischbelag, Eier, Käse, Ahornsirup. Mir wird kotzübel, als ich das runterwürgen muss. Aber ich habe Hunger und ess es eben. Der grässliche Nachgeschmack dieses Ekelfrühstücks blieb mir über Stunden erhalten.

Gegen halb acht kauf ich mir Zigaretten an der Shell und laufe weiter Richtung A9. Da steh ich nun an diesem Zubringer und übe mich in Geduld. Ein beschissener Platz zum Trampen. Halten, erst recht schwierig. Einer hält. Der mir aber dann erklärt, dass er nur nach Garching fahre. Verdammt! Der Electro-File, den ich mir letztens aus nem Porno zog, wechselt sich mit klassischen Stücken und irgendwann gegen neun wird mir schwindlig. Immer wieder bin ich hin- und hergerissen zwischen Daniel besuchen und nach Hause fahren. Ich kapituliere und meine Aufgabe wird zur Aufgabe. Ich sehe ein, dass es nimmer groß Sinn macht und es würde Daniel auch nicht viel bringen, wenn ich in Weißenburg als lebender Überrest ankomme. Ich geh wieder zurück in die Leopoldstraße und besuch den braunen Franz, der ganz in der Nähe wohnt.

Der ist positiv überrascht von meinem Besuch, quatscht weniger als sonst über Krieg und Politik, trinkt ein Glas Becherovka mit mir, ehe ich dann bald wieder abziehe. Die Sonne kommt raus. Es wird warm. Meine Laune ist bemerkenswert gut und ich lasse mich mal richtig gehn. Keine Agora – keine Panik. Alles ziemlich angenehm. An einer Bushaltestelle in der Leopoldstraße beschimpft ein Mann zwei Zivilbeamte, weil sie ihren Motor nicht abstellen, während sie einen Autofahrer kontrollieren. Ein kurzes, wüstes Wortgefecht ensteht, ehe die Beamten das Blaulicht vom BMW nehmen und abfahren. Ich finde das Genial und kann es zum Teil mit der Digi filmen.

Es wird immer wärmer. Aber ehe ich meine Jacke ausziehn kann, muss ich kotzen. Ich schleppe mich in eine Einfahrt und kotze das Ekelfrühstück aus. Endlich! Es ist draußen. Ein Bier hinterher und schon ist dieser widerliche Nachgeschmack Vergangenheit.

Im schwabinger Studentenviertel treffe ich noch Didi an seinem Obststand und nötige ihn freundlich zu nem kleinen Tratsch vor der Kamera. Dann fahre ich mit der U Bahn nach Hause und kaufe 2 Taschen voll bei PLUS ein. Zuhause angekommen, es ist halb eins, treffe ich noch Ayse. Wir ham nen lustigen Tratsch am Balkon.  Es hat fast 17°C. Gegen halb 2 räume ich wie versprochen Frau Wolfs Garten auf. Und irgendwann Abends bin ich so im Arsch, dass ich in der Badewanne mehrmals einpenne.

Nachdem ich eine Stunde geschlafen hatte und ich abends noch an ein erlesenes Hofnarrenkraut komme, geht es mir dann langsam besser. Nach insgesamt 43 Stunden ohne Schlaf beende ich diese Tortour und lege mich gegen sechs Uhr früh schlafen.

1 thought on “Kapitulation im Frühling

  1. cRaZyMaNIaC

    stur triffts ….ja 😛
    “Fleischbelag, Eier, Käse, Ahornsirup.” davon müsste ich auch kotzen o.O

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